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Die kleine Baumschule

Die kleine Baumschule

Hacken, Spaten und Schaufel verharrten bisher in den Schuppen vieler Gartenfreunde. Einige Werkzeuge haben aber genau bei diesen Minusgraden Hochkonjunktur: Rosen- und Astscheren, auch Sägen sind im Moment im Dauereinsatz.

Pönitz. Doch ist ausgerechnet jetzt wirklich Zeit zum Baumschnitt?

Diese und viele weitere Fragen brachten am Sonnabendmorgen 17 Lernwillige mit in den Tauchaer Ortsteil Pönitz. Dort veranstaltete die Naturschutzbund (Nabu) Regionalgruppe „Partheland“ eine „kleine Baumschule“. Im Mittelpunkt stand der Obstbaumschnitt. Ein Kenner dieser Arbeit ist Landschaftsarchitekt Björn Burmeister. „Im Winter gibt es wenig im Garten zu tun, deswegen verschneiden jetzt so viele ihre Bäume“, erklärte der Experte. Das sei auch möglich so lange das Quecksilber nicht unter minus fünf Grad Celsius sinke. Bei Kirschbäumen rät der Architekt den Baumschnitt mit der Ernte zu verbinden. „Die Theorie ist schön und gut, am Baum selbst kann aber schon wieder alles ganz anders sein“, betonte Burmeister. Deshalb begab sich die kleine Gruppe sofort auf den Verbindungsweg zwischen Pönitz und Merkwitz, wo der Nabu in den letzten fünf Jahren rund 200 Obstbäume pflanzte.

Nach einer kurzen theoretischen Einweisung in das Einmaleins der Werkzeuge hieß es für die Besucher, Schere in die Hand und ausprobieren. Kleingärtnerin Helga Rachner war nach Burmeister die Erste an der Schere. Drei Apfelbäume hat die Rentnerin aus Thekla in ihrem Garten. „Manche Bäume treiben nicht gut. Bisher schnitten wir immer wie es uns gefällt. Von der fachkundigen Anleitung heute erhoffen wir, eine professionellere Schnitttechnik zu erlernen“, so die 64-Jährige, die künftig ihren Mann beim Schneiden ablösen möchte.

Doch nicht nur die Schnitttechnik sei bedeutend. Auch die Vorgehensweise erfordere System. „Immer von oben nach unten vorarbeiten. Auch wenn wir alle gern in den unteren Etagen beginnen, weil es dort am einfachsten ist“, forderte Burmeister. Bevor überhaupt die Schere oder Säge zum Einsatz kam, drehte der Fachmann ein paar Runden um den Baum. Das sei besonders wichtig um einen Gesamteindruck zu bekommen. Für die Kronenerziehung gebe es unterschiedliche Schnitte. Der Architekt entschied sich beim ersten Birnenbaum für die Pyramidenform: „Bei diesem Schnitt ist es wichtig, Eindeutigkeit zu schaffen. Drei bis vier Leitäste. Andere Mitbewerber schneiden wir ab“. Trägt der Baum Früchte, verteile sich dann die bis zu 50 Kilogramm schwere Last gleichmäßig auf die Äste. Anfänglichen Proteste gegen das Abschneiden so vieler Äste waren von kurzer Dauer. Noch ein Ästchen hier und noch eines dort. „Sie merken ja, je länger wir an einem Baum verweilen desto mehr schneiden wir weg“, warnte der Fachmann und stieg schnell von seiner Leiter.

Der nächste Baum war wieder eine Birne. Auch hier wieder die Umgehung. Nun wählten die angehenden Schnittmeister die Äste aus, die gekürzt oder ganz weg geschnitten werden sollten. „Genau deswegen wollten wir den Kurs. Drei Kleingärtner und drei zu verschneidende Obstbäume macht mindestens fünf verschiedene Schnittmuster“, sagte Heiko Thonig, Vorsitzender der Nabu-Regionalgruppe „Partheland“, lachend. Nach kurzer Absprache mit dem Experten traute sich Uwe Freyer an die Schere und schnitt korrekt nach Vorgabe rund 30 Prozent der Krone weg. Für das Kürzen der Spitzen braucht Freyer, Mitglied im Eilenburger Nabu, Feingefühl, um Schnittwunden zu vermeiden.

Ganze 200 Bäume schafften die eifrigen Schüler in den drei Stunden nicht, aber das war auch nicht Ziel der Veranstaltung. „Wir wollten eine praktische Anleitung zum Thema fachgerechter Baumschnitt geben. Dass dabei schon ein wenig Arbeit getan wurde, ist toll, den Rest erledigen wir zusammen mit dem Landschaftspflegeverband“, so „Partheland“ Vorsitzender Thonig. Allerdings wohl erst im nächsten Jahr. Denn mit steigenden Temperaturen sprießen die Knospen und sobald der „Saft“ im Baum sei, sei es für den Beschnitt zu spät, weiß Thonig.

Anne Schulze

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