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Der Imker vom Staditzwald

Der Imker vom Staditzwald

Sommerzeit. Ferienzeit. Urlaubszeit. Das Wetter verwöhnt uns mit heißen Temperaturen und jeder, der kann, flüchtet ins Parthebad oder an ein Badegewässer in der Umgebung.

Taucha. Nach Arbeit ist keinem zumute. Keinem? Doch. Hinter dem Staditzteich sammeln zehntausende fleißiger Bienchen Nektar – und eine Bienenkönigin arbeitet immer bei 38 Grad.

Garrelt von Eshen ist Hobby-Imker. Schon als Sechsjähriger wurde er von seinem Großvater an das Handwerk des Honigmachens herangeführt. Seitdem hatte er immer mal wieder Bienen, zuletzt zehn Jahre lang noch vor dem Mauerfall in Seebenisch im Leipziger Süden. Seit fünf Jahren hält er wieder Bienenvölker – auf dem Gelände hinter dem Tauchaer Staditzwald. Eine Schautafel informiert Spaziergänger darüber, was Bienen alles können.

Denn das ist es, was von Eshen sich zur Aufgabe gemacht hat: „Ich möchte das verschrobene Bild von den Bienen korrigieren“, sagt er. Dafür arbeitet der 70-Jährige viel mit Kindergärten und Schulen zusammen, es gibt auch eine Kooperation mit der Schülerumweltgruppe Plaußiger Parthenfrösche. „Ich bin hier so etwas wie eine kleine Außenstelle“, sagt von Eshen. Denn die Nachwuchsarbeit liegt im Interesse des Imkerverbands und der Imkersparte Taucha.

Von Eshens Augen blitzen vergnügt auf, wenn er von der Arbeit mit den Kindern erzählt: „Sie sind immer sehr interessiert, haben aber Angst vor Stichen.“ Er erkläre dann oft, dass eine Biene nur einmal stechen kann, denn dabei reißt sie sich ihre Giftdrüse aus und stirbt. Deswegen sticht sie nur, wenn sie sich bedroht fühlt. „Eine Wespe sticht dagegen wie eine Nähmaschine.“ Der Hobby-Imker weiß auch, was Bienen nicht leiden können: Geruch von Schweiß, Alkohol, Parfüm und Haarlack, Nervosität, Gewitter, Lärm sowie vor allem Schwingungsgeräusche wie die vom Rasenmäher. Manchmal macht von Eshen sich einen Spaß und sammelt männliche Bienen, Drohnen, in ein Glas. Drohnen haben keinen Stachel. „Wenn ich dann frage, wer sich traut, in das Glas zu fassen, sind es immer die Mädchen, die den Anfang machen.“ Eines der Kinder habe nach dem Besuch bei ihm seine Großeltern bei einem Spaziergang zum „Onkel Honigbiener“ gelotst.

Aber die Arbeit mit den Kindern ist nur ein Teil der umfangreichen Aufgaben eines Imkers. Denn die sieben Völker müssen versorgt werden. Fast jeden Tag ist von Eshen bei seinen Bienen. Tränken auffüllen, die Absperrungen zum Schutz vor kleinen Tieren kontrollieren und beobachten, was die Bienen sammeln. „Die Biene hat einen Flugradius von zirka fünf Kilometern, die Pflanzen geben zu unterschiedlichen Tageszeiten Nektar ab und hier im Landschaftsschutzgebiet gibt das eine gute Mischung, die sich auch im Honiggeschmack bemerkbar macht“, erzählt von Eshen. Er erkennt am Pollen, den die Bienen eintragen, was gerade so blüht. Das Gelände, auf dem die Bienenstöcke stehen, ist liebevoll gestaltet mit Pflanzen, deren Nektar die Bienen anzieht. Und der Mirabellenbaum am Straßenrand vor dem Gelände biegt sich unter der Last seiner Früchte: „Alles die Arbeit meiner Bienen“, erzählt der Imker nicht ohne Stolz. 80 Prozent der Bestäubung in der Natur seien das Verdienst der Bienen.

40 Kilogramm Honig, das sind 80 Gläser, produzieren die Bienen im Jahr. Drei- bis viermal pro Saison wird der Nektar abgenommen, das letzte Mal in der vergangenen Woche. „Das erste Glas der ersten Schleuderung bekommen traditionell die Nachbarn“, erklärt von Eshen. Denn auf deren Grundstücke zieht oft ein Bienenschwarm, der sich abgespaltet hat und den er dann einfängt. Den Honig schleudert von Eshen zu Hause im Leipziger Norden, weil auf dem Gelände kein Strom- und Wasseranschluss liegt. Und zu Hause bereitet seine Frau vieles mit Honig zu.

Kristin Jurack

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