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Taucha Bauern sehen sich wegen Ernte-Staub zu Unrecht in der Kritik
Region Taucha Bauern sehen sich wegen Ernte-Staub zu Unrecht in der Kritik
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08:53 06.07.2018
So wie hier nahe Podelwitz sind derzeit überall in der Region die Erntemaschinen unterwegs. Der Staub ist unvermeidbar. Quelle: Foto: Olaf Barth
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Taucha

Hartgesottene bleiben trotz der Staubwolken im Grundstück sitzen und halten lediglich ihr Bier zu, andere flüchten, holen schnell noch die Wäsche von der Leine, lassen Jalousien runter und warten, bis das Ungemach vorbei gezogen ist. Für die Anwohner bedeutet dies nur ein paar Minuten „Belästigung“ und etwas Putzarbeit, die Erntearbeiter sind auf ihren Schlägen bei Staub und Hitze Tag für Tag viele Stunden unterwegs. Doch auf Verständnis stoßen sie nicht überall.

Anwohnerbeschwerden häufen sich

„Wir können nicht, wie von einigen gefordert, vorher Rundmails schicken, wann und wo wir ernten. Das wird meist morgens kurzfristig entschieden und hängt von verschiedenen Faktoren ab“, sagt Landwirt Benedikt Biermann. Der Geschäftsführer der Saat-Gut Plaußig Voges KG ist selbst im Traktor auf den Feldern im Norden von Leipzig zwischen Taucha, Plaußig, Hohenheida und Wiederitzsch unterwegs.

Dabei häuften sich bei ihm und anderen die Beschwerden von Anliegern, die mit den Landwirten wegen des Erntestaubes hart ins Gericht gehen. Er selbst berichtet von einem Fall in Seehausen. Das „Zwischenmenschliche“ am Stadtrand sei eine Mammutaufgabe und koste während der Ernte zusätzliche Kraft. „Doch was sollen wir dazu sagen, wir machen das doch nicht aus Spaß und Langeweile oder um andere zu ärgern. Wir wollen niemanden schaden. Uns selbst macht die Trockenheit zu schaffen, nicht nur wegen des Staubes“, sagt der Landwirt.

Ungewöhnlich frühe Ernte

So wie überall in der Region sind auch für den 34-Jährigen bereits deutliche Ernteeinbußen absehbar. Zeitiger als sonst wird das Getreide eingefahren. „Dass wir Anfang Juli schon in dem Maß Weizen dreschen ist ungewöhnlich. Die Sonneneinstrahlung ist zu stark. Ehe uns die Bestände zusammenbrechen, holen wir sie lieber runter“, erklärt Biermann. Mit gut 30 Druschtagen rechnet der Plaußiger Landwirt. Seit letzter Woche ist die Gerste auf den 300 Hektar bereits eingefahren, nun ist der Weizen dran, der auf rund 1000 Hektar steht. Die Gerste kam in ein Leipziger Kraftfuttermittelwerk, der Weizen geht in die Mehlproduktion.

Bis teils 23 Uhr wird geerntet. „Wir können nur hoffen, dass Anwohner dafür Verständnis zeigen. Manchmal fehlt es aber, ebenso wie bei Kraftfahrern, wenn sie mal hinter unseren Erntefahrzeugen hinterher zuckeln müssen“, weiß Biermann um die Umstände, die die Arbeit von ihm und seinen Kollegen mit sich bringen. Auch was den Staub angeht. „Nach der Mahd kommt noch die Bodenbearbeitung, da kann es bei dieser Trockenheit ebenfalls staubig werden“, kündigt Biermann an.

Roggen für Saatvermehrung

Auf LVZ-Nachfrage erklärt der Geschäftsführer auch gleich, was es mit dem an einem Feld zwischen Seegeritz und Merkwitz stehenden Schild auf sich hat: „Damit machen wir auf eine Roggenmehrung aufmerksam. Landwirte können sich die Saatzucht anschauen und entscheiden, ob sie davon für ihre Aussaat im Herbst bestellen.“ Auf 34,68 Hektar steht der vor zwei Jahren auf den Markt gekommene Hybrid-Roggen der Sorte „Eterno“. Geliefert wird er von der Kleinwanzlebener Saatzucht (KWS) mit Sitz im niedersächsischen Bergen.

In etwa sieben Tagen wird der Roggen geerntet und zum Agrarvertrieb BayWa AG Wurzen gebracht, wo er gereinigt und selektiert wird. Die neue Sorte ist laut Biermann unter anderem relativ tolerant gegenüber Trockenheit und weniger anfällig für den Braunrost, der häufigsten Krankheit bei Roggen.

Von Olaf Barth

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