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Schkeuditz Wird historischer Gasthof demnächst abgerissen?
Region Schkeuditz Wird historischer Gasthof demnächst abgerissen?
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11:17 21.10.2015
Die SWV in Schkeuditz hat einen Abrissantrag für den „Blauen Engel“ gestellt. Er soll nach altem Vorbild neu aufgebaut werden. Quelle: Roland Heinrich
Schkeuditz

Seit Jahren ist der historische „Gasthof zum Blauen Engel“ am Schkeuditzer Markt ein Thema bei der Stadt, bei der Schkeuditzer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (SWV) – dem Eigentümer – und bei der Denkmalbehörde im Landratsamt Nordsachsen. Bei dem leerstehenden Gebäude, für das es nach wie vor einen Interessenten gibt, geht es zwischen den Genannten um die Kosten der Sanierung und um Auflagen des Denkmalschutzes. Es geht darum, Kompromisse zu finden, damit der Investor tatsächlich auch investiert.

„Wir haben einen Abrissantrag für den ,Blauen Engel’ gestellt“, bestätigte am Dienstag Gerald Fritzsche auf Nachfrage der LVZ. Wie der Geschäftsführer der SWV informierte, ist der Antrag für das gesamte Gebäude gestellt worden. Ging es im Jahr 2013 noch um einen Teilabriss des oberen Geschosses und dessen Neuaufbau nach altem Vorbild, soll nun das gesamte Gebäude originalgetreu neu wieder aufgebaut werden. „Auch die Kassettendecke soll wieder in das neue Gebäude kommen“, sagte Fritzsche. Jene Holz-Kassettendecke im ehemaligen Gastraum steht nämlich genauso unter Denkmalschutz, wie das Renaissance-Portal mit der Jahreszahl 1660.

„Der ,Blaue Engel’ ist eines der ältesten, wenn nicht das älteste Profangebäude in Schkeuditz“, sagte Jürgen Liebau vom Bau- und Planungsamt im Landkreis Nordsachsen. Der Sachgebietsleiter für Denkmalschutz unterstreicht, dass schon das mit 1660 bezeichnete Portal in Renaissanceformen an sich ein Alleinstellungsmerkmal ist. „Dazu kommt die stadtbildprägende Lage am Markt und die Verbindung zur Familie Lessing. Insofern ist es ein wertvolles Denkmal“, wies er hin. Festzulegen, dass das Jahr 1660 über dem Portal auch das Jahr der Erbauung ist, damit hält sich das Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler zurück und verweist lediglich auf die Existenz der Daten. „Im Kern älter“ ist zu dem Haus dort sogar zu lesen.

„Dieses ehemalige Fuhrmannsgasthaus befand sich ... Jahrhundertelang im Besitz der Vorfahren des Dichters und Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing“, steht auf einer Granittafel neben dem Eingang geschrieben. Der Großvater des Dichters habe hier das Bier für die Gäste gezapft. Ob der Dichter jemals seinen Fuß in dieses Gasthaus gesetzt hat, ist ungewiss. „Allerdings hat er in Leipzig studiert. Ob er in dieser Zeit auch einmal seinen Großvater besucht hat, darüber kann nur spekuliert werden“, sagte Helge Fischer von der Stadt.

„In unserem Amt liegt eine ,Anzeige der Beseitigung von Anlagen’ für den ,Blauen Engel’ vor“, informierte Liebau am Dienstag. Dies sei eine Angelegenheit des Bauordnungsrechts. „Ein separat notwendiger Antrag auf denkmalschutzrechtliche Genehmigung des Abbruches ist noch nicht eingegangen“, wies der Sachgebietsleiter hin. Nach Erhalt eines entsprechenden Antrags habe das Amt in der Regel innerhalb zweier Monate zu entscheiden. Dass das Denkmalamt nun einem Abriss des einstigen Gasthofes zustimmt, ist eher unwahrscheinlich. Bestrebungen der SWV, nur einen Teil abreißen zu lassen, wurden trotz Bittbriefes der Stadt bereits 2013 abgelehnt. Ein Entgegenkommen seitens des Amtes für Denkmalschutz hatte es allerdings bereits gegeben. Die auf dem Grundstück befindlichen Nebengebäude, die ebenfalls unter Denkmalschutz standen, durften nämlich abgerissen werden. Die einzige Auflage kam aus der Naturschutzbehörde: „Wir mussten ein Insektenhotel bauen“, hatte Fritzsche informiert.

Die vom Landkreis verwalteten Landesmittel zur Pflege und Erhaltung von Kulturdenkmalen sind eher bescheiden, sagte Liebau zu einer eventuellen finanziellen Unterstützung der Sanierung. Für einzelne Bauteile von hoher Wertigkeit, wie etwa der Portalrestaurierung, könne ein Antrag aber aussichtsreich sein.

Von Roland Heinrich

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