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280 Millionen Jahre an einem Vormittag

280 Millionen Jahre an einem Vormittag

280 Millionen Jahre an einem Vormittag erleben – das geht nur an einem geologischen Schaufenster, wie es die Tongrube in Cradefeld bietet. Zum gestrigen Tag des Geotops führte Naturschützer Bernd Hoffmann dort sachkundig durch ein Taucha zwischen Vulkanismus, Seestadt, Sauriern und Eiszeiten.

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Spannende Geschichten können Steine erzählen – wenn man sie zu lesen weiß. Bernd Hoffmann, hier mit Schirm in der Hand, erläutert in der Tongrube Cradefeld einen Findling und dessen Reise nach Taucha in der Eiszeit.

Quelle: Jörg ter Vehn

Taucha. Rund ein Dutzend Interessierte, überwiegend aus Leipzig, waren der Einladung des Zweckverbandes Parthenaue zu der Führung gefolgt. Unter ihnen auch Maik Becker, Student der Geowissenschaften, der gerade an seiner Abschlussarbeit über das Tonvorkommen in Taucha schreibt. Oder Hobby-Steinkundler Dagobert Janitschke. Oder Geografie-Lehrerin Uta Brenn. Sie alle wanderten mit Hoffmann in die Erdgeschichte – und entdeckten jeder für sich etwas Neues.

Da sind etwa die mächtigen Kaolinvorkommen, die Brenn in Taucha nicht vermutet hätte. Entstanden durch die Verwitterung des Porphyr aus der Zeit des Vulkanismus mit der schwefelhaltigen Luft der Kreide- und Tertiärzeit über Millionen von Jahre, wird das helle Gemisch noch heute abgebaut und dient der Herstellung von Keramik. „Drei bis vier Meter dick sind die Kaolinschichten hier“, erzählte Hoffmann. Wie berichtet, liefert die Firma Rösl den Werkstoff bis in die Toskana zur Fliesenherstellung.

Janitschke fand vor allem die Schichtungen im Gelände „spannend“. Im mittlerweile verfüllten Steinbruch nebenan seien sie noch besser zu sehen gewesen, erläuterte Hoffmann. Aber wie Porphyr, Kaolin- und Meereston, darüber die Kohle und das Geschiebe aus den beiden Eiszeiten von „erdgeschichtlich gesehen gestern“ übereinander liegen, beeindruckte die Besucher. Anhand von Findlingen erklärte der Naturkundler auch die eiszeitlichen Bewegungen, zeigte Schliffe und Einlagerungen. Und auch einen Seeigel, der – schon versteinert – im Geschiebe der Geröllmassen aus dem Nordmeer angereist war.

Der Steinbruch sei bereits im 17. Jahrhundert genutzt worden und für den Leipziger Rat von großer wirtschaftlicher Bedeutung gewesen. Eine prächtige Lindenallee, wie sie sonst nur von Herrenhäuser bekannt sind, habe zu den Vorkommen geführt, so Hoffmann. Die Rohstoffe ließen sogar Leipzigs Industriellen Karl Heine planen, die Parthe zu kanalisieren, um die Baustoffe schneller nach Leipzig schaffen zu können. Ein Plan, der aber nie umgesetzt wurde. Jörg ter Vehn

Jörg ter Vehn

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