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„Wir arbeiten wieder in drei Schichten“

„Wir arbeiten wieder in drei Schichten“

Die anziehende Konjunktur erreicht offenbar auch den mittelständischen Betrieb Polygraphischer Maschinenbau Schkeuditz (PMS). Nach monatelanger Durststrecke und neuer Ausrichtung auf branchenfremde Produkte nimmt die Auftragslage wieder zu.

Schkeuditz. Doch eine Forderung der Sächsischen Aufbaubank (SAB) könnte den Betrieb in neue Schwierigkeiten bringen.

Ein Vertreter eines großen Kältemaschinenherstellers überzeugte sich gestern bei PMS von der Leistungsfähigkeit und Qualitätsarbeit des Betriebes. Damit wird die Grundlage für weitere Gespräche über neue Aufträge gelegt. In einem Metier, das ursprünglich nicht zum Geschäftsfeld des Produzenten von Teilen für Druckmaschinen gehörte.

„Nach dem Einbruch in unserer Branche haben wir neue Kunden gesucht und aquiriert. Kältemaschinen, Motorenhersteller, Schienenbau. Wir haben Know-how für die Aluminium- und Graugussbearbeitung, moderne Maschinen, sehr gut ausgebildete Facharbeiter. Diese Möglichkeiten bringen wir nun auch außerhalb unserer Branche auf den Markt“, beschreibt Geschäftsführer Dirk Bahr den Wandel. Die Aufträge nehmen wieder zu. „Wir arbeiten jetzt wieder in drei Schichten. Haben 44 Mitarbeiter und drei Azubis“, so Bahr.

Doch nun, in der Phase der langsamen Erholung nach der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, bereitet eine Forderung der SAB Bahr Kopfschmerzen, gefährdet möglicherweise den zarten Aufschwung. Die Vorgeschichte: PMS plante, in den Jahren 2006 bis 2008 1,52 Millionen Euro in neue Maschinen und technische Anlagen zu investieren. Seitens der SAB flossen 450 000 Euro Fördermittel, die wie üblich an Bedingungen geknüpft waren. Unter anderem sollten bei PMS fünf neue Arbeitsplätze entstehen. Doch die Krise schlug auf die Druckmaschinenbranche durch, PMS brachen Aufträge in Größenordnungen weg. Der Umsatz sank von noch 7,6 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 3,8 im Jahr darauf und erwartete 2,3 Millionen Euro dieses Jahr. „Wir haben 1,2 Millionen investiert, dann abgebrochen. Statt neue Leute einzustellen, mussten wir entlassen“, schildert Bahr. Von den erhaltenen 450 000 Euro seien 200 000 Euro zurückgegeben worden.

Jetzt verlangt die SAB auch die anderen 250 000 Euro plus Zinsen zurück. „Ich halte die Forderung für nicht berechtigt. Außerdem steht dafür im Moment auch kein Geld zur Verfügung“, formuliert es Bahr. Er hat sich an die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig gewandt und um Hilfe am Runden Tisch gebeten. Eine 1994 in Leipzig erfundene und danach bundesweit in den Kammern übernommene Einrichtung, um Gläubiger und Schuldner an einen Tisch zu bekommen und unter IHK-Moderation Lösungen zu suchen, Firmen und Arbeitsplätze zu retten.

„Unsere Aufgabe ist es, den Mittelständlern zu helfen. Wir werden auch in diesem Fall alles daran setzen. Mehr kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Da stehen erst noch einige Gespräche und Prüfungen an“, erklärt IHK-Kommunikationschef Jörg Hübner. Auch die SAB will sich aufgrund des Bank- beziehungsweise Verwaltungsgeheimnisses nicht zu konkreten Sachverhalten äußern. Aber: „Stellt das sofortige Begleichen der Forderung eine erhebliche Härte für das Unternehmen dar, können verschiedene Möglichkeiten geprüft werden, die Rückzahlungen zu erleichtern“, teilte Beate Bartsch aus der SAB-Rechtsabteilung auf LVZ-Anfrage mit. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, wir bleiben im Gespräch“, ergänzte sie. Die Forderung habe zudem nichts mit den Rahmenbedingungen, den Arbeitsplätzen zu tun. Es gehe um die Einhaltung des sächsischen Haushaltsrechtes.

Dirk Bahr hofft nun auf eine gütliche Einigung. Gerade gestern führte er Einstellungsgespräche mit drei Interessenten. Arbeit gibt es jetzt offenbar wieder reichlich.

Olaf Barth

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