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Baumfällungen: In vier Abschnitten zum neuen Markt

Baumfällungen: In vier Abschnitten zum neuen Markt

Für ihre schlechte Informationspolitik zu Baumfällungen am Markt und anderswo hat die Stadt Taucha bei einem Bürgerforum heftige Kritik einstecken müssen – und akzeptiert.

Taucha. Bürgermeister Holger Schirmbeck und Bauamtsleiterin Barbara Stein kündigten zwei weitere Infoveranstaltungen in diesem Jahr zum Thema an, legten Pläne für eine abschnittsweise Erneuerung der Marktbäume vor.

Überall angekommen war die Bürgerkritik dennoch nicht. Die zuständige Sachbearbeiterin fürs Grün weigerte sich – auch nach Aufforderung von Bürgermeister Holger Schirmbeck – für ihren Sachvortrag aufzustehen und den Bürgern zugewandt zu sprechen. Dann könne sie den Text auf dem Laptop ja nicht mehr lesen, sagte sie.

Gut 35 Bürger, darunter auch einige Stadträte, waren der Einladung zur Bürgerinformation in den Ratssaal gefolgt. Schirmbeck verwies auf rund 3000 Bäume im öffentlichen Verkehrsraum der Stadt. Die Stadt sei gesetzlich zur Verkehrssicherung verpflichtet, führe daher zwei Baumschauen im Jahr durch. Taucha habe einen relativ alten Baumbestand, viele Straßenbäume seien rund 80 Jahre alt. Dennoch stünden im Etat nur 30 000 Euro für die Pflege bereit. „Mit zehn Euro pro Baum kann man aber keine Alleen sanieren“, gab er zu bedenken. Dennoch würden jedes Jahr mehr Bäume gepflanzt als gefällt, sagte er. In dieser Saison stünden 69 Fällungen 104 Ersatzpflanzungen gegenüber. Diese sollten zwar standortnah, könnten aber nicht immer an der gleichen Stelle wie früher stattfinden. Einige in diesem Jahr stehen auch noch aus, seien aber beauftragt, räumte das Rathaus ein.

Die Linden am Marktplatz, um 1900 gepflanzt, hätten auch wegen der Verkehrs- und Umweltbelastung ihre Standzeiterwartung erreicht. Sie wüchsen nicht mehr, hätten viele Höhlungen und Pilzbefall. Das Bauamt schlug daher – nach der zunächst geplanten Fällung aller Bäume im Vorjahr und heftiger Kritik der Bürgerschaft – vor, in vier Abschnitten und Jahren beginnend mit der Westseite in diesem Jahr den Platz mit Silberlinden neu zu gestalten. Die Baumscheiben könnten mit Findlingen aus der Region, Kies und Gräsern wie ein kleiner geologischer Lehrpfad gestaltet werden.

Klaus Kämpfe, emeritierter Professor und Baumexperte der Stadt, der Fotos von sich verbietet, warnte angebliche „Experten“ davor, Bäume nur nach dem Augenschein zu beurteilen. Dazu verwende er auch einen Resistographen. Diese Geräte treiben kleine Löcher ins Holz, messen den Bohrwiderstand und können damit auch Höhlungen und Faulstellen innen feststellen. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren sind viele Bäume in Taucha abgängig“, beurteilte Kämpfe die Situation.

„Das ist das erste Mal, das ich von einem Baumkonzept in Taucha höre, wo ich mitgehen kann“, lobte Roland Gasch die Idee für den Markt. Er schlug vor, nur Teile von Straßenzügen zu erneuern, statt ganze Reihen zu fällen.

Wolfram Lenk, selbst pensionierter Baumexperte, kritisierte schlechte Baumschnitte in der Vergangenheit, lobte aber etwa die Arbeit im Stadtpark. Wenn das Rathaus die Verkehrssicherung wirklich ernst nähme, müssten vor allem mehr Gehwege in der Stadt in Ordnung gebracht werden, sagte Lenk. Er schlug vor, die Grün-Stelle im Rathaus mit einem ausgewiesenen Baumfachmann zu besetzen.

Kommunikationsfehler räumte das Rathaus auch bei den gefällten 15 Hybridpappeln in der Glockentiefe ein. Die gehörten dort nicht hin, stünden einer Entwicklung der Aue im Wege, hieß es zur Erklärung der KWL-Ausgleichsmaßnahme.

Heiko Thonig vom Naturschutzbund begrüßte die neue Offenheit der Stadt. Jetzt sei die Zeit, einen auch von Fraktionen geforderten Baumbeirat mit fachkundigen Bürgern und Verbänden zu bilden. Der sei auch für andere Bereiche möglich, schlug FDP-Vorstand Tobias Meier vor.

Jörg ter Vehn

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