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Alte Liebe rostet nicht: Wartburg-Cabrio ist wieder schick wie in den 50ern

Alte Liebe rostet nicht: Wartburg-Cabrio ist wieder schick wie in den 50ern

Wer jung ist, hat Träume. Gerhard Warkowski hat sich einen erfüllt - und fährt ihn noch heute, den Wartburg 311/2, der ein Jahr älter ist als er selbst. In seiner Freizeit hat der 51-jährige Wahl-Tauchaer das Cabriolet restauriert - und das gleich zwei Mal.

Taucha. Gebraucht hat er dafür insgesamt acht Jahre. Der Lohn ist ein Schmuckstück, von dem es nur 2670 Exemplare gibt. Mit 27 kauft Gerhard Warkowski einen nicht fahrfähigen Schrotthaufen – den Wartburg 311/2, ein Cabriolet. Zu diesem Zeitpunkt werden in der DDR keine Cabrios mehr produziert. In Grünau aber verrottet sein Traumauto. Warkowski macht den Besitzer ausfindig und kauft es ihm für 2800 Mark ab. „Das wird nie ein Auto“, spotten die Leute in seiner Straße, damals noch in Leipzig-Leutzsch. Doch Warkowski macht sich unverdrossen ans Werk: „Ich bin ein Bastler, habe das Auto in alle seine Einzelteile zerlegt.“ Von 1987 bis ‘89 bringt er den Wartburg das erste Mal in Schuss. Zusammen mit einem Bekannten aus Lindenau arbeitet er in dessen Hinterhofgarage jede freie Minute an seinem Auto. „Kurz vor der Wende war es fertig, ich bin damit das Begrüßungsgeld in Bamberg holen gefahren“, erinnert sich Warkowski. „Das Auto wollten viele haben, es gab Tauschangebote aus dem Westen“, erzählt der gelernte Zerspanungsfacharbeiter. Doch von seinem Jugendtraum will er sich nicht trennen. Er kauft kein Westauto, bleibt bei Wartburg. Wenn er mit seinem Cabrio unterwegs ist, klebt immer mal wieder ein Zettel an der Windschutzscheibe: „Habe Ersatzteile.“ Gegen einen Kasten Bier, eine Flasche Schnaps oder für maximal 100 Mark sammelt Warkowski zwei Anhänger voller Ersatzteile. Für bis zu 300 Mark kauft er mehrere Autos. Zeitweilig stehen auf seinem Tauchaer Grundstück 17 Wartburgs – das Ersatzteillager. „Die Leute wollten ja damals alles loswerden, hätte ich Platz gehabt, hätte ich die Autos behalten und müsste heute nicht mehr arbeiten“, erzählt er. Über seinen Liebling weiß Warkowski alles. Bücher, Fotos und Papiere bewahrt er sorgsam auf. „Das Auto war ein so genannter Schwarzbau, das heißt, er wurde in Eigenregie entwickelt, der Ingenieur musst sogar Strafe zahlen“, sagt Warkowski. Der 311/2 sei, als er auf den Markt kam, besser gewesen als der VW Käfer – mit Heizung und Zigarettenanzünder. „Doch dann ist die Entwicklung stehen geblieben, gebaut wurden von diesem Modell nur 2670 Stück.“ Dementsprechend schwierig gestaltet sich die zweite Restaurierung. Von Dezember 2003 bis September diesen Jahres nimmt Warkowski sein Cabrio noch einmal komplett auseinander: „Jetzt ist alles im hundertprozentigen Originalzustand von 1957“, sagt Warkowski stolz. Geholfen hat ihm wieder der Lindenauer Bekannte, der seine Hinterhofwerkstatt inzwischen zur richtigen Werkstatt gemacht hat. Die Sattler- und Karosseriearbeiten sowie die Endlackierung in krapprot und hellgrau hat Warkowski aber nicht selbst ausgeführt. Sein Wartburg 311/2 ist als Oldtimer zugelassen. „Am 9. Juni 1995 wurde er als erster Oldtimer im Leipziger Land zugelassen.“ Zur DDR-Design Ausstellung in der Tauchaer Bibliothek (die LVZ berichtete) präsentiert er seinen Jugendtraum erstmals nach der Restaurierung der Öffentlichkeit. „Fahrtüchtig ist er schon seit 2008, aber es fehlten noch Originalteile“ Jetzt, wo der historische Wagen wieder wie einst strahlt, will ihn Warkowski im April auf der Oldtimermesse in Essen präsentieren.

Kristin Jurack

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