Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Taucha 77 Jahre und kein bisschen leise: Harry Künzel swingt und unterhält
Region Taucha 77 Jahre und kein bisschen leise: Harry Künzel swingt und unterhält
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 01.03.2010
Anzeige
Taucha

„Frau, hol’ mir doch bitte die Kulturtasche mit dem Vorschlaghammer und dem Wagenheber.“ Harry Künzel hat alle im Griff, auch seine Getreue. Zwei Minuten, jahrzehntelange Erfahrung und ein paar gekonnte Handgriffe mit dem Schraubenzieher später klingt die Klarinette wieder. Schöner denn je und mit ganz verliebten Augen spielt der Merkwitzer seine Musik: Swing-Klassiker wie Tuxedo von Duke Ellington oder den C-Jam-Blues, dessen Name wohl nur wenigen etwas sagt, aber dessen Melodie so ziemlich jeder im Ohr haben dürfte. Locker ergänzt Künzel seine Ein-Mann-Show zum Playback mit Anekdoten: Wie er von seinem Nachbarn auf der Hochschule für Musik, Schlagzeuglehrer und Big-Band-Leader Fips Fleischer abgelegte Noten abstaubte, oder 1947 als blutjunger Kerl bei Kurt Henkels im Orchester aushalf und die Swing-Nummern mit klassischen Tonfolgen wie aus der Kleinen Nachtmusik anreicherte. Versiert und verspielt gibt er dem Publikum im Café esprit eine Kostprobe von damals, spielt an der Orgel mal schnell ein Stück der Toccata von Bach, die er bei Henkels einflocht. Oder erklärt den Gästen den Unterschied zwischen Improvisation und vom Blatt spielen. Immer sitzt bei ihm jeder Ton – bis auf zwei oder drei Kiekser, die er aber schon im Vorfeld ankündigt. Weil sein Sohn, Tobias Künzel von den Prinzen, ihm doch unbedingt ‘was Schönes aus London mitbringen wollte, sollte es ein besonderes Mundstück für das Saxophon sein. „Das muss ich aber erst noch einspielen“, erklärt Künzel. Das Publikum nimmt es ihm nicht Übel, im Gegenteil, es hängt an seinen Lippen, will zu den Liedern auch die Geschichten des 77-Jährigen hören. So wie Gret und Reiner Kunath aus Dresden. „Eigens wegen Herrn Künzel haben wir unseren Besuch hier in Taucha verlängert“, erzählen sie – und haben die Entscheidung nicht bereut. „Grandios“, meint auch Ursula Brandt-Friese, die Gastgeberin des Besuchs. „Wir haben alle Künzels schon erlebt“, erzählt sie. „Auch den Lutz Künzel hier im esprit.“ Ob es ein Wiedersehen mit Harry Künzel geben kann, lies der offen. Der Arzt habe ihm geraten, kürzer zu treten. „Es könnte der letzte Auftritt sein“, so Künzel. Dann beim Konzert sagt er: „Musik ist wie eine Droge.“ Von der ist bekanntlich schwer lassen.  

Jörg ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Raumordnungsverfahren zum Bau der B87n ist gestoppt. Gestern teilte die Landesdirektion Leipzig diese Entscheidung mit. Das Verfahren werde ausgesetzt, bis bei der Teilfortschreibung des Regionalplanes für den Bau der Straße sichere Arbeitsstände vorlägen, so die Behörde.

01.03.2010

Jugendclub und Jugendparlament ringen beide um mehr Aufmerksamkeit bei den jungen Leuten in Taucha. Abhilfe schaffen sollen jetzt unter anderem einen Party für die großen Kids und ein Spielenachmittag für die etwas kleineren.

28.02.2010

Taucha. Die Kirche Sehlis soll bald auch Turmfalken und Schleiereulen aufnehmen. Gestern wurden unterm Dach die Behausungen für die neuen Untermieter angebracht.

26.02.2010
Anzeige