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Taucha Die Kameradschaft bleibt
Region Taucha Die Kameradschaft bleibt
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18:31 19.05.2011
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Taucha

Frage: Ein gestandener Feuerwehrmann und ein strahlender Junge in Uniform sitzen hier. Ist Feuerwehr nichts für Frauen?

Tim Burkhardt: Ich gebe zu, das scheint fast so. In unserer Gruppe gibt es tatsächlich zurzeit keine Mädchen. Aber das stört mich nicht, denn es kommt nicht darauf an welches Geschlecht man hat, sondern ob der Teamgeist stimmt.

Karl Gaudig: „Einer für alle – alle für einen“, das steht seit jeher auf unserer Fahne. Denn dieser Spruch ist richtig und wichtig. Bei so manchem gefährlichen Einsatz hat uns die Kameradschaft vor schlimmen Verletzungen bewahrt.

Sind Frauen dann weniger kameradschaftlich?

Karl Gaudig: Im Gegenteil! Frauen sind für die Feuerwehr sehr wichtig. Nach dem Krieg gab es weniger Männer in der Wehr. Um den Brandschutz aufrecht zu erhalten, mussten auch die Frauen ran. In den 60er-Jahren haben wir sogar eine Frauengruppe gegründet.

Das hört sich so an, als stand die Feuerwehr damals mehr in Mitten der Gesellschaft, als heute.

Karl Gaudig: Das ist wahr. Damals war der Meister selbst Mitglied in der Feuerwehr und wusste, was es bedeutet, wenn der Geselle zum Einsatz musste. Heute ist die Mitgliedschaft in der Feuerwehr für manchen Arbeitgeber ein Grund, die Arbeitskraft nicht einzustellen. Diese Haltung kann in Zukunft auf Kosten der Sicherheit aller Tauchaer Bürger gehen.

Ist es ein außergewöhnliches Hobby, in der Jugendfeuerwehr zu sein?

Tim Burkhardt: Ich finde nicht, obwohl mein Freund Eric und ich die einzigen aus unserer Klasse sind, die in der Jugendfeuerwehr sind. Ich bin jedenfalls stolz darauf und will später unbedingt in die Einsatzabteilung und Brände löschen.

Karl Gaudig: Das wollten wir damals auch. Wir wollten, dass unser Ort sicher ist. Jedoch hatten wir nicht so eine lange und intensive Ausbildungszeit. Wegen des Personalmangels mussten wir vom ersten Tag an Brände löschen. Am Abend haben wir uns praktisch und theoretisch weiter gebildet.

Lernen und löschen – reicht das, um Teamgeist zu begründen?

Karl Gaudig: Nein, ein geselliges Leben abseits der Pflicht ist mindestens ebenso wichtig. Nach den Sitzungen ging es alle 14 Tage im Gasthof „Gute Quelle“ hoch her. Auch ich musste die ein oder andere Saalrunde geben.

...auf die Kameradschaft?

Karl Gaudig: Oh ja! Sie hält ein Leben lang. Auch nach meiner Hüftoperation haben sich meine Kameraden um mich gekümmert und nachgefragt wie es mir geht. Die unzähligen Stunden und die vielen Einsätze haben uns zusammen geschweißt.

Tim Burkhardt: Kannst du dich noch an deinen allerersten Einsatz erinnern?

Karl Gaudig: Natürlich! Damals stand eine Scheune an der Cradefelder Straße in Flammen. Durch eine umgefallene Lötlampe hatte sich Stroh entzündet. Ich habe mich durch den Rauch auf den Boden der Scheune vorgekämpft und die Tauben, die dort in einem Käfig eingesperrt waren, befreit.

Tim Burkhardt: Ist das nicht gefährlich gewesen?

Karl Gaudig: Ja, ich denke, dass das gefährlich war und vielleicht auch unsinnig. Ich war damals nicht so gut ausgebildet wie die Feuerwehrleute heutzutage. Es musste improvisiert werden. Außerdem waren wir schlecht ausgerüstet. Das in den 30er-Jahren neu angeschaffte Feuerwehrfahrzeug haben die Amerikaner als Reparationsleistung eingezogen. Zum Einsatz sind wir mit Filzlatschen gesaust. Heute ist die Ausrüstung professioneller ...

Tim Burkhardt: Ja, wir haben stabile Schutzschuhe und eine Jacke mit Reflektoren. Unsere Ausbilder achten auf Sicherheit. Nur deswegen hat mein Vater es auch immer gut gefunden, dass ich in der Feuerwehr bin.

Karl Gaudig: Dennoch waren wir keine schlechtere Wehr. Wenn die Einsatzglocke schlug, waren die Kameraden schnell zur Stelle. Nur so gelang es uns immer wieder, das Zelluloidwerk an der Graßdorfer Straße, das in den Jahren mehr als einmal in Brand stand, löschen zu können.

Ein Schlusswort – wie sieht die Zukunft der Tauchaer Wehr aus?

Karl Gaudig: Löschen – das ist unsere Kernaufgabe. Deshalb muss die Einsatzbereitsschaft sicher gestellt werden.

Tim Burkhardt: Spannend!

Benjamin Böhme

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