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Taucha "Demokratie muss jeden Tag gelebt werden"
Region Taucha "Demokratie muss jeden Tag gelebt werden"
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14:04 19.05.2015
Sie gehören zu Tauchas Kommunalpolitikern, die bei der ersten freien Wahl nach der Wende in das Stadtparlament gewählt wurden: Christel Trotte, Klaus-Dieter Münch, der damalige Stadtpräsident Horst Uhlig, Bürgermeister Holger Schirmbeck, Thomas Kreyßig (vorn von links), Bernd Fritz, Karin Schöllhammer-Neidhold, Eberhard Gallschütz, Jürgen Knuth, Jens Rühling, Klaus Arnoldt, Uwe Kreyßig, Detlef Porzig und Dieter Polter (Mitte/hinten von links). Quelle: Olaf Barth

Denn die Veranstaltung in der Grundschule Am Park stand ganz im Zeichen des 25. Jahrestages der Friedlichen Revolution. Und so waren neben Vertretern aus der Kommunalpolitik, aus Einrichtungen, Vereinen, Kirchen und Behörden auch engagierte Demokraten der ersten Stunde sowie Unternehmer, die damals ihre Firma gründeten, eingeladen worden. Als Gastredner ergriff nach Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD) auch der ehemalige Stadtpräsident Horst Uhlig (damals DSU) das Wort.

"Ich bin ein alter Tauchaer und emotional sehr aufgeladen, wenn ich heute an die Anfangszeit zurückdenke. Angesichts des aktuellen Geschehens in der Welt können wir wirklich stolz darauf sein, dass bei uns alles friedlich abgelaufen ist", sagte Uhlig, der 1996 zwar aus Taucha wegzog und nun bei Leuna lebt, aber oft in die Region zurückkomme. "Taucha hat eine gute Entwicklung genommen und kann stolz sein. Das 1990 gewählte erste Stadtparlament hat dafür die Grundsteine gelegt. Wir hatten das erste Mal wirkliche Demokratie, mussten viel Neues lernen", blickte der 65-Jährige zurück. Von jedem seien persönliche Opfer gebracht, viel Freizeit in politische Arbeit und Lehrgänge investiert worden. Uhlig: "Manchmal wurde die eigene persönliche Entwicklung vernachlässigt im Drang, etwas verändern, etwas politisch voran bringen zu wollen. Das war wie eine Droge. Heute kann man sagen, man hat nicht ganz für umsonst gelebt."

Dass die Veranstaltung ausgerechnet am 7. Oktober, dem ehemaligen Nationalfeiertag der DDR, stattfand, verteidigte Schirmbeck so: "Dieser Tag ist eben auch ein Teil unserer Biografie. Zum anderen aber ist dieses Datum auch ein wichtiges für die Friedliche Revolution, weil an dem Tag 1989, zwei Tage vor der großen entscheidenden Demonstration in Leipzig, viele Bürger in Berlin während der DDR-Jubelfeier protestierten und der Staat sein hässliches Gesicht zeigte. Demonstranten wurden gejagt, geschlagen und verhaftet. Auch daran erinnert der 7. Oktober und deshalb ist der Tag gut gewählt."

Für die musikalische Umrahmung sorgte die Kreismusikschule "Heinrich Schütz" Nordsachsen. Tauchas Außenstellen-Leiterin Kristina Russ war mit dem Ensemble Conquista gekommen. Auf Trommeln, Violine, Klarinetten, Flöten und Gitarren spielten die Schüler ein schottisches Tanzlied, ein Stück von Bach, ein französisches Trinklied sowie einen argentinischen Tango, ehe zum Schluss die zum Freiheitslied gewordene peruanische Volksliedweise El Condor Pasa erklang. Der offizielle Teil des Empfangs endete mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne.

In den Gesprächen danach erinnerte sich unter anderem auch Eberhard Gallschütz an die Anfänge der Demokratie in Taucha. Der Sehliser ist seit 1984 im evangelisch-lutherischen Kirchenvorstand aktiv. Auch in Taucha hatte sich die Kirche in den gesellschaftlichen Wandel, Stichwort Runder Tisch und Umweltgruppe, eingebracht. Ins erste Stadtparlament zog Gallschütz für die DDR-Grünen: "Was mich begeistert, ist die damalige Aufbruchstimmung und das große Engagement der Beteiligten. Wir hatten alle an einem Strang gezogen. Taucha und die Ortsteile sind attraktiver geworden." Gleichzeitig mahnte der 61-Jährige: "Man bekommt nichts geschenkt, auch heute ist Engagement für die Allgemeinheit nötig. Es ist wichtig, dass sich wieder mehr Leute einbringen, vieles ist zu selbstverständlich geworden. Wenn man sieht, was in der Welt passiert, wird deutlich, dass Demokratie jeden Tag gelebt werden muss, um sie zu bewahren."

Schirmbeck nimmt heute Vormittag am Festakt in Leipzig teil. Stadträte, die heute zum 19 Uhr beginnenden Leipziger Lichtfest gehen wollen, dürfen und müssen zuvor allerdings noch einen Akt gelebter Demokratie erledigen und die Tagesordnung der um 17 Uhr beginnenden Stadtratssitzung abarbeiten. Wenn ihnen das konzentriert und effizient gelingt, sollten sie und alle anderen Teilnehmer dieser öffentlichen Sitzung noch einiges von der Jubiläumsfeier in Leipzig mitbekommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2014
Olaf Barth

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