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90-Jährige hilft Feuerwehr-Chronisten mit Fotos und Erzählungen

90-Jährige hilft Feuerwehr-Chronisten mit Fotos und Erzählungen

Wolfgang Pauli und seine drei Mitstreiter der Historik-Gruppe aus der Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Taucha strahlten um die Wette. Denn dank eines Beitrages über ihre Arbeit in der LVZ können sie nun etliche weiße Flecken in ihrer Chronik tilgen.

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Wolfgang Pauli, Lothar Heß, Siegfried Wagner, Wolfgang Becker mit Zeitzeugin Ruth Potrykus (von links) vor der "Ahnengalerie" aller Tauchaer Wehrleiter, die nun keinen leeren Bilderrahmen mehr hat.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Wie berichtet, sind neben Pauli noch Wolfgang Becker, Lothar Heß und Siegfried Wagner seit zwei Jahren dabei, die Geschichte der Tauchaer Feuerwehr aufzuarbeiten. Als erstes Projekt hatten sie die "Ahnen-Galerie" aller Tauchaer Wehrleiter fertig, nur von Willi Kunze, der von 1940 bis 1945 Wehrleiter war, fehlte noch ein Bild. Mit "Vielleicht können uns hier die Leser der LVZ weiterhelfen", veröffentlichten vor vier Wochen die Chronisten in dieser Zeitung einen Hilferuf. Und er wurde erhört!

Noch am Erscheinungstag des Artikel am 6. März klingelte am Vormittag bei Wolfgang Pauli das Telefon. Am anderen Ende meldete sich Ruth Potrykus aus Taucha: "Wenn Sie Fotos von Willi Kunze brauchen, ich habe welche, denn ich bin seine Tochter." Pauli wollte es kaum glauben und fuhr noch am selben Tag zu ihr. "Ich bin jetzt noch überwältigt, als ich die Alben und Dokumente sah, die Frau Potrykus mir zeigte", schilderte der ehemalige Stadtwehrleiter immer noch sichtlich bewegt seine erste Begegnung. "Es war ja nicht nur das Foto, mit dem wir unsere Galerie endlich vervollständigen können. Nein, in den Alben waren so viele Fotos mit alter Feuerwehrtechnik aus den 30er Jahren. Einiges davon war bis 1952 im Einsatz. Das ist ein wahrer Schatz, den wir hier gehoben haben, denn wir befassen uns ja gerade mit der Entwicklung der Technik der Tauchaer Wehr", sprudelte es begeistert aus ihm heraus. Im Gespräch mit der 90-jährigen Tauchaerin bekam Pauli mit, dass sie sich immer noch für die Arbeit der Feuerwehr interessiert. Spontan lud er die Seniorin zu einem Besuch in das Feuerwehr-Gerätehaus ein. Ein paar Tage später wurde sie, natürlich standesgemäß, mit einem roten Mannschaftstransportwagen der Tauchaer Wehr von Zuhause abgeholt.

Ruth Potrykus wurde im Dezember 1924 in Plösitz geboren, zog dann mit ihren Eltern in die Wallstraße, wo sie heute noch wohnt. "Ich lese, so lange ich denken kann, die LVZ. Als ich dort vom Hilferuf der Feuerwehrleute erfuhr, hab ich sofort meine Alben rausgekramt und Herrn Pauli angerufen", erzählte die rüstige Seniorin. In vielen Details konnte sie schildern, wie ihr Vater, der mit 17 Jahren Feuerwehrmann wurde, mit Begeisterung in der 2. Bereitschaft dabei war. "Seine Uniform hing gleich neben dem Bett, damit es schnell ging, wenn es Alarm gab", erinnerte sie sich an ihre Kindheit.

1925 erhielt ihr Vater das Ehrendiplom für 20-jährige Tätigkeit und zum dreißigsten Jubiläum gab es ein Kaffeeservice und ein Foto-Album von seinen Kameraden. Urkunde und Album überließ die Tochter nun den Geschichts-Forschern. "So komisch, wie es klingt", erzählte Feuerwehr-Historiker Wolfgang Becker, "aber in den Tafelliedern, die damals bei geselligen Zusammenkünften gedichtet und gesungen wurden, haben wir etliche Fakten aus der Geschichte der Tauchaer Feuerwehr gefunden."

Neu- und wissbegierig blätterten die Feuerwehr-Veteranen im Gerätehaus in der Sommerfelder Straße nun in den Alben. Begeistert wurde dabei eine Übung mit Hakenleitern am Rathaus betrachtet und kommentiert. Bei der waren Feuerwehrleute mit den Steighilfen bis hoch zum Ratssaal geklettert. Auf den teilweise verblassten Fotos erkannte Ruth Potrykus viele der damaligen Kameraden wieder und wusste auch, wo die Bilder aufgenommen wurden. Den Standort der Mauer zum Beispiel, vor der ein Zug Feuerwehrleute in zackiger Grundstellung angetreten war, konnte sie sofort zuordnen: "Das ist gegenüber der Neuapostolischen Kirche", wusste sie Bescheid. Und dass das Plösitzer Feuerwehr-Gerätehaus in der Bergstraße gestanden hat, konnte sie auch gleich noch klarstellen. "Solange in meinem Kopf noch alles in Ordnung ist, helfe ich gerne", bot sie den Feuerwehrmännern an.

"Wahnsinn, was die Frau noch alles weiß", schwärmte Wolfgang Pauli, "gut, dass wir dank der LVZ noch eine gut informierte Zeitzeugin finden konnten." Ihre Fotos, Dokumente und Informationen seien ein wichtiger Mosaikstein zur Vorbereitung auf das Jahr 2016, denn dann besteht die Tauchaer Feuerwehr 145 Jahre.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2015
Reinhard Rädler

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