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Der Papst im Klosterschankhaus

Der Papst im Klosterschankhaus

Lothar Lommatzsch kippte fast aus den Latschen, als er kürzlich bei schummriger Sicht im warmen Tauchaer Klosterschankhaus den Papst entdeckte. Benedikt XVI. ist seit geraumer Zeit Stammgast im Idyll von Claudia und Rüdiger Bartels.

Taucha. Mit ausladender Geste lehnt das weltliche Kirchenoberhaupt direkt neben der Tür am Gemäuer. Stattlich ist der Herr, der immer etwas fahl wirkt. Ganze 1,98 Meter in der Höhe und 86 Zentimeter in der Breite misst die Leinwand, auf die Joseph Aloisius Ratzinger gebannt wurde.

Nein, nicht der mit seinem Papst-Porträt in die Medien gekommene Michael Triegel ist der Meister des Kunstwerkes, sondern Rüdiger Bartels. „Genau vor einem Jahr im März habe ich begonnen“, erinnert sich der Künsler in seinem Gourmet-Tempel, am Tisch lehnend. Das Bildnis gehört zu einem Werk, das später einmal aus vier Teilen bestehen soll. Während das erste Gemälde schon in der Panitzscher Kirche ausgestellt wird, das zweite kurz vor der Vollendung steht, hat der in Leipzig, Halle und Berlin Kunst-Studierte zwei weitere Variationen im Kopf. Wie auch Triegel, so hat auch Bartels ein Atelier in der Baumwollspinnerei – dem derzeit angesagtesten Kreativ-Zentrum auf Mutter Erde. „Wir haben rein zufällig gemeinsam das gleiche Thema bearbeitet, ohne voneinander gewusst zu haben“, sagt der gebürtige Mühlhausener. Inwieweit und warum der Heilige Geist just zu jener Zeit in der Spinnerei sein Pathos im Kunst-Kreis versprüht hat, bleibt im Dunkeln.

Erwiesen ist, dass Triegel im Auftrag des Bistums

von Regensburg Benedikt XVI. abgebildet hat, dafür sogar das Kirchenoberhaupt auf einer Generalaudienz hautnah erleben durfte. Dagegen kann sich der 55-jährige Bartels lediglich auf die Berufung des Heiligen Geistes beziehen. „Ich wollte einfach mal was zum Thema Papst machen“, begründet der Rastlose, der nachts kreativ zu Hochtouren aufläuft und tagsüber im Restaurant beschäftigt ist. „Wünschen sie sich das nie, dass ich das Essen mache“, sagt Bartels, der das Gourmet-Schankhaus als sein Gesamtkunstwerk betrachtet. Der großgewachsene Mann sorgt bei der Bedienung im Haus für eine angenehme Stimmung. Mitunter muss sich seine Gattin Claudia auch schon mal mit dem Papst das Wohnzimmer teilen. Denn wenn es ums Malen geht, kann Bartels alles um sich vergessen. Eine strikte Trennung, im Atelier der Spinnerei zu malen und im Tauchaer Wohn- und Speise-Kunstwerk zu leben, ist für Bartels nicht drin. „Das kann man nicht pauschalisieren. Es ist reiner Zufall wo ich an was arbeite“, erklärt der Gourmet-Künstler. Und ganz leicht erklärbar ist auch, warum das fast fertige Papst-Gemälde im Schankhaus verweilt: „Nachts, nachdem das Restaurant geschlossen hat, kann ich nicht mehr in die Spinnerei fahren.“ Und so blickt der Wahl-Tauchaer beim Bedienen der Gäste auf die fast fertigen Werke. Nötige Distanz bei Nähe, nennt es Bartels, der auch schon mal während des Schankbetriebes zum Pinsel greift. „Das ist sehr sinnlich. Die Kunst unterstützt die Atmosphäre“, erklärt er, „es ist ein reiner Arbeitsprozess, kein Schaumalen.“

Vor edlem bordeauxfarbenen Grund steht Benedikt XVI. im weißen, langen Gewand, mit offenen Armen und Händen. Petrus schaut wie bei Rubens, allerdings gespiegelt, mit dem Schlüssel in der Hand gen Himmel. Der Jünger Jesu wirkt leicht desinteressiert, an der greifenden Geste des Kirchenoberhauptes. Indes steht der Gockel zu Füßen Benedikt XVI. zum Krähen bereit. „Es schreit geradezu danach, Fragen zu stellen“, sagt Bartels, dessen Gattin Claudia von diskussionsreichen Abenden in der Gaststube berichtet. „Es lädt ein, selbst geistige Spaziergänge zu machen“, beschreibt er die Auseinandersetzung mit dem Bild. „Das entscheidet jeder für sich selbst, im Mix mit der eigenen Befindlichkeit, Ängstlichkeit und den Träumen.“

Zum Spinnerei-Rundgang möchte Bartels mit dem Benedikt-Werk fertig sein und es im Atelier 105 zeigen. „Die Atmosphäre dort ist einmalig“, schwärmt der Künstler von dem Umgang untereinander. „Dank des Zusammenseins schmort man nicht im eigenen Saft“, sagt Bartels. Genau aus jenem Grund steht der bekannte Künstler auch hinter dem der LVZ-Aktion MaleLE. „Das ist fantastisch, eine riesige Ausstellung, bei der jeder seine Werke präsentieren kann“, begründet Rüdiger Bartels, der mit seiner Frau gemeinsam die Leere auf den Bögen mit Phantasie füllen wird. Die Vielfalt der Motive, die Unterschiedlichkeit in der Kunstfertigkeit und die Liebe zum Malen sollen Grenzen sprengen. Für einen guten Zweck.

Alexander Bley

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