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Auch Tauchaer demonstrieren vor 50 Jahren

Auch Tauchaer demonstrieren vor 50 Jahren

„Wir müssen hier weg“, schrie Klaus-Dieter Münch und griff nach Gieselas Hand. Am 17. Juni 1953 rannten die damals 16-Jährigen in Richtung des Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platzes.

Taucha. Dann hörte das junge Pärchen Schüsse. Aus Richtung Beethovenstraße. Klaus und Giesela, heute verheiratet, befanden sich mitten im Arbeiteraufstand der DDR.

 Sowjetischer Panzer rollten über die Straßenbahnschienen. „Nieder mit dem Spitzbart und seiner Regierung“ brüllte es von überall. „Es war beängstigend“, erinnert sich Giesela Münch, und schaut, als wäre sie noch dort. Den Anblick werde sie nie vergessen. Heute wie damals nimmt der 74-Jährige seine Gattin beschützend in den Arm und küsst ihre Stirn.

Ein halbes Jahrhundert später, am 17. Juni 2010, steht das Ehepaar auf dem Hof der Eisengießerei Walter Klug in Taucha, gemeinsam mit CDU-Fraktionschef Ralph Nietzschmann und seiner Stellvertreterin Antje Brumm, Auch Stadthistoriker Detlef Porzig ist da sowie weitere CDU-Mitglieder und Zeitzeugen, die das Leid von damals noch in Erinnerung haben.

Hier haben die Bewegungen gegen das DDR-Regime in der Parthestadt ihren Ursprung. Unter der Gedenktafel legen sie heute einen Blumenkranz nieder. Berichten zufolge überbrachte damals ein LKW-Fahrer die Nachricht der Leipziger Aufstände. Daraufhin ließen die Arbeiter das Werkzeug ruhen. Und marschierten los. Auf ihrem Weg zur Tauchaer Innenstadt zogen sie auch am Betrieb von Fritz Berndt vorbei. Der damals 26-Jährige schloss sich, ohne großes Zögern, den etwa 300 Marschierenden an. Weiter ging es über die Leipziger Straße zum Markt, immer mehr Menschen reihten sich in den Zug ein. Im Gegensatz zur Leipziger Revolte liefen die Demonstrationen in der Kleinstadt gewaltfrei ab. Trotzdem: Sechs Tauchaer wurden verhaftet. Viele verließen darauf hin die Stadt.

Das Gedenken am frühen Donnerstagabend dauert nicht lange. Antje Brumm heißt die kleine Runde willkommen. Anschließend schildert Detlef Porzig die damalige Sachlage noch einmal ausführlich. Der Heimatforscher schließt seine Rede mit den besinnlichen Worten: „Wir sind sicher, dass wir mit unserer heutigen Aktion des besonderen Gedenkens an diesen Tag in dieser schnelllebigen Zeit dazu beitragen, dass das Bewusstsein für Freiheit und Demokratie erhalten bleibt.“

Zustimmendes Nicken aller Beteiligten. Nach einer Schweigeminute stehen Jung und Alt in einer Runde und unterhalten sich über das damals Geschehene – die Gedenktafel und die Sonne im Rücken. Ab jetzt will man sich jedes Jahr hier treffen. Aber vor allem möchte Brumm zukünftig auch Jugendliche dazu bewegen, den Teilnehmern der damaligen Aufstände zu gedenken. Karoline Maria Keybe

Karoline-Maria Keybe

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