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Angler kritisieren "Zerstörung" des Biotops Dewitzer Kiesgrube

Angler kritisieren "Zerstörung" des Biotops Dewitzer Kiesgrube

Eigentlich ergriff Christian Brandt "nur als Tauchaer Bürger" das Wort, und nicht als Angler, wie er sagte. Der Tauchaer hatte sich anlässlich der Bürgerfragestunde in der Stadtratssitzung gemeldet und von "katastrophalen Zuständen" an der Dewitzer Kiesgrube berichtet.

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Nicht rote, sondern schwarze Bullen sorgen nach wie vor für Streit an der Dewitzer Kiesgrube zwischen Naturfreunden und dem Farm-Betreiber.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Vielen war natürlich sofort klar, dass hier vor allem auch der Vorsitzende des Angelverbandes Taucha auf ein Problem aufmerksam macht, mit dem sich bekanntermaßen die Sportfischer, aber auch Jäger und Naturschützer schon seit Jahren auseinandersetzen. Denn aus ihrer Sicht haben die neben und in der Kiesgrube weidenden Wasserbüffel ein geschütztes Biotop zerstört.

Die von Brandt verteilten Fotos sprechen in der Tat eine klare Sprache. Von dem früher mit Schilf bewachsenen und von reichlich Grün umgebenen eigentlich idyllischen Teichumfeld ist nichts mehr zu sehen. Kahl und trostlos wie ein beliebiger Tümpel präsentiert sich das Angelgewässer. Die LVZ berichtete darüber bereits ausführlich im August 2013, doch geändert hat sich an dem Zustand im und am Gewässer seitdem nichts. "Früher hatten wir hier seltene Tiere, 800 Quadratmeter Röhricht. Doch jetzt ist es einfach nur traurig, wie es dort aussieht. Da muss doch mal was passieren, wenn so ein schöner Flecken Natur kaputt gemacht wird", appellierte Brandt an die Verantwortung der Stadträte.

"Das Problem ist uns bekannt, die Zuständigkeit dafür liegt beim Landratsamt Nordsachsen. Alles was bei uns an Beschwerden in Zusammenhang mit der Wasserbüffel-Farm bezüglich des Naturschutzes, der Hygiene und Veterinärmedizin eingegangen ist, haben wir weitergegeben. Wir werden aber auch selbst noch mal in Torgau vorstellig werden", sagte Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD). 2013 hatte sich das Landratsamt allerdings sehr zurückhaltend zum Sachverhalt geäußert. Man müsse damit leben, dass sich das Areal durch die Bewirtschaftung wandele, sagte damals Giso Dahmer, Sachgebietsleiter in der Unteren Naturschutzbehörde. Das "Schönheitsempfinden irgendwelcher Leute" ist keine Handlungsgrundlage für die Verwaltung, legte er nach und sagte weiter: "Tiere machen nun mal nicht, was wir wollen und was wir Menschen als ordentlich ansehen."

Auf erneute LVZ-Anfrage in Torgau sind nun auch andere Töne zu hören. Die Umweltamtsleiterin Antje Brumm schreibt zwar: "Grundsätzlich ist die Untere Naturschutzbehörde der Auffassung, dass eine extensive Beweidung des Geländes der Kiesgrube am ,Großen Seich' eine Biotoppflege darstellt und der Erhaltung eines artenreichen und vielstrukturierten Biotopkomplexes dienen kann." Gleichzeitig heißt es in ihrer Antwort aber auch: "Aufgrund eines anhaltend zu hohen Tierbesatzes wird dabei der Röhrichtgürtel in einem Maße verbissen, welches deutlich als Beeinträchtigung des geschützten Biotops ,Röhricht' anzusehen ist." Brumm, der das Thema auch als frühere Tauchaer CDU-Stadträtin nicht fremd ist, meinte weiter, dass das geschützte Biotop durch die Wasserbüffel-Beweidung "nicht nachhaltig zerstört", sondern lediglich in unterschiedlich starkem Maße beeinträchtigt wird. Die abgefressenen Röhrichtbestände würden sich ständig regenerieren und neu austreiben. "Eine Beeinträchtigung liegt dabei lediglich in der Form vor, dass die kurzgefressenen Röhrichtzonen im Frühjahr und Sommer nur noch sehr begrenzt ihre Biotopfunktion vor allem als Brutstätte für Wasservögel ausüben können", so Brumm. Die Behörde würde schon seit Langem das Gelände begehen und Auflagen an den Eigentümer und Nutzer erlassen, damit "keine erheblichen Beeinträchtigungen der geschützten Biotopstrukturen durch die Beweidung verursacht werden". Vorschläge waren die Verringerung des Tierbestandes oder das Auskoppeln des Teiches. Brumms Resümee: "Beide Maßnahmen wurden in der Vergangenheit nur unzureichend umgesetzt. Bisherige verwaltungsrechtliche Bemühungen um vertragliche Vereinbarungen zur Sicherung des Schutzzweckes führten bis dato zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis und dauern daher an."

Besitzer und Eigentümer der Flächen und des vom Angelverband gepachteten Biotopes ist Holger Weichhan. Auch er saß früher für die Grünen eine Wahlperiode als Abgeordneter im Tauchaer Stadtrat. Und er zeigte sich verwundert, dass dort die Kiesgrube wieder Thema ist: "Also ich sehe da keinen Handlungsbedarf. Zurzeit stehen dort nur drei Büffel, bis zu sechs Tiere wären zulässig." Der 39-Jährige könne noch nicht sagen, ob später wieder eine größere Anzahl von Tieren weiden wird. Ein Auskoppeln des Teiches sei technisch nicht möglich, das Gelände lasse einen Zaunbau nicht zu. Weichhan pocht auf sein Nutzungsrecht als Eigentümer, sieht Versäumnisse der Angler gegenüber ihm als Eigentümer und verweist auf einen Erfolg 2012 in einem Gerichtsverfahren gegen die Angler. "Mir wird nun weiter das Leben hier schwer gemacht, teils auch mit Sachbeschädigungen an den Weidezäunen", sagt Weichhan und ergänzt: "Ich hatte als Kompromiss angeboten, den Weg und einen Teil des Teiches auszukoppeln, damit die Angler ohne Angst vor den Büffeln dort hin gelangen können. Aber darauf wurde nicht eingegangen, die Fronten sind wohl zu verhärtet."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.01.2015
Olaf Barth

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