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Angler über Büffelhalter verärgert

Angler über Büffelhalter verärgert

Das einstige Idyll Dewitzer Kiesgrube ist kein Idyll mehr. Von dem Schilf im Teich ist nichts mehr, und von der einst üppigen Vegetation an den Ufern kaum noch etwas übrig.

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Vorsitzender Christian Brandt und Gewässerwart Heiko Thonig vom Anglerverband Taucha sind schockiert vom Zustand der Dewitzer Kiesgrube.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Denn Besitzer Holger Weichhan bewirtschaftet Grundstück und Teich mit Wasserbüffeln - zum großen Ärger der Angler. Ihr Vorwurf: Unter den Augen der Behörden wird hier ein gesetzlich geschütztes Biotop zerstört. Doch die Meinungen darüber gehen auseinander.

Eisvogel, Rohrweihe, Kleine Rohrdommel, Europäischer Flusskrebs, Ringelnatter, Blessralle und die Fischart Moderlieschen - das alles sind bedrohte Tierarten, die meisten von ihnen stehen auf der Roten Liste. Und nun ist deren Lebensraum an der Dewitzer Kiesgrube zerstört oder stark eingeschränkt worden, sagen Christian Brandt und Heiko Thonig. Der erste ist Vorsitzender, der andere der Gewässerwart im 70 Mitglieder zählenden Anglerverband Taucha. Sie kennen die Kiesgrube als Idyll, doch der jetzige Zustand tut ihnen in der Seele weh: Der Schilfbewuchs ist abgefressen, das Grün am Uferbereich ebenso.

"Die von uns genannten Tierarten sind hier nachweislich da gewesen. Doch vielen fehlen nun die Rückzugsgebiete oder sie hatten keine Chance mehr, zu brüten", beschreibt Thonig das Dilemma. Der Verband pachtet das Gewässer seit Jahren, die Mitglieder pflegen es und holen hier mit ihren Angeln Karpfen, Schleien, Hechte oder Plötzen raus. "Wir wollen doch nur unsere Ruhe haben und in einem schönen, intakten Umfeld angeln", sagte Brandt. Doch beiden gehe es auch um die gesamte Fauna und Flora, denn die Kiesgrube ist ein unter Naturschutz stehendes Biotop. Thonig verweist auf den Paragrafen 26 des Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege, der unter anderem die Änderung der bisherigen Nutzung oder Bewirtschaftung der gesetzlich geschützten Biotope verbietet. Das aber sei passiert, seit hier der Grundstückseigentümer seine Wasserbüffel weiden lässt, sagen die beiden. Die Büffel hätten nicht nur das Röhricht abgefressen, sondern auch die Laichgelege bestimmter Arten zertrampelt. Brandt und Thonig können einfach nicht verstehen, wieso hier die zuständige Behörde noch nicht eingegriffen hat: Hier wurde etwas kaputt gemacht. Wir erwarten von den zuständigen Behörden, dass sie handeln."

"Aus unserer Sicht sind die Schäden nicht so dramatisch, dass man sofort handeln müsste. Wir kennen das Artenspektrum an dem Gewässer recht gut, es sind Allerweltsarten, die von jeher die Anwesenheit von Menschen tolerieren", sagte Giso Damer auf LVZ-Anfrage. Der 55-Jährige ist Sachgebietsleiter in der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Nordsachsen. Dass sich das Areal durch die Bewirtschaftung wandele, damit müsse man leben. Es sei das Recht des Eigentümers, diese Bewirtschaftung vorzunehmen. "Tiere machen nun mal nicht, was wir wollen und was wir Menschen als ordentlich ansehen", so Damer. Es sei sogar positiv, dass durch die Wasserbüffel auf großen Flächen die Goldrute verschwunden ist. Dadurch habe sich die Zauneidechsenpopulation wieder entwickelt, ebenso würden wieder Amphibien auftreten. Sogar Singvogelarten wie der Neuntöter oder der Steinschmatzer würden von der Bewirtschaftung profitieren und wieder anzutreffen sein. "Die sind wichtiger als das Blesshuhn. Und die Rohrdommel die gibt es hier nicht, die passt gar nicht hierher", wertete Damer die Entwicklung.

Allerdings sagte auch er, dass die Bewirtschaftung nicht optimal ist: "Die Zerstörung des Schilfs ist keine Lösung. Der Besitzer hat gegen die Auflage verstoßen, während der Vogelbrutzeit bis zum 15. Juli das Schilf nicht zu beweiden. Das wollen wir nicht dulden. Wir sind mit dem Eigentümer im Gespräch und streben an, langfristig zu einer pfleglichen Nutzung des Biotops bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung zu kommen. Wir werden Wege finden, aber das kann sich noch hinziehen. Das Schönheitsempfinden irgendwelcher Leute ist jedenfalls keine Handlungsgrundlage für die Verwaltung." Vielmehr werde sie abwägen, welchen Arten die Bewirtschaftung nutzt und welchen sie schadet.

Eigentümer Holger Weichhan wird nicht zum ersten Mal wegen seiner Wasserbüffelhaltung kritisiert. "Es geht doch immer nur darum, dass die Büffel weg sollen. Aber das Gerichtsverfahren voriges Jahr gegen die Angler habe ich gewonnen. Nun versuchen sie eben, mir mit dem Naturschutz, dem Veterinäramt oder mit der Presse das Leben schwer zu machen", sagte der 38-jährige Landwirt. Und dass die Büffel zu früh im Schilf waren, hat daran gelegen, dass Fremde immer wieder den Zaun kaputt gemacht haben, sagte Weichhan. Er habe deshalb sogar die Polizei geholt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.08.2013

Olaf Barth

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