Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Taucha 87-Jährige macht regelmäßig Yoga: „Ein wunderbares Gefühl“
Region Taucha 87-Jährige macht regelmäßig Yoga: „Ein wunderbares Gefühl“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 07.06.2011
Elastisch bis ins hohe Alter: Liselotte Nadolski (vorn), Karla Röber und Kursleiterin Kathrin Taube. Quelle: Benjamin Böhme
Anzeige
Taucha

Und sie brauchen immer öfter Entspannung. Die Parthestädterinnen Karla Röber (87) und Liselotte Nadolski (71) suchen sie bei gemeinsamen Yoga-Stunden.

Endlich kommt Karla Röber zur Ruhe. Die sonst so quirlige Frau liegt auf dem Rücken und hält die Augen geschlossen. In der Mitte des Raumes brennen zwei Teelichter, daneben qualmt ein Räucherstäbchen. Ruhige Musik plätschert aus einem tragbaren Kassettengerät. Durch die Fenster scheint die untergehende Sommersonne. Draußen zwitschern die Vögel ein Abendlied. So beginnt für die inzwischen 87-Jährige seit nunmehr schon sechs Jahren ihre wöchentliche Stunde Yoga. Zusammen mit ihrer 71-jährigen Freundin Liselotte Nadolski besucht sie das Yogatraining der Volkshochschule in der Tauchaer Mehrzweckhalle – und das mit Erfolg: „Nach dem Sport fühle ich mich entspannt und elastisch“, sagt Karla Röber und resümiert: „Ein wunderbares Gefühl.“

Liselotte Nadolski kann das nur bestätigen. 14 Jahre führte die Physiotherapeutin in Dewitz eine eigene Praxis, verordnete Yogaübungen zur Genesung. „Die Aktivität spricht den ganzen Körper an und hilft, die innere Mitte zu finden“, sagt sie. Gerade für ältere Menschen sei Yoga ideal: Ohne Leistungsdruck, werde die Muskulatur und das vegetative Nervensystem gestärkt. Zudem gebe es bei diesem Sport ein nur sehr geringes Verletzungsrisiko, sagt sie.

Die erste Übung beginnt. Die Kursleiterin Kathrin Taube turnt sie vor: Die Beine werden gegrätscht, der linke Arm berührt den linken Fuß. Der andere Arm zeigt in die Luft. Für ein paar Sekunden wird die Stellung gespannt gehalten. Dann werden die Muskeln wieder entspannt. Den eigenen Körper fühlen, die innere Mitte finden – deshalb sind die beiden Rentnerinnen Woche für Woche hier. Und deshalb integrierte Liselotte Nadolski schon in den 1970er-Jahren, sie war gerade in einer neuropsychiatrischen Ambulanz angestellt, Yogaübungen in die Trainingsprogramme ihrer Patienten. „Zwar wurde ich damals misstrauisch beäugt, weil solch ein Vorgehen nicht der Schulmedizin entsprach, doch war es mir so möglich, den Menschen ganzheitlich zu heilen“, erklärt Nadolski.

Die Trainerin Kathrin Taube gibt wieder eine Anweisung. Nun wandert der rechte Arm an den rechten Fuß und der linke Arm in die Höhe. Kathrin Taube läuft zwischen den Teilnehmern des Kurses hin und her, korrigiert hier und da eine Stellung. Es hat ein bisschen was von Gymnastikübungen, nur langsamer, ruhiger, ausgeglichener. „Es bleibt Zeit, um zu sich selbst zu kommen“, sagt Karla Röber. Zeit zum Ordnen von Geist und Seele, Zeit für Erinnerungen.

Viel hat sie erlebt, die 87-Jährige. Über 30 Jahre hat sie im Gartenbaubetrieb ihres Mannes mitgearbeitet, ihn in den letzten Jahren sogar geleitet. Sie war die Frau mit dem grünen Daumen. In der ganzen Region waren Blumen, Obst und Frühgemüse des Betriebes bekannt. 1984 machte die Gesundheit den harten Alltag nicht mehr mit. Das Ehepaar gab den Betrieb auf. Heute ist ihnen nur ein Garten geblieben. Dort wird wenig angebaut. Ein paar Blumen, wenige Tomaten, aber viele Tannenbäume stehen dort. Doch gar nichts tun – das ist nicht die Sache von Karla Röber. Und weil das auch ihr Mann Horst weiß, unterstützt der 91-Jährige seine Frau, wo er kann, und fährt sie jeden Mittwoch mit seinem dunkelroten Opel zum Training. „Ich liebe sie“, sagt er und blickt ihr in die wachen Augen. „Auch für ihren Optimismus und ihren Lebensmut“, fügt er hinzu. 61 Jahre sind die beiden nun verheiratet – eine Liebe, die wie auch ihre Protagonisten gereift ist.

Nach einer Stunde pustet Kathrin Taube die Teelichter aus. Die Sonne ist noch nicht untergegangen, obgleich sie schon das Trainingsgelände vor der Mehrzweckhalle in goldgelbes Licht taucht. Liselotte Nadolski schwingt sich auf ihr Fahrrad, klingelt, winkt und ruft: „Bis nächste Woche!“ Karla Röber läuft heute zu Fuß nach Hause. Es seien ja nur zwei Kilometer. Benjamin Böhme

Benjamin Böhme

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Diskussion zum Bau der B 87 n bewegt Nordsachsen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig hat jetzt eine Umfrage initiiert, um den politischen Entscheidern erneut die Dringlichkeit einer aus ihrer Sicht durchgehend vierspurigen Strecke zu verdeutlichen.

07.06.2011

Die Parthestadt rüstet sich für einen Ansturm von Pensionären. Wenn die Pläne der Investoren aufgehen, könnte sich die Zahl der Pflegeheimplätze in der Stadt verdoppeln.

03.06.2011

Wenn von den Schülern der 12. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums die Last der Abitur-Prüfungen und der Stress der vergangenen Tage abfällt, wird traditionsgemäß gefeiert.

03.06.2011
Anzeige