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Emmentaler macht Papageien glücklich

Emmentaler macht Papageien glücklich

Elli, Luis, Donna, Max, Caruso, Hockl, Cleo – Michael und Annett Lindner kommen mit den Namen ihrer Zöglinge nicht durcheinander. Verspielt und verschmust sind sie allesamt, bunt außerdem.

Taucha. Ihre „Kleinen“ tragen ein hübsches Kleid, eines aus Federn. 32 Papageien leben bei den Lindners.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich im Tauchaer Gerichtsweg, auf der „Ranch“, wie der Hausherr sagt, alles um die Aras dreht.

Michael Lindner hat nicht nur einen Vogel. „Schuld“ daran ist Hockl. Denn obwohl Lindner schon einen Graupapagei sein Eigen nennen konnte, packte ihn das Federvieh-Fieber endgültig beim Hegen und Pflegen des Dunkelroten Aras. Lange allein ist Hockl nicht, denn schon zwei Monate später kommt Cleo in seine Voliere. Die gefiederte Dame stammt ebenfalls aus der Nähe von Brandenburg. Gut 20 Jahre ist das mittlerweile her.

Das seitdem zusammenlebende Ara-Pärchen war für den gelernten Maurer ein Glücksfall, denn seine Zucht basiert auf der Liebe der beiden Tiere, die seitdem im Rondell am Haus über allen anderen thronen. Allerdings war das mit dem Großziehen der ersten Nachkommen nicht so einfach. „Man lässt viele Tränen, jeder Fehler wird mit dem Tod bestraft“, erinnert sich der 52-Jährige.

Vor sechs Jahren hat Cleo das erste Mal Eier gelegt. Diese hat sie kaputt gemacht. Seitdem passen die Züchter auf und stibitzen die Eier. Die Gelege werden von Annett und Michael per Hand ausgebrütet. Das ist allerdings nicht so ohne, denn die Zahmheit der Tiere kann in diesem Fall in eine aggressiven Beschützer-Instinkt umschlagen. „Sie fürchten sich nicht mehr vor den Menschen und greifen deswegen an“, sagt Michael Lindner. Dabei können die Papageien mit ihrem Schnabel eine immense Kraft aufwenden und mehr als nur zwicken.

Wenn es in den Eiern rappelt, beginnt für Annett und Michael die intensivste Zeit. Mit der Pinzette wird beim Eipellen manchmal nachgeholfen. Sind die völlig nackten Winzlinge aus dem Ei, beginnt der zwölf Wochen anhaltende Fütter-Marathon. Denn anfänglich alle zwei Stunden wollen die Gierschlunde etwas im Schnabel haben. Erst per Pipette, später mit einer Spritze bekommen die Kleinen ihren Vitaminbrei in den Mund. Auch wenn der Zeitraum zwischen den Fütterungen immer größer wird, absolvieren die Lindners in Gemeinschaft ein immenses Programm. „Die schlaflosen Nächte sind okay und werden bei guter Pflege belohnt“, sagt Michael dennoch, „es ist und bleibt es eine Entspannung und keine Arbeit“.

Täglich zwei Stunden nehmen die Aktivitäten um die erwachsenen Aras in Anspruch. Neben dem Obst- und Gemüseschneiden müssen die Volieren gesäubert werden. „Mit einem Beutel Äpfel kommt man da nicht sehr weit“, erzählt Annett. Einmal wöchentlich geht es deswegen zum Großmarkt, wo das Auto mit Obstkisten, Sonnenblumenkernen und Walnüssen bestückt wird. Das wandert zu Hause wiederum in zwei große Kneipenkühlschränke. Aus denen bevorzugen die Aras Emmentaler Käse, dazu noch eine Walnuss und fertig ist deren Leibgericht.

Arbeiten gehen beide übrigens tagsüber auch: Annett als Abteilungsleiterin und Michael als Maurer. Hinzu kommt der Ausbau der „Wohnungen“, wie der 52-Jährige sagt. Materialien bekommt Lindner auch vom Schrottplatz. Vor allem die Aluminiumgestelle für die Volieren. „Von heute auf morgen geht nichts“, sagt der Papagei-Verrückte. Deswegen baut er auch kontinuierlich die Volieren aus. „Jedes Pärchen bekommt eine eigene Wohnung mit zwei Räumen. Drinnen haben sie Licht und eine Heizung, draußen Platz zum Fliegen“, beschreibt Lindner. „Es gibt nichts Schöneres, als mit einem Glas Wein den Aras zuzuschauen“, beschreibt Michael den Lohn für die Mühen, „sie sind wie Clowns, albern rum, krähen und schreien und wollen schmusen.“ Neben einem freundlichen Hallo, kann Hockl sogar eine Bohrmaschine imitieren. Auch das Heulen von Kindern kann der Star des Privatzoos.

Dei Papageien dürfen selbst bestimmen, ob sie sich draußen zeigen, oder sich lieber drin verkriechen. Das Resultat von Zwang wäre Stress, sagt Lindner, und dann fangen die Papageien an, sich ihre Federn zu rupfen. Zwei „gestresste“ Vögel aus dem Aachener Zoo erholen sich ob ihrer Schaustrapazen bei den Lindners. Langsam zeigen sich auch wieder Federkiele auf der blanken Brust.

Aber die erhabenen Aras sind nicht die einzigen Attraktionen auf der „Ranch“. Vier Hunde tummeln sich im Hof, ein Kakadu im Turm, ein Graupapagei, wie auch die Jungtiere in der Wohnung. „Palmenkakadus sind auch sehr schön, Hyazinthen ebenfalls“, träumt der Vogelnarr. Aber Bienen, meint er, werden wohl das nächste sein, was die Ranch bereichern wird.

Karl Christianson

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