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Der Weg zum grünen Abitur führt über Taucha

Der Weg zum grünen Abitur führt über Taucha

Die Stadt Taucha ist um ein Gymnasium reicher. Und das schon seit drei Jahren. Direktor und Mentor zugleich ist Andreas Meißner. In der Schillerstraße, im Schulungsraum bei Körbisbau, bereitet der 55-Jährige ausschließlich Erwachsene auf eine Prüfung vor – die Jagdprüfung.

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Bereitet Jäger auf ihre Prüfungen vor: Andreas Meißner inmitten einiger Ausstellungsstücke.

Quelle: Alexander Bley

Taucha. Diese Woche beginnt ein neuer Kurs.

Die Durchfallquote liege bei null Prozent, sagt er. Für den Tauchaer ist das selbstverständlich. „Weil ich 100 Prozent will, ist die Nachhilfe kostenfrei“, erklärt er seinen eigenen Anspruch. Deshalb ist auch die Teilnehmerzahl überschaubar. Maximal zwölf Personen würde er unterrichten. Die Überschaubarkeit ist auch erklärbar, schließlich ist die Ausbildung zum Jäger finanziell kein Pappenstiel. 1600 Euro kostet der „Weg zum Grünen Abitur“, dazu gesellen sich die staatlichen Prüfungskosten als auch die Ausrüstung. Mit fünf- bis zehntausend Euro ist man dabei.

Der jüngste Jagdunfall sei sehr bedauerlich. Der Schütze habe sich offenbar wegen eines gewissen Übereifers nicht an sicherheitsrelevante Bedingungen gehalten. Während des Treibens dürfe er seinen Hochsitz nicht verlassen. Er sei mit 67 Jahren nicht zu alt, eher zu unerfahren gewesen, weil er seinen Jagdschein noch nicht so lange habe.

18 Personen hat Meißner in Taucha während der vergangenen drei Jahre ausgebildet. „Das ist ein Nebenverdienst“, sagt der gelernte Vulkaniseur, der einen Reifenservice in der Parthestadt betreibt.

Meißner ist Tauchaer mit Leib und Seele. Als drittes von 16 Kindern entdeckte Andreas Meißner das Licht der Welt. „Ich habe meine Kindheit genossen. Uns konnte keiner was tun“, sagt der Mann im Grünrock, der mittlerweile vierfacher Großvater ist und vor elf Jahren die Jagdausbildung erfolgreich abschloss. „Vorher war ich leidenschaftlicher Angler, habe quasi im Wasser gejagt“, scherzt Meißner. Noch während er selbst ausgebildet wurde, gab er anderen Schülern am Abend Nachhilfe. „Daran habe ich Gefallen gefunden“, erzählt er weiter. Bis 2009 lehrte Meißner an der Jagdschule in Wermsdorf, bevor er sich entschloss, eigenständig Waidmänner auf die Prüfung vorzubereiten.

Von der Trophäenjagd hält der Tauchaer nichts. „Ich mache das nicht für diesen Kult“, lehnt er kategorisch ab, „es geht um Nachhaltigkeit im biologischen Kreislauf. Wälder sind Kulturlandschaften, von Menschenhand gestaltet. Das ist nicht wie in der russischen Taiga, wo Natur noch Natur ist.“ Hege und Pflege, die Artenvielfalt erhalten, das stehe im Mittelpunkt der Ausbildung.

Aus diesem Grund hat Meißner im 468 Hektar großen Eigenjagdbezirk in der Prellheide auch schon mal eine Treibjagd abgesagt. Die Tiere waren seiner Meinung nach, ob des harten Winters, zu stark geschwächt. Mehrmals im Jahr nimmt der Jäger auch Kinder mit in sein Revier. „Mit Erst- und Zweitklässlern machen wir Waldspaziergänge“, erklärt Meißner, „um ihnen die Natur näher zu bringen, aber auch um sie für Gefahren zu sensibilisieren.“ Den Fuchsbandwurm beispielsweise oder Tollwut. Deswegen sollte keiner wilden Tieren zu nahe kommen oder aber Früchte ungewaschen verzehren. „Außerdem ist der Wald eine biologische Apotheke. Er hat viel mehr zu bieten, als man glaubt.“

Alexander Bley

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