Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Schkeuditz „Zu großer Effekt am falschen Ort“
Region Schkeuditz „Zu großer Effekt am falschen Ort“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 28.06.2011
In dieser Baulücke zündeten die Feuerwerke drei Feuertöpfe und erzeugten so eine Kaminwirkung, die den Effekt verstärkte und die Tür (links) neben dem Mode-Eck verformte. Quelle: Olaf Barth
Anzeige
Schkeuditz

Auch, weil eine der Zündungen für unerwartete Effekte mit Sachschaden gesorgt hatte.

Dicht gedrängt stehen die Massen Sonnabendnacht auf dem Schkeuditzer Marktplatz. Vom Dach des Kulturhauses Sonne schießen zur Filmmusik von „Terminator 2“ Feuer-Fontänen in den Himmel. Doch zu den fulminanten Schlusstakten der Melodie wird der Marktplatz plötzlich von einem explosionsartigen Knall erschüttert, berichten Besucher. In der Baulücke an der Nordseite zwischen den Häusern sechs und acht schießt eine Stichflamme in den Himmel, „höher als das Riesenrad“. Viele spüren eine heiße Druckwelle, am Haus 6 splittert Glas, die Eingangstür verbiegt sich. Besucher fassen sich instinktiv an den Kopf, ob noch alle Haare drauf sind. Besorgt eilen Kameraden der Schkeuditzer und Dölziger Feuerwehr herbei, checken die Lage und beruhigen die Gemüter.

„Die Leute um uns waren starr vor Schreck und wir wollten schnell weg von dort. Wenn der Effekt gewollt war, wurde mit der Gesundheit der Leute gespielt“, kritisiert Dennis Wilhelm aus Gröbers. Und Anwohnerin Katja Bröking schreibt, bei ihr hätten die Wände wie bei einem Erdbeben gewackelt. „Es war ein schönes und gelungenes Stadtfest, doch beim Feuerwerk muss wohl etwas gehörig schief gegangen sein. Das hätte schlimme Folgen haben können“, so die Schkeuditzerin. Auch Stadtwehrleiter Uwe Müller hat eine klare Meinung dazu: „Das war ein zu großer Effekt am falschen Ort. Natürlich bestand Gefahr. Im ersten Moment dachte ich, es wäre eine Gasexplosion oder ein terroristischer Anschlag.“ Man habe Glück gehabt, dass niemand zu Schaden kam und keine Massenpanik entstand. Müller erwartet nun eine gründliche Auswertung, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann.

„Grundsätzlich sollte der Effekt so sein. Aber jetzt wissen wir, dass wir die Kaminwirkung in dieser Baulücke nicht ausreichend berücksichtigt hatten, und so stieg die Flamme höher als gewollt. Aber es bestand keine Gefahr für Besucher. Der Sicherheitsabstand war doppelt so hoch wie nötig“, erklärte gestern Feuerwerker Arne Seelig von der Dessauer Firma wegTech. Es könne auch sein, dass die Zündungen der drei Feuertöpfe im Abstand von 0,7 Sekunden zum Takt der Musik die Resonanz-Frequenz erwischt hätten und der Effekt sich aufgeschaukelt habe. Seelig tut der Vorfall unendlich leid, es sei der erste in über zwölf Jahren überhaupt. „Wir haben das bereits mit dem Gewerbeamt und Fachleuten ausgewertet. Uns wird kein Regelverstoß vorgeworfen, aber wir und alle anderen werden daraus lernen. Diese Erfahrung wird künftig Teil der Schulungen sein“, sagte der „Spezialist für feurige Angelegenheiten“, wie die Firma im Internet für sich wirbt.

Beim Zünden der Feuertöpfe sei Unterdruck entstanden, so dass sich eine Haustür neben dem „Mode-Eck“ nach innen verbog. Auch Fensterscherben flogen nach innen. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. „Wir hatten sofort Kontakt mit der Polizei, den Veranstaltern und dem Hauseigentümer. Unsere Versicherung übernimmt den Schaden, er wird so schnell wie möglich repariert“, versprach Seelig. Zwei schlaflose Nächte habe ihn der Zwischenfall gekostet. Dass es am Ende für das zehnminütige Feuerwerk begeisterten Applaus gab, tröstet Seelig nicht: „Gerade weil wir sehr auf Sicherheit achten, ärgert uns der Vorfall selbst ungemein.“

Olaf Barth

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vier Tage Stadtfest gingen stimmungsvoll und ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne. Besucher, Organisatoren und alle, die für Ordnung sorgen sollen, waren zufrieden.

27.06.2011

Glück gehabt, die dunklen Wolken ließen nur vereinzelt ein paar Tropfen fallen, der große bunte Festumzug konnte trocken und sogar bei Sonnenschein über die Bühne gehen.

25.06.2011

Wie soll es nach der Schule weitergehen? – Vor dieser Frage stehen irgendwann alle Gymnasiasten und Mittelschüler. Vorteile hat, wer sich vorher rechtzeitig informiert und gar schon Kontakte zu Bildungseinrichtungen oder zu Firmen im gewünschten Berufszweig knüpft.

24.06.2011
Anzeige