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"Das Schreiben hat mich entdeckt"

"Das Schreiben hat mich entdeckt"

Taucha. Ihren Namen werden viele nicht kennen, dafür ihre Lieder. Der „Einfache Friede“, „Komm, wir malen eine Sonne“ und „Als ich fortging“ stammen etwa aus der Feder von Gisela Steineckert.

. Am Dienstag war sie zu Gast zur Blauen Stunde beim Kunst- und Kulturverein.

Sie schrieb für Frank Schöbel, Harald Juhnke, Holger Bieger, Gerhard Schöne und viele andere. Schönes „Lied vom Laden“ war es auch, das Julia und Norman vom Duo Two and Two sangen. Gisela Steineckert erzählte, wie sie den Sänger bei seinem ersten Auftritt in West-Berlin begleitet hatte. Mit diesen und weiteren Geschichten aus ihrem Leben unterhielt sie die Gäste, insbesondere Anekdoten zur Zusammenarbeit mit Komponisten wie Thomas Natschinski, Günther Fischer und Arndt Bause, Schauspieler wie Gojko Mitic, Horst Drinda, Dagmar Wünsche und Sängerinnen und Sängern wie Jürgen Walter, Veronika Fischer oder Barbara Thalheim, um nur einige zu nennen.

Auf die Frage Meiers wie sie eigentlich zum Schreiben kam, verblüffte sie mit der Antwort: „Das Schreiben hat mich ausgesucht“. Dabei erzählte sie, wie sie schon als kleines Kind gespannt den Gesprächen der Erwachsenen gelauscht hatte und immer neugierig war, wie die diesmal die Geschichten erzählten. 1931 in Berlin geboren, wurde Steineckert zu Beginn des Krieges nach Oberösterreich evakuiert und besuchte dort eine Dorfschule. „Ja; ich habe die Schule geliebt“, bekannte sie mehrere Male, zumal sie auch selber unterrichten und Aufsätze benoten durfte. Nach dem Ende des Krieges kehrte sie mit ihren Eltern und Geschwistern nach Berlin zurück, begann eine Lehre als Industriekauffrau und ging knapp siebzehnjährig ihre erste Ehe ein. „Doch den Menschen meines Lebens habe ich erst mit 42 kennen gelernt und heute sind wir 37 Jahre glücklich verheiratet“, umriss sie kurz ihr Leben und reflektierte es mit dem eigenen Text „Als ich jünger war“. Das Schönste für sie im Leben war, als sie Großmutter wurde, wie sie auch in ihrem Buch „Ach Mama, Ach Tochter“ schreibt.

Drehbücher für Fernsehfilme, Anthologien, Gedichte und Lieder schrieb sie. Manche Texte insbesondere für Veronika Fischer und Jürgen Walter hätte sie auch als Novellen schreiben mögen. Am meisten liebt sie, was sie gerade macht, aber die Sänger, ergänzte sie, „machen sich ihre Lieder meist zu eigen und übernehmen diese dann in ihr seelisches Eigentum“. Unwillkürlich war Steineckert da beim Thema Heimat, die für sie ein seelischer Ort, kein politisches System ist. „Wenn man sich das wegnehmen lässt wird man arm“, bekannte sie. Zu den Liedtexten sagte die Autorin: „Ich kann den Text auf eine Melodie machen, ohne dass ich sie zum zweiten Mal gehört habe“. Musterbeispiel dafür: „Als ich fortging“, ein Text für Dirk Michaelis. Über 30 Cover-Versionen dieses Titels gibt es schon - die Künstler Julia und Norman von „Two and Two“ fügten zum Schluss der Blauen Stunde eine weitere hinzu.

Matthias Kudra

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