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Deutlich weniger Kindergruppen im Tauchaer Bad

Deutlich weniger Kindergruppen im Tauchaer Bad

Wer mit einer Gruppe Kinder in ein Freibad zum Planschen geht, trägt eine hohe Verantwortung. Geregelt wird das im Schulschwimmerlass für Schulklassen. Im Tauchaer Bad aber geht die Zahl der Gruppen-Besuche zurück, weil zu wenig Pädagogen über eine Rettungsausbildung verfügen.

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Der 16-jährige Tobias Nagel ist ehrenamtlicher Rettungsschwimmer im Parthebad.

Quelle: Kristin Jurack

Taucha. Dass entsprechende Kurse nicht angenommen werden, ärgert zum Beispiel auch Tauchas Schwimmmeister Ronald Hanns.

Eine Broschüre der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat jetzt alle Infos zur Badeaufsicht in Kinder betreuenden Einrichtungen aufgefrischt und damit für Verwirrung gesorgt. Dabei ist die Verordnung eigentlich nichts Neues. „Diejenige Person, die die Aufsicht über die schwimmenden Kinder übernimmt, muss über einen Nachweis der Rettungsfähigkeit verfügen. Die Schwimmmeister sind für die Aufsicht im gesamten Bad verantwortlich, so dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass mit der Anmeldung der Gruppe die Wasseraufsicht auf sie übertragen wird. Die Oberaufsicht verbleibt in jedem Falle bei dem verantwortlichen Erziehungspersonal“, heißt es in der Broschüre der DGUV, die Ende Juli in den Briefkästen einiger Tauchaer Kinderbetreuungseinrichtungen steckte. „Seither kommen deutlich weniger Kindergruppen ins Parthebad“, sagt Badleiter Ronald Hanns. Er habe viele Anrufe erhalten, ob er einen Rettungsschwimmer für Gruppen zur Verfügung stellen könne. „Das geht aber nicht. Wir haben die Aufsicht über alle Badegäste und die decken wir mit unseren ausgebildeten Rettungsschwimmern ab“, sagt er. Aber es gab schnell die Idee, den Pädagogen die Rettungsfähigkeit zu lehren. Die Teilnehmer lernen dabei alles, was die DGUV darunter definiert: ein verunfalltes Kind an die Wasseroberfläche bringen, es mit dem Gesicht über Wasser an den Beckenrand schleppen, es über den Beckenrand bergen, lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen sowie einen Notruf absetzen.

„Wir haben 32 Einrichtungen im Umkreis von Taucha angeschrieben und den Lehrgang angeboten. Obwohl der Bedarf da ist, ist keiner erschienen“, sagt Reinhard Müller, kaufmännischer Leiter des Badbetreibers IBV. Das Problem sei schlagartig aufgetreten, die Anweisung der DGUV gebe es aber schon seit ein paar Jahren.

Martin Gräfe, Leiter des Bäderbetriebs der Sportbäder Leipzig, bestätigt das. Es habe vor drei Jahren vom Schulverwaltungsamt ein Schreiben gegeben, das ähnliche Probleme hervorrief. „Direkt ist das natürlich das Problem der Gruppen, indirekt aber auch unseres, weil wir ja wollen, dass die Leute baden kommen“, erklärt Gräfe. Kontrollen, ob eine Gruppe einen Rettungsschwimmer dabei hat, gebe es indes nicht: „Wir kontrollieren nur, ob eine Aufsichtsperson der Gruppe am Beckenrand steht. Diese Person muss aber kein Rettungsschwimmer sein.“

Für Schulklassen legt in Sachsen der Schulschwimmerlass die Rechtsgrundlage fest. „Nicht alle Bundesländer haben das gesetzlich geregelt, bei uns ist es relativ streng“, sagt Michael Wawrocki, Sportreferent der sächsischen Bildungsagentur bei der Regionalstelle Leipzig. Demnach müssen Lehrer, die Schwimmen im Schulsport unterrichten, das Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze haben. Im Grundschulbereich müssten die Lehrer die Rettungsfähigkeit alle zwei Jahre nachweisen, an Mittelschulen und Gymnasien alle vier Jahre. Lehrer, die mit einer Klasse ins Schwimmbad gehen, müssten nicht zwingend ein Rettungsschwimmerabzeichen haben. Die Schulgruppe müsse aber beim Schwimmmeister angemeldet werden und dieser entscheide dann, wie viele Schüler ins Wasser dürften.

Die Empfehlung der DGUV regelt nun das Verfahren für Horte und Kitas. Die Mehrzahl der Kindertagesstätten in Taucha nutzt das Parthebad nicht, weil die Kinder zu jung dafür sind oder die Anfahrt zum Bad zu weit ist. Allerdings waren auch die Horte der beiden Grundschulen in den vergangenen Wochen nicht mehr im Parthebad, obwohl es im Ferienprogramm hieß, bei schönem Wetter ginge man dorthin. Nach Absprachen mit den Schwimmbädern sei es, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben, auch möglich, mit den Kindern in Freibäder zu gehen, teilte Ute Sossna, Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental, schriftlich mit. Die Volkssolidarität ist der Träger der beiden Tauchaer Horte und einiger Kindertagesstätten. Das Spiel mit Wasser würde den Kindern auch beim Erlebnisduschen oder in Planschanlagen ermöglicht, heißt es in dem Schreiben weiter. Und: „Unseren Mitarbeitern steht es im Rahmen ihrer Weiterbildungstage frei, das Zertifikat zur Rettungsfähigkeit zu erwerben.“

„Wir wollten mit unserem Angebot schnell reagieren, denn wir haben noch ein paar Wochen Sommer“, sagte Hanns nachdrücklich. Außerdem betonte er, dass das Parthebad den Einrichtungen damit entgegenkommen will. Oder, um es mit Reinhard Müllers Worten auszudrücken: „Wir müssen einfach zueinander finden.“

Kristin Jurack

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