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Taucha Aus Erdgeschichte wird "Sinfonie der Erkenntnis" - Vertonter Landschaftswandel
Region Taucha Aus Erdgeschichte wird "Sinfonie der Erkenntnis" - Vertonter Landschaftswandel
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17:45 19.05.2015
Ein fast mannshoher Findling mit Gletscherschliff zaubert noch immer ein Lächeln auf die Lippen des begeisterten Geologen und Musikfreundes Frank W. Junge. Quelle: Olaf Barth

Entstehen soll eine "Mitteldeutsche Sinfonie der Erkenntnis". Grundlage dafür sind unter anderem auch Junges wissenschaftliche Arbeiten.

Bereits im Jahr 2010 hatte Junge einen "Sinfonischen Leitfaden zur kompositorischen Inspiration" veröffentlicht. In dem 77 Seiten starken Buch beschrieb der heute 50-Jährige seine Idee für eine Themen-Sinfonie, die den Landschaftswandel Mitteldeutschlands in Noten umsetzt. Doch wie bringt man den längst vergangenen Tropenwald zum Klingen, wie das hier einst wütende Nordmeer? Mit welchen Tönen und Instrumenten sollen die wechselnden Eis- und Warmzeiten musikalisch dargestellt werden? Mammuts, Säbelzahntiger, Waldelefanten, Wale oder die in Bernstein eingeschlossenen Insekten sind jeweils eigene Melodien wert. Ganz zu schweigen vom Auftreten des Menschen, dessen erste Spuren sich vor 330000 Jahren nachweisen lassen. Junge selbst spielt im Gegensatz zu seiner Frau und seiner Tochter kein Instrument, singt aber seit 25 Jahren im Männerchor. "Mich begeistern Geologie und Musik gleichermaßen. Mein Buch mit der Beschreibung und Visualisierung von 50 Millionen Jahren Erdgeschichte war praktisch eine Annonce für die Suche nach Komponisten mit innerer Leidenschaft für dieses Thema", blickt Junge zurück.

Sein Hoffen blieb nicht unerfüllt. Über die Leipziger Hochschule für Musik und Theater knüpfte Junge Kontakt zu Komponisten. Der promovierte Spezialist für Mineralogie und Geochemie fand Schüler, die von diesem Vorhaben begeistert waren. Inzwischen gibt es in Zusammenarbeit mit freien Musikpädagogen fünf Kompositionsgruppen in Dresden/Görlitz, Kraków, Leipzig, Markkleeberg und Zgorzelec. Dass auch polnische Schüler begeistert dabei sind, liegt am mitwirkenden Verein Flügelschlag Werkbühne. Er hatte als Förderer den Europäischen Sozialfonds sowie die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gewinnen können. In dieser Zusammensetzung setzen Anja-Christin Winkler als künstlerische Leiterin und Musikpädagoge Steffen Reinhold die Idee Junges um. Am 13. Februar hatte es bereits ein Prologkonzert in Leipzig gegeben. Die Uraufführung des Gesamtwerkes ist am 22. Mai in Görlitz geplant.

Bis dahin ist Junge auch noch mit anderen Projekten befasst, die sich gleichfalls mit Landschaft, Klima und Mensch im Wandel der Erdgeschichte befassen. Das Wissen dafür erwarb er einst als Student an der Bergakademie Freiberg und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig. Dort lernte Junge auch seinen ehemaligen Chef Lothar Eißmann kennen. Eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erderforschung im mitteldeutschen Raum. Kaum ein anderer weiß über den Untergrund in Leipzig und Umgebung so Bescheid wie er. Seit 30 Jahren nun ist Junge mit Eißmann befreundet. Kein Wunder, dass sie jetzt auch gemeinsam Bücher schreiben. So erscheint im Sax-Verlag zur diesjährigen Buchmesse am 16. März das gemeinsam verfasste Werk "Das Mitteldeutsche Seenland - Der Süden". Ein "Seenbuch-Nord" soll später folgen.

"Im gesamten betrachteten mitteldeutschen Gebiet gibt es rund 150 Seen, die im Zuge des Bergbaus in den letzten 150 Jahren entstanden sind. Aber auch davor hatte sich die Landschaft schon oft gewandelt. Wir wollen die Folgen und Chancen des Wandels darstellen", erklärt Junge. Das Ganze soll sich nicht nur rein wissenschaftlich mit den Erdschichten und Sedimenten unter den Seen und der daraus folgenden Wasserqualität beschäftigen. Junge: "Wir wollen den Menschen auch helfen, diese verwandelte Landschaft mit dem Potenzial zur Naherholung als neue Heimat zu akzeptieren, in der man sich wohl fühlen kann."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.03.2013

Olaf Barth

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