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„Auf konfliktarme Trasse verständigen“

„Auf konfliktarme Trasse verständigen“

Der Regionale Planungsverband Westsachsen sorgt sich um den Bau der geplanten B87n. Wenn kein Konsens für die dringend benötigten Trasse gefunden wird, werde sie „zwischen irgendwann und nie gebaut“, befürchtet der Leiter der Regionalen Planungsstelle, Andreas Berkner.

Taucha/Leipzig. In einer Mitteilung appellierten diese Woche der Verbandsvorsitzende Gerhard Gey und Berkner an alle beteiligten Stellen, sich für diejenige Trasse einzusetzen, „die die besten Aussichten auf eine Realisierung in absehbarer Zeit verspricht“. Wie berichtet, soll die autobahnähnliche Bundesstraße von der A14 bei Leipzig bis Torgau führen, damit den Wirtschaftsraum an der Elbe stärken und zugleich den Verkehr Richtung Osteuropa besser an Mitteldeutschland anbinden.

Hintergrund des für den Verband eher ungewöhnlichen Aufrufs sind angedrohte Klagen von Bürgerinitiativen und der Stadt Borsdorf gegen eine von den Straßenbauplanern bislang favorisierte Trasse durch die südliche Parthenaue zwischen Panitzsch und Plösitz/Sehlis über die Endmoränenlandschaft hinweg Richtung Eilenburg. Der Verband hatte beim Verfahren zur Fortschreibung des Regionalplanes eine neue Querung der Parthe südlich von Taucha ausgeschlossen, gleichzeitig aber für einen so genannten atypischen Fall die Nutzung der bestehenden B6-Querung über die Parthe zugelassen. Berkner sorgt sich für diesen Fall um Panitzsch, das von Borsdorf abgeschnitten werde, meint er. Der Chef der Regionalen Planungstelle gilt als Koryphäe der Raumplanung in Mitteldeutschland, hält als Professor für Geographie an der Uni Leipzig Vorlesungen unter anderem über die Raumplanung in Mitteldeutschland.

Angesichts angedrohter Klagen und knapper öffentlicher Kassen sei ein Bau der Straße eher unwahrscheinlich, meint er. „Der Bund kann sich in dieser Situation doch zurücklehnen und sagen, macht ihr erstmal eure Hausaufgaben“, erläutert er. „Die einzige Lösung, die wir dem entgegensetzen können, ist, dass wir uns in der Region auf eine konfliktarme Trasse verständigen“, fordert er. Bei einem Gespräch vor wenigen Tagen hatte dies auch Landrat Michael Czupalla so vorgeschlagen und in Abstimmung auch mit der Torgauer Oberbürgermeisterin die Untersuchung einer Trasse im Norden Tauchas unter Nutzung der bestehenden S4 vorgeschlagen. Bislang stand dem der Widerstand Leipzigs entgegen, das zu viel Verkehr auf seiner B2 Richtung City befürchtet und den Verkehr lieber auf der B6/Permoser Straße sähe – die wegen ihrer Bedeutung dann mit öffentlicher Hilfe ausgebaut werden müsste. Czupalla sprach zwar vom Einlenken Leipzigs in der Frage, ein formeller Beschluss dazu fehlt jedoch.

Angesichts der Gemengelage hat es die Landesdirektion, früher Motor der Veränderung, nicht mehr eilig. Sprecher Stefan Barton sagte gestern, die Behörde wolle mit der Fortführung des Raumordnungsverfahrens warten, bis in Dresden der Beschluss des Planungsverbandes genehmigt sei. In früheren Aussagen hatte es noch geheißen, dass das Raumordnungsverfahren durchaus parallel laufen könne, solange klar sei, in welche Richtung es gehe. Jetzt ist die Richtung entschieden – aber der Freistaat will lieber abwarten. Er hatte unlängst auch die Fertigstellung der A 72 auf 2020 verschoben.

Jörg ter Vehn

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