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Schkeuditz Wolteritz hat wieder ein Rotmilan-Brutpaar
Region Schkeuditz Wolteritz hat wieder ein Rotmilan-Brutpaar
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16:00 12.05.2016
Peter Solluntsch kümmert sich um den Schutz auch des Rotmilans. Quelle: Fotos: Roland Heinrich
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Wolteritz

Jetzt befinde sich Peter Solluntsch in der besonders schönen Zeit seines Arbeitsjahres. Er ist draußen. Der Forstwissenschaftler ist in Nordsachsen unterwegs, um Rotmilan-Brutpaare zu zählen und deren Nistplätze ausfindig zu machen. „Rund 50 bis 60 Brutpaare gibt es“, sagte der 28-Jährige. Dabei spricht er von einem 330 Quadratkilometer großen Gebiet, das sich nördlich von Leipzig befindet und zu dem auch Wolteritz, ein Ortsteil von Schkeuditz, gehört. Wegen des nährstoffreichen Bodens – neben dem der Magdeburger Börde – ist jenes Gebiet vor allem von weiten Feldern, die intensiv bewirtschaftet werden und von einem geringen Waldanteil geprägt. Im landschaftlich abwechslungsreichen Naturschutzgebiet „Vereinigte Mulde Eilenburg – Bad Düben“ gibt es hingegen die höchste Rotmilan-Dichte in Sachsen.

Solluntsch ist im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Nordwestsachsen in der Natur. Dabei kommt er auch nach Wolteritz, wo es schon im letzten und auch in diesem Jahr wieder ein Rotmilan-Brutpaar gibt. „Draußen zu sein, ist zwar schön, man bekommt aber auch hautnah mit, wie es um die Fauna bestellt ist“, sagte Solluntsch bedrückt. Viele Vogelarten der sächsischen Agrarlandschaft sind in den vergangenen Jahren selten geworden. Auch einst häufige Arten, wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche, sind vom Artensterben im Agrarraum betroffen. Das Rebhuhn etwa ist erst in der jüngeren Vergangenheit im Landkreis Meißen ausgestorben, erwähnte Solluntsch. Auch andere Arten, die zum Teil Nahrungsquelle für den Rotmilan sind, werden immer seltener.

Futtersuche ist schwierig

Dem Rotmilan, dem sich Solluntsch seit 2013 im Rahmen eines deutschlandweiten Projektes widmet, geht es schlecht. Der Zugvogel, der im Gegensatz zum Schwarzmilan, nur in Europa vorkommt, hat es immer schwerer, Futter zu finden. Nicht unbedingt, weil Nagetiere fehlen. Sie sind für den Rotmilan nur immer schwieriger zu finden. Das liegt daran, dass Rapsfelder oder Wintergerste hoch gewachsen sind und so den Blick auf die Nager versperren. Über Feldern kreisend, die gerade abgeerntet werden, ist der Rotmilan bei der Futtersuche hingegen gut zu beobachten.

Die Anzahl der in Deutschland brütenden Paare hat in den letzten 20 Jahren um ein Drittel abgenommen. Dabei leben mehr als 50 Prozent des weltweiten Bestands in Deutschland. Der Rotmilan wird deshalb auch als das heimliche Wappentier Deutschlands bezeichnet. Sachsen gehört zu den dichter besiedelten Bundesländern und beherbergt etwa zehn Prozent des Bundesbestandes. Um diesen zu erhalten oder zu vergrößern, haben der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und die Deutsche Wildtier Stiftung (DeWiSt) das nationale Schutzprojekt „Rotmilan – Land zum Leben“ ins Leben gerufen. Das Vorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert. Der LPV Nordwestsachsen ist einer von elf Praxispartnern in sieben Bundesländern, die das Projekt vor Ort umsetzen. In Sachsen wird das Projekt auch noch in einem zweiten Projektraum in Ostsachsen vom Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz durchgeführt.

Doch der Rotmilanbestand wird nicht nur gezählt. „Einige Vögel bekommen auch sogenannte Rucksacksender auf dem Rücken platziert. Dadurch lassen sich Flugrouten und -strecken nachvollziehen“, sagte Solluntsch. Diese Flugfelder werden gerade in der Brutzeit immer größer. Was die Brutentwicklung betrifft, kann Solluntsch noch keine Aussage treffen. Der Beobachtungszeitraum sei noch zu kurz. Positive Auswirkungen auf diese Entwicklung versprechen sich die Projektpartner vom eigentlichen Kern-Aufgabengebiet.

Abwechslung von Acker- und Grünland

Das besteht in der Beratung von Landnutzern hin zu einer rotmilangerechten Flächenbewirtschaftung. Lebensräume wie Brachen, Feldränder und Blühstreifen, also ein abwechslungsreiches Acker- und Grünland, kommen dabei nicht nur dem Rotmilan zugute, sondern sind auch Lebensraum zahlreicher bedrohter Wildtierarten. „Es gibt bei der Gestaltung der Flächen Überschneidungen. Blühstreifen etwa sind auch für Schmetterlinge nützlich“, nennt Solluntsch ein weiteres Projekt des LPV Nordsachsen.

Das Rotmilan-Projekt läuft bis 2019. Wie „rotmilanfreundlich“ die Maßnahmen sind, die die Landwirte praktisch umsetzen, wird von Wissenschaftlern untersucht. Anschließend sollen die Erfahrungen und Ergebnisse für Empfehlungen in der Umwelt- und Agrarpolitik verwendet werden. Ob in Wolteritz in diesem Jahr Bruterfolge zu verzeichnen sind, kann Solluntsch noch nicht bestätigen. Erst im August werden die Jungtiere flügge.

www.rotmilan.org

Von Roland Heinrich

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