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Taucha Bahn-Umbau: Viele Fragen bleiben offen
Region Taucha Bahn-Umbau: Viele Fragen bleiben offen
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21:00 23.03.2011
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Taucha

Er habe sich noch ein Stück persönliche Motivation geholt und vor der Veranstaltung zehn Minuten am Bahnübergang Portitzer Straße gewartet, erklärte schmunzelnd Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD), der die Veranstaltung in der Grundschule Am Park moderierte. In der Aula dort reichten die Stühle nicht, um das Interesse der Tauchaer an dem wohl „bedeutendsten Infrastrukturprojekt für Taucha überhaupt“ (Schirmbeck) zu fassen. Mehr als 200 Besucher kamen zur Veranstaltung – und wurden in der Mehrzahl enttäuscht. „Viele Fragen sind offen geblieben, ich bin nicht zufrieden“, sagte etwa Günter Dietrich hinterher. Es gebe einfach zu wenig Konkretes.

So standen die Vertreter der Bahn als die wesentlichen Bauherren kurz vor dem Abschluss der Vorplanung. Erst nach dessen Genehmigung an höherer Stelle könne über Details gesprochen werden, hieß es. Die Veranstaltung soll daher in den nächsten drei Monaten wiederholt werden. Das Rathaus nehme schriftliche Fragen entgegen, erklärte Bauamtsleiterin Barbara Stein. Sie lud Betroffene auch zu sich ins Amt ein, um dort die Unterlagen einzusehen und gemeinsam nach Lösungen suchen zu können.

So blieb es bei bislang Bekanntem: Mit Fertigstellung des City-Tunnels Leipzig wird Taucha als Umsteigepunkt wichtiger. Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), Mitteldeutscher Verkehrsverbund (MDV) und die Stadt kommen dem nach, in dem sie südwestlich des Bahnhofsgebäudes auf einer ehemaligen Lagerfläche einen neuen Verknüpfungspunkt von Bus, Bahn, Auto und Rad schaffen. Kosten: rund eine Million Euro, berichtete Planer Uwe Albrecht. Vier Busgleise entstehen, 29 Autostellplätze für Dauer- und Kurzzeitparker, 40 teils überdachte Stellplätze für Radfahrer, vier für Motorräder, zwei für Behinderte sind vorgesehen. Und Drumherum viel Grün. Gebaut werden soll das meiste noch in diesem Jahr.

„Unser Haushalt ist genehmigt, die Eigenmittel stehen bereit“, sagte Schirmbeck. Die Stadt warte noch auf den Förderbescheid, um ausschreiben und beginnen zu können. Auf Anfragen von Nachbarn erklärte Albrecht, dass ergänzende Maßnahmen an den oft schlechten Straßen im Umfeld nicht geplant sind, die Zufahrt über Süd- und Weststraße geplant sei.

Komplett umgebaut werden sollen – wie berichtet – auch die Gleisanlagen. Mit der S-Bahn-Wendeanlage in der spanischen Lösung entstehen bessere Zustiegbedingungen für Reisende in die künftige S 4 Richtung Leipzig-City. Wegen des Gütergleises, das als letzter Einfädelpunkt vor dem Leipziger Güterring bis zu 740 Meter lange Züge aufnehmen muss, solle der Übergang Gerichtsweg geschlossen und „im Endzustand“ ein Fuß- und Radfahrertunnel vom Bahnhof zur Schillerstraße als Ersatz gebaut werden, so Gunnar Ziegler von der Bahn. Zwischen Schillerstraße und Gleisen werde eine Schallschutzwand nötig und gebaut, wie lang und hoch, könne er noch nicht sagen. Die Portitzer Straße werde in einem Trog unter den Gleisen hindurchgeführt. Im nächsten Jahr solle die Planfeststellung beantragt, 2014 bis 2015 gebaut werden.

Anwohner der Portitzer Straße sorgten sich, wie sie künftig zu ihren Häusern kommen. Ziegler erklärte, für eine detaillierte Antwort sei es noch zu früh, aber natürlich werde niemand abgehangen, müsse jedes Haus mit Medien versorgt bleiben. Nach derzeitigem Stand seien wie bislang die Zufahrten von vorn vorgesehen.

Um die beabsichtige Schließung (Bahndeutsch: Auflassung) des Übergangs Gerichtsweg entspannt sich die längste Diskussion. Vertreter der Kleingartenanlagen verwiesen auf Probleme ihrer Mitglieder, zum Garten zu kommen. Bauamtsleiterin Stein erklärte, der Ersatz Bahnhof/Schillerstraße dränge sich als wirtschaftlichste Lösung, die umgesetzt werden müsse, auf. Das werde aber derzeit noch genau geprüft. Stein und Schirmbeck gaben der Bahn Unterstützung bei der Argumentation für die Schließung, verwiesen auf die geplanten langen Güterzüge. Ziegler hatte die Auflassung bis dato begründet allein wegen der zu erwartenden Schrankenschließungen durch den künftig durchgängigen Halbstundentakt der Züge.

Als „Mogelpackung“ beschimpfte Günter Bretschneider die Argumentation zum Gerichtsweg. Der Tunnel am Bahnhof sei nichts mehr als eine bahninterne Lösung, um überhaupt an die Gleise zu kommen. Im Gerichtsweg müsse mindestens eine Querung für Radfahrer und Fußgänger bleiben. Der Saal applaudierte ihm.

Die Straßenbahn sei von den gesamten Plänen nicht betroffen, versicherte Bernd Irrgang vom ZVNL. Ihr Angebot ergänze nur die S-Bahn.

Jörg ter Vehn

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