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„Alles über 30 Grad ist kritisch“

„Alles über 30 Grad ist kritisch“

Langsam häufen sich die Stoppelweiten auf den ländlichen Fluren, denn die Getreideernte ist in vollem Gange. Während die Gerste schon vollständig gemäht und gedroschen wurde, folgen derzeit Roggen und Weizen.

Taucha. Auch der Raps muss nun auf den Feldern Platz für die nächste Aussaat machen. Landwirte prognostizieren nach der guten bis mäßigen Gerste-Ernte eher eine schlechte beim Weizen und Roggen.

Auf den Feldern der Region hinterlässt die erbarmungslose Kraft der Sonne ihre Spuren. Der Weizen auf dem Biofeld nahe Sehlis hängt schon vollends gelb bis gräulich in den Ähren. Und selbst das Unkraut hatte während der zurückliegenden Hitzeperiode die Wuchskraft verlassen. Vor kurzem noch flimmerte die Luft, so dass der GPS-gelenkte Mähdrescher, auf dem Matthias Tobisch Joystick und Lenkrad hält, in der Weite verschwamm. Temperaturen jenseits der 30 Grad, die Luft stand wie in einem Backofen auf den Feldern. Der Backofen war zu lange an, da sind sich die Landwirte bundesweit einig. Auch wenn der Regen der vergangenen Tage befreiend wirkte, so kam er doch für den Weizen und Roggen zu spät.

„Alles was über 30 Grad plus ist, ist kritisch“, sagt Lutz Eimecke, einer von zwei Geschäftsführern bei der Gruma Agrar GmbH. „Es ging alles zu schnell“, fügt er an. Die Firma hat nahe Taucha bei Gordemitz Ackerflächen gepachtet und baut auf diesen neben Gerste, Roggen und Weizen auch Raps an. Das Problem Hitze im Zusammenspiel mit keinem Niederschlag beschleunigt den Reifeprozess des Getreides zu schnell. „Die Körner schmoren zusammen“, beschreibt Eimecke. Ähnlich sieht das Matthias Tobisch vom Jesewitzer Landhandel Dieter Laufer GmbH. „Die Feuchtigkeit hat in den letzten Monaten gefehlt.“ Und das wird dem Weizen und Roggen in diesem Jahr zum Verhängnis.

Während der Vorsitzende des Regionalbauern-Verbandes Hermann Schulze-Delitzsch, Peter Birke, von bis zu 30 Prozent Ertragsverlust im Vergleich zum Vorjahr bei Weizen und Roggen ausgeht, halten sich die Landwirte aus der Tauchaer Region mit Zahlenprognosen zurück. „Mittelmäßig bis schlecht“, schätzt Tobisch. „Größere Verluste“, prognostiziert Eimecke: „Weizen und Roggen hätten zwei Wochen länger ausreifen müssen.“ Auch bei der Saat-Gut Plaußig Voges KG ist der Ertrag bei der Saatgutvermehrung ein wenig rückläufig, sagt Geschäftsführerin Anna Catharina Voges. „Die Befruchtung war nicht gut“, begründet sie, „in der Blütezeit war es einfach zu kalt.“

Bei der eingebrachten Gerste ziehen alle drei Betriebe eine gute Bilanz. „Es war eine gute Ernte, vielleicht sogar ein bisschen mehr als im Vorjahr, weil beim Kornfüllungsprozess Wasser da war“, sagt der 28-jährige Geschäftsführer des Jesewitzer Landhandels. „Wir sind mit den Erträgen zufrieden“, schließt sich Voges an, „die Gerste hat nicht unter der starken Hitze gelitten.“ Unwesentlich ist daher der Ertragsverlust auch bei der Gruma Agrar GmbH. Womit sich Eimecke den Landwirten rund um Taucha anschließt.

Groß eingestiegen wird derzeit auch beim Ernten des Rapses, der für den unkundigen Betrachter schon wochenlang vor sich hin trocknet. „Raps kann erst geerntet werden, wenn der Feuchtigkeitsgehalt in den Schoten bei 9,5 Prozent liegt“, erklärt Eimecke. Da der Raps 20 bis 30 Tage früher als das Getreide auf den Feldern stand, prognostizieren die Landwirte eine gute Ernte. „Sie haben ein seht tiefes Wurzelwerk“, sieht Voges den Raps bei Hitze weniger anfällig als Getreide. Einziges Manko: „Zur Blütezeit war es kalt und kaum Bienenflug“, fügt die Saat-Gut-Geschäftsführerin an. „Vom Schoten- und Wasseransatz sieht der Raps gut aus“, sagt Eimecke und hofft auf einen ordentlichen Ertrag. Denn für eine Tonne Raps gibt es für die Erzeuger 340 Euro. 140 Euro, weniger als die Hälfte, wird für die Tonne Brotweizen gezahlt, 20 Euro weniger für die Wintergerste. Das erklärt die frühsommerliche Gelbfärbung der Äcker nicht nur in den hiesigen Regionen.

Karl Christianson

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Landkreis: Nordsachsen

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Stadtverwaltung: Schlossstraße 13, 04425 Taucha

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