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Schkeuditz "Wir haben uns nie auf Zivis verlassen"
Region Schkeuditz "Wir haben uns nie auf Zivis verlassen"
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08:51 05.03.2011
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Schkeuditz

Ab 1. Juli soll der Zivildienst gänzlich durch den so genannten Bundesfreiwilligendienst ersetzt werden. In Schkeuditz sieht man das eher gelassen.

"Herr Schmidt ist eine Ausnahme", lobt Melanie Rosche, Verwaltungsleiterin der Helios-Klinik Schkeuditz das Engagement des Zivildienstleistenden Ricardo Schmidt. Noch bis Ende April ist er im Fahrdienst der Klinik eingesetzt. "Meine persönliche Einstellung, die sicherlich durch die Erziehung meiner Eltern entstanden ist und durch meinen Bruder, der ebenfalls Zivildienstleistender war", nennt der 19-Jährige seine Beweggründe, warum er sich für den Zivildienst entschieden habe. Gemeinsam mit sieben weiteren leistet er seinen Wehrersatzdienst ab. 

Desinteresse oder Abwesenheit sind zum überwiegenden Teil die Eigenschaften Zivildienstleistender, klagt Rosche. Personell habe man sich nie auf Zivildienstleistende gestützt. "Wir haben 230 Mitarbeiter und hatten nie mehr als zehn Zivis", sagt die Verwaltungsleiterin. Im Gegenteil würde die geplante Einführung des Bundesfreiwilligendienstes womöglich gar Vorteile bringen. "Wenn es dann heißt, sich freiwillig und mit tatsächlichem Interesse zu entscheiden, sind es vermutlich zwar weniger, aber auch engagiertere Helfer", glaubt Rosche.

"Ich habe es als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen", sagt Schmidt. Direkt nach dem Abitur hat sich der Leipziger für die Schkeuditzer Klinik entschieden, da seine Oma hier als Patientin in Behandlung war. Nach dem Zivildienst möchte Schmidt Bauingenieurswesen studieren, sagt er und nimmt die Kurierkiste mit Post von Rezeptionsmitarbeiter Rainer Wisniewski entgegen. Fahrten zu anderen Kliniken und Laboren gehören zur Route. "Sechs bis sieben Fahrten am Tag kommen im Schnitt zusammen", sagt Schmidt.

"Wir haben keine Zivildienstleistenden", sagt Mario Kulisch. Der Leiter der Wohnstätte für Menschen mit Behinderung verweist auf das nicht alltägliche Arbeitsumfeld, für welches im Allgemeinen wenig Interesse bestünde. "Vereinzelt hatten wir diese Kräfte, aber wir haben uns aber nie auf Zivis verlassen", sagt Kulisch und begründet, somit keine Sorgen bei der Aussetzung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes zu haben. 

Im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz sind derzeit acht Zivildienstleistende beschäftigt. Dies teilte Silke Göcker, Sachbearbeiterin für die Zivildienstleistenden, auf Anfrage der LVZ mit. "Im Bereich Wirtschaft oder im Pflegedienst sind die Zivis eingesetzt", informiert sie.

"Im gesamten Landkreis Nordsachsen gibt es 101 Einrichtungen, in denen Zivildienst möglich ist", informiert Antje Mäder, Pressesprecherin des Bundesamtes für den Zivildienst in Köln. "235 Stellen stehen hier zur Verfügung, von denen im Februar 87 besetzt waren", erwähnt Mäder. Zahlen für den März lägen noch nicht vor. Allgemein habe die Zahl der Zivis aber stetig abgenommen. 

In der vergangenen Woche ist im Deutschen Bundestag das Bundesfreiwilligendienstgesetz (BFDG) von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in Erster Lesung vorgestellt worden. Demnach soll der ab 1. Juli in Kraft tretende Dienst Männern und Frauen jeden Alters offen stehen. Die Dienstleistenden sollen sozialversichert werden und ein Taschengeld erhalten. Kontroverse Diskussionen und Kritik an möglichen Doppelstrukturen schlossen sich der Ersten Lesung an. 

Roland Heinrich

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