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Taucha Dem Verfall Preis gegeben
Region Taucha Dem Verfall Preis gegeben
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12:00 30.07.2011
Selbst zwei Jahre bevor der Völkerschlacht vor 200 Jahren gedacht wird, sind Tauchas Denkmäler in miserablem Zustand. Quelle: Benjamin Böhme
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Taucha

n. Sowohl das Grabmahl des russischen Generals Gotthard Johann Manteuffel, als auch das des britischen Captains Richard Bogue verfallen. Die Säulen und Steine sind mit Moos und Schlingpflanzen bewachsen. Nässe dringt in das Gestein ein. Doch noch schlimmer: Eine bautechnische habe Prüfung ergeben: Der Sockel des Manteuffel-Denkmals ist marode. Von Einsturzgefahr geht die Stadt aber nicht aus. Elke Müller, Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung teilt mit: „Zwar ist seit 2006 an den Denkmälern nichts mehr gemacht worden, aber Gefahr für die Bevölkerung geht von ihnen nicht aus."

Schon zehn Jahre stünden die beiden Gedenksteine auf der Agenda der Stadt, sagt Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD). Doch das Geld fehle an allen Ecken. Die geschätzten Sanierungskosten belaufen sich auf etwa 33 000 Euro, weit über 23 000 Euro soll allein die Sanierung des Manteuffel-Denkmals kosten. „Woher das Geld kommen kann, ist zur Zeit unklar", sagt der Stadtrat Jürgen Ullrich (Die Linke). Der Politiker forscht in seiner Freizeit über die Tauchaer Geschichte. Er fand viel Wissenswertes über die Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof begraben sind, heraus. Er bedauert den baulichen Zustand der beiden Grabanlagen, möchte gern helfen sie zu sanieren. Doch Sponsorengelder sieht der diplomierte Sozialpädagoge noch nicht fließen. Vielmehr sieht er die Stadt in der Pflicht. „Es gibt eine Erhaltungspflicht", sagt er. Es habe einen Sanierungsplan der Stadt gegeben. Doch anstatt dem zu folgen, sei das Jahn-Denkmal außer der Reihe saniert worden. „Da zweckgebundene Fördermittel für dieses Sportlerdenkmal zur Verfügung standen, wurde es vorgezogen", erklärt Holger Schirmbeck diesen Umstand.

Die beiden verfallenen Grabmäler erinnern an zwei Gefallene der Völkerschlacht. Der russisch kaiserliche General Gotthard Johann Manteuffel ist in der Nähe von Seegeritz gefallen. Der britische Captain Richard Bogue wurde während der Kämpfe erschossen. Nach den Kriegern sind in Taucha sogar Straßen benannt. In vielen Reiseführern sind die Denkmäler verzeichnet. Alljährlich finden Führungen für Interessierte über den Friedhof statt, bei denen auf die beiden prominenten Begrabenen hingewiesen wird.

Zuletzt grundlegend saniert wurde die Grabstelle von Manteuffel im Jahr 1964. Damals wurde jedoch nur ein neuer Anstrich und neues Blattgold aufgetragen. Die Runderneuerung des massiven Bogue-Gedenksteins liegt sogar schon 80 Jahre zurück. Bis 2006 gab es nur kleinere Ausbesserungsarbeiten, deren Qualität im Stadtrat umstritten ist. Was für die einen erhaltende Maßnahmen sind, fällt für Ullrich unter den Begriff der Flickschusterei.

Eine mächtige Grabstelle ist dem Verfall sogar schon zum Opfer gefallen: Der Gedenkstein, der an den Korvetten Friedrich Baron von Kleist erinnerte, war so baufällig, dass er abgebaut werden musste. Heute erinnert nichts an das kulturhistorische Kleinod – wo es stand, ist Wiese.

Brauchen wir überhaupt Denkmäler für Heerführer? Einen Kommentar unseres Autors dazu lesen Sie in der Wochenend-Ausgabe der LVZ.

Benjamin Böhme

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