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Drücken und immer wieder Drücken

Drücken und immer wieder Drücken

Die Arbeiten am Kirchturm St. Moritz in Taucha schreiten voran. Während im frühen Sonnenlicht das von Baugerüsten eingezäunte Kupferdach weithin hell rötlich leuchtet, schwitzen drei Metalldreher in ihrer Wurzener Werkstatt bei der Herstellung der Zierteile.

Taucha/Wurzen. „Auf einen Hieb fällt kein Baum", sagt Hans-Günter Müller, der sich per Gurt an der Drückbank befestigt hat. Vor ihm eingespannt dreht sich ein Teil des Rondells. Mit bloßer Muskelkraft presst der 61-Jährige ein Werkzeug, dass an eine Axt ohne Beil erinnert, an das biegsame Kupfer. Das wiederum drückt sich auf einen hölzernen Korpus, der die Form vorgibt. Nur wenige Minuten dauert das Schauspiel, dann schaltet Müller das Gerät ab und spannt das Rondell, dass an eine übergroße Schüssel erinnert, aus der Maschine. Unter dem Arm geht es an die frische Luft. „Es muss in Form gebracht werden", sagt der Metalldrücker.

Während die Flamme des Bunsenbrenners das Kupfer noch rötlicher färbt, erklärt Christoph Müller seinen interessierten Gästen, wie der Stern, der auf die Spitze des Kirchturms gesetzt wird, entstand. Der Tauchaer Heimatforscher Detlef Porzig hört gespannt zu. Die Neuanfertigung des guten Stücks war nötig, weil der alte Stern deutlich sichtbar vom Lochfraß befallen war. Irreparabel heißt das in der Fachsprache. Der neue wird zumindest eine kleine Ewigkeit halten, verspricht der Chef. Dafür sorgen sollen die aus profiliertem Kupfer besonders fest angeschweißten zwölf Teile.

Als Müller die Delegation des Tauchaer Heimatvereins durch seine Werkstatt führt, kommt auch Bruder Hans-Günter zurück. Erneut spannt er das Rondellteil in die Drückbank, schmiert die Seiten mit Kernseife ein und widmet sich wieder seiner Berufung. Dieses Mal richten sich die Objektive zweier Hobbyfotografen auf seine körperlich anstrengende Tätigkeit. Hella Wendt und Steffen Ettrich frönen ihrem Hobby. „Das Geschehen hat uns hergelockt", sagt Ettrich, der die Tätigkeit des alten Handwerks dokumentieren möchte. Nichts anderes möchte die Tauchaerin. Sie legt besonderen wert auf die Details. Etwa die Hände, die mittels Werkzeug Kupferspäne vom Rondell befördern. Unter dem leisen Surren der sich drehenden Welle klickt es indes weiter.

Mittlerweile hat die Uhr zur neunten Stunde geschlagen. Und Thomas Müller, der Filius des Chefs schon unzählige Zettelchen in einem etwas abgedunkelten Raum kreuz und quer verteilt. Diese erinnern an die Folienverpackung von eingeschweißtem Käse. Allerdings hat seine Tätigkeit nichts mit Käse zu tun. Auf dem dünnen beschichteten Papier klebt ein Hauch von Gold. Den trägt der 30-Jährige per Hand auf die riesige Kirchturmkugel, in der später eine Zeitung und die Chronik der Kirche ihren Platz finden. Langsam arbeitet er sich dabei voran. Damit das Gold hält, hatte er die Kugel am Abend zuvor mit Anlegeöl eingepinselt. Zwölf Stunden muss dieses ziehen, bevor die Vergoldung beginnen kann. „Es ist nur in einem speziellen Zeitfenster möglich. Dabei spielen Sachen wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur eine Rolle", sagt der Filius. Bis zu 20 Jahre hält die hauchdünne Schicht auf der Kugel, versichert Thomas Müller.

Indes hat Hans-Günter erneut das Rondellteil erwärmt, es abgekühlt und in die Drückbank gespannt. „Ich stauche und strecke, bis das Material an der Form anliegt", sagt er und drückt sich in seinen Gurt, um die Kraft seines Körpers beim Drücken zu nutzen. Etappenweise arbeitet sich das Trio voran. Fertig sein müssen die Handwerker am 10. August, denn dann kommt die komplette Konstruktion auf den Turm.

Karl Christianson

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