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Anwohner macht mobil gegen Gedankenspiele der Stadt

Durchgangsverkehr in der Klebendorfer Straße? Anwohner macht mobil gegen Gedankenspiele der Stadt

Die Klebendorfer Straße in Taucha ist eine Sackgasse. Nur Radfahrer und Fußgänger gelangen durch sie auf die Otto-Schmidt-Straße und somit in das Gewerbegebiet An der Autobahn. Eine Variante zur Neuorganisation des Verkehrs in Taucha beinhaltet, hier künftig auch Autoverkehr zu ermöglichen. Anwohner sind gegen diese mögliche Lösung.

Dietmar Zorn will gegen die durchgängige Öffnung der Klebendorfer Straße mobil machen. An die Stadträte hat er bereits einen offenen Brief geschrieben

Quelle: Olaf Barth

Taucha. In den Diskussionen um die sich in Taucha weiter zuspitzende Verkehrssituation, besonders mit den Staus auf der B 87, wird seitens der Verwaltung und der Stadträte über neue Lösungen nachgedacht. So auch darüber, die bisher als Sackgasse ausgelegte Klebendorfer Straße zu öffnen und mit der Otto-Schmidt-Straße im Gewerbegebiet „An der Autobahn“ zu verbinden. Die Trasse solle dann zumindest als Einbahnstraße die B 87 entlasten. Für Anwohner wie Dietmar Zorn ist das ein Alptraum. Er will jetzt eine Initiative gründen und mit den anderen gegen diese Pläne vorgehen.

Unter der Überschrift „Keinerlei Öffnung der Klebendorfer Straße“ hat sich der 67-Jährige mit einem Schreiben an die Tauchaer Stadträte gewandt. Eindringlich warnt er darin unter anderem, dass eine geöffnete Klebendorfer Straße den Verkehr „wie ein Schwamm“ anziehen und für Tausende die schnellste und bequemste Verbindung Richtung Leipzig werden könnte, egal ob es auf der B 87 einen Stau gebe oder nicht. Die Anlieger würden damit die „planerischen Fehler“ der vergangenen Jahre ausbaden. Damit spielt Zorn auf die zahlreichen entstandenen Wohngebiete an, die mit „verspielten Anlieger-Straßen“ ausgestattet worden seien, obwohl klar gewesen wäre, dass die vielen Neubürger alle ihr Auto bewegen wollen.

Wo bleibt die Gleichbehandlung?

Als Beispiel für seine Kritik an den Planungen der neuen Wohngebiete mit zu „kleinteiligen Straßen“ nennt Zorn auch die gerade gebaute, nahe gelegene Siedlung am Gärtnerweg. Da fehle auch eine vernünftige Straße, der Gärtnerweg sei ein einziger Krampf, gerade auch für die dort Wohnenden. Statt ihn richtig auszubauen, herrsche dort Chaos. „Wenn die Klebendorfer Straße geöffnet wird, haben wir hier auch Chaos. Unsere Straße wird zur neuen B 87. In der Friedrich-Engels-Straße gab es auch Proteste gegen eine Öffnung zum Neubaugebiet ,Gärtnerei’. Bei uns soll es nun durchgesetzt werden, wo bleibt da die Gleichbehandlung in Taucha?“, fragte Zorn in einem Gespräch mit der LVZ. Auch in der Klebendorfer Straße sei vor 20 Jahren schon gegen die Öffnung protestiert worden, mit Erfolg. Damals sei versprochen worden, mit dem Bau des Gewerbegebietes und dem Ausbau der Otto-Schmidt-Straße keine Verbindung zur Klebendorfer Straße herzustellen. Das jetzt über die Hintertür auszuhebeln, sei Rechtsbruch und werde nicht hingenommen. „Wollen Sie die ,Totengräber’ eines 80 Jahre alten Wohngebietes werden?“, richtet Zorn eine weitere Frage an die Stadträte. Noch nicht alle Parteien hätten geantwortet.

Zorn, studierter Mathematiker und einstiger Unternehmensberater in der IT-Branche, wohnt seit 1970 in der Straße, seine Frau Edith wurde hier geboren. „Meine Großeltern haben hier viel Geld und Arbeit reingesteckt“ erzählte die 67-Jährige. Nun befürchtet das Ehepaar mit einer Öffnung der Straße und zunehmenden Verkehr einen Wertverlust für Haus und Grundstück sowie eine Einschränkung der Lebensqualität. Es werde kaputt gemacht, was man sich jahrelang aufgebaut hat. Auch deshalb ist Dietmar Zorn auf den jetzigen Bürgermeister nicht gut zu sprechen, bezeichnet ihn gar als rücksichtslos. Überhaupt würden Stadtverwaltung und Stadtrat in den Verkehrsfragen keine gute Arbeit leisten. „Natürlich“, gibt Zorn zu, „sind wir auch verbittert darüber, wie mit uns umgegangen wird, so, als würden wir nicht zur Stadt dazu gehören.“ Ihm sei klar, dass es auch beim Thema Klebendorfer Straße ein Für und Wider gibt. „Manche aber überblicken gar nicht, was die Öffnung dieser Straße nach sich zieht, weil sie sich einfach nicht damit beschäftigen.“

Eine Klage wird nicht ausgeschlossen

Mit einer Öffnung der Straße würde nicht nur der Verkehr in dem gesamten Bereich zunehmen, sondern auch Belange des Natur- und Umweltschutzes außer acht gelassen sowie Abgas- und Lärmbelästigungen verursacht. Zudem befürchtet Zorn, dass das für die Straße typische, bepflanzte Rondell weichen müsste. „Dieses Rondell ist Identität für das Wohngebiet, das kann man doch nicht alles zerstören“, so Zorn. Und er kritisiert, dass niemand in der Straße was Genaues aus dem Rathaus erfahre, es viele Befürchtungen und Gerüchte gebet, aber die Anwohner im Unklaren gelassen würden, auf welcher Datenbasis nach den Verkehrszählungen die aktuellen Überlegungen angestellt werden.

Zorn will nun mit Nachbarn eine Initiative gründen und Unterschriften sammeln, es gebe bereits Gespräche. Einen Slogan habe er auch schon: „Tauchaer Lösung B 87 n – keine Öffnung der Klebendorfer Straße, wir wollen einen neuen, besseren Bürgermeister“. Auch eine Klage gegen die eventuelle Öffnung der Klebendorfer Straße schließe er nicht aus. Unter den Anliegern gebe es auf jeden Fall eine Mehrheit, die gegen die Öffnung ist, ist sich Zorn sicher.

Von Olaf Barth

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Taucha in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 33,23 km²

Einwohner: 15.128 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 455 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04425

Ortsvorwahlen: 034298

Stadtverwaltung: Schlossstraße 13, 04425 Taucha

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