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Bienenvölker erobern Natur-Oasen auf dem BMW-Werksgelände

Bienenvölker erobern Natur-Oasen auf dem BMW-Werksgelände

Taucha/Plaußig. Vor den Toren Tauchas prallen Welten aufeinander. Denn zwischen den Produktionshallen einer der modernsten Autofabriken machen sich grüne Oasen breit.

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Der Portitzer Imker Günther Beer (rechts) und sein Sohn Richard (links) zeigen Stefan Fenchel von BMW, wie sich auf dem Werksgelände die Bienenvölker entwickeln

Quelle: Olaf Barth

Feldhasen hoppeln dort über die Wiesen, Rebhühner finden Verstecke, Vögel brüten in den Nistkästen. Und nun wird noch die Zahl der seit 2014 im BMW-Werksgelände angesiedelten Bienenvölker erhöht.

Das vor Kurzem um die Produktion von Elektro-Autos erweiterte BMW-Werk nimmt bei Plaußig einen Großteil der Flächen des Leipziger Industrieparks Nord ein. "Wenn man die Produktionshallen verlässt, kann man hier auf dem Gelände plötzlich in eine ganz andere Welt eintauchen. Das ist Natur pur", sagt bei einem Rundgang Stefan Fenchel inmitten einer blühenden Kräuterwiese. Der Leiter der Bereiche Arbeitssicherheit, Ergonomie und Umweltschutz stellt vor, was im BMW Group Werk Leipzig unter biologischer Vielfalt verstanden wird. Ökologie und Nachhaltigkeit seien von Beginn an in den "Genen des Werkes" verankert gewesen. Das Werksgelände umfasst 228 Hektar. Der Versieglungsgrad der Flächen stieg zwar mit der jüngsten Werkserweiterung von 43 auf 60 Prozent. 80 Prozent sind laut Bebauungsplan zulässig, 20 Prozent müssen als Grünflächen erhalten bleiben. Doch derzeit sind es mit 70 Hektar immerhin noch knapp 31 Prozent.

Zunächst führte der 46-Jährige zu einem Apfelgarten im Hof des Zentralgebäudes. Die hochstämmigen Gewächse alter deutscher Sorten wie Kaiser Wilhelm, Kaiser Alexander oder Grafenstein stehen auf einer Rasenfläche mit kleinen Blühpflanzen. Die hier ausgebrachte Saatgutmischung heißt "Blühende Landschaften". Ein Vorgeschmack auf weitere, viel größere Flächen, die ebenfalls noch besichtigt werden. Im Werk stehen insgesamt 230 Apfelbäume. Inzwischen zwölf Jahre alt, werfen sie reichlich Früchte ab. "In einer Saison ernten Mitarbeiter rund 2,8 Tonnen. Mit Hilfe einer mobilen Apfelquetsche produzieren wir hier Saft, füllen ihn in Fünf-Liter-Kartons und verschenken sie an die Mitarbeiter. 2500 Liter naturtrüber Direktsaft kommen da zusammen", erzählt Fenchel.

Auf einer anderen, mit fast kniehohen Gräsern und Wildkräutern bewachsenen Wiese breitet sich eine Lindenallee aus. Über 1000 dieser Bäume wurden gepflanzt. An zahlreichen sind Nistkästen zu sehen, alle von Singvögeln bewohnt: Feldlerche, Neuntöter, Steinschmätzer und andere. Während im inneren Ring des Werkes intensive Rasenpflege betrieben wird, damit der Wind nicht allzu viel Blütenstaub in die Produktionshallen weht, wird das äußere Gelände extensiv bewirtschaftet. Nur zweimal im Jahr wird hier gemäht. Die gesamte Pflege übernimmt im Auftrag von BMW die dafür vertraglich gebundene Lebenshilfe Leipzig, die dafür täglich mit 35 Mitarbeitern im Einsatz ist.

Inzwischen haben die 2014 hier angesiedelten acht Bienenvölker Zuwachs erhalten. Fünf weitere wurden diese Woche auf dem Werksgelände am nördlichen Windrad angesiedelt. In den jetzt insgesamt 13 Bienenstöcken sind 780 000 Bienen beheimatet. "Das ist hier das reinste Bienenparadies. Alle erdenklichen Kleesorten sorgen für extrem gute Bienenweiden. Andere Imker beneiden uns darum", schwärmt Imker Richard Beer aus Portitz. Der hier produzierte Honig wird verkauft. Mit seinem Vater Günther betreibt der 30-Jährige in Hohenheida eine Imkerei.

Lob für die BMW-Aktivitäten gibt es auch von Leipzigs BUND-Mitstreiter Leonhard Kasek: "Die Wildflächen und Obstwiesen sind Spitze." Der 65-Jährige will diesen Freitag bei einer Führung Interessenten selbst vorstellen, eine Anmeldung vorher ist notwendig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2015
Achim Schoenberger

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