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77 Jahre und kein bisschen leise: Harry Künzel swingt und unterhält

77 Jahre und kein bisschen leise: Harry Künzel swingt und unterhält

Wenn bei Harry Künzel die Klappe kaputt geht, kann das nur die an der Klarinette sein: Gut gelaunt und mit dem Schalk im Nacken gab der Altmeister des Swing am frühen Sonntagabend ein Konzert – trotz kleinerer Probleme mit dem Instrument.

Taucha. „Frau, hol’ mir doch bitte die Kulturtasche mit dem Vorschlaghammer und dem Wagenheber.“ Harry Künzel hat alle im Griff, auch seine Getreue. Zwei Minuten, jahrzehntelange Erfahrung und ein paar gekonnte Handgriffe mit dem Schraubenzieher später klingt die Klarinette wieder. Schöner denn je und mit ganz verliebten Augen spielt der Merkwitzer seine Musik: Swing-Klassiker wie Tuxedo von Duke Ellington oder den C-Jam-Blues, dessen Name wohl nur wenigen etwas sagt, aber dessen Melodie so ziemlich jeder im Ohr haben dürfte. Locker ergänzt Künzel seine Ein-Mann-Show zum Playback mit Anekdoten: Wie er von seinem Nachbarn auf der Hochschule für Musik, Schlagzeuglehrer und Big-Band-Leader Fips Fleischer abgelegte Noten abstaubte, oder 1947 als blutjunger Kerl bei Kurt Henkels im Orchester aushalf und die Swing-Nummern mit klassischen Tonfolgen wie aus der Kleinen Nachtmusik anreicherte. Versiert und verspielt gibt er dem Publikum im Café esprit eine Kostprobe von damals, spielt an der Orgel mal schnell ein Stück der Toccata von Bach, die er bei Henkels einflocht. Oder erklärt den Gästen den Unterschied zwischen Improvisation und vom Blatt spielen. Immer sitzt bei ihm jeder Ton – bis auf zwei oder drei Kiekser, die er aber schon im Vorfeld ankündigt. Weil sein Sohn, Tobias Künzel von den Prinzen, ihm doch unbedingt ‘was Schönes aus London mitbringen wollte, sollte es ein besonderes Mundstück für das Saxophon sein. „Das muss ich aber erst noch einspielen“, erklärt Künzel. Das Publikum nimmt es ihm nicht Übel, im Gegenteil, es hängt an seinen Lippen, will zu den Liedern auch die Geschichten des 77-Jährigen hören. So wie Gret und Reiner Kunath aus Dresden. „Eigens wegen Herrn Künzel haben wir unseren Besuch hier in Taucha verlängert“, erzählen sie – und haben die Entscheidung nicht bereut. „Grandios“, meint auch Ursula Brandt-Friese, die Gastgeberin des Besuchs. „Wir haben alle Künzels schon erlebt“, erzählt sie. „Auch den Lutz Künzel hier im esprit.“ Ob es ein Wiedersehen mit Harry Künzel geben kann, lies der offen. Der Arzt habe ihm geraten, kürzer zu treten. „Es könnte der letzte Auftritt sein“, so Künzel. Dann beim Konzert sagt er: „Musik ist wie eine Droge.“ Von der ist bekanntlich schwer lassen.  

Jörg ter Vehn

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Landkreis: Nordsachsen

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Stadtverwaltung: Schlossstraße 13, 04425 Taucha

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