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Entscheidung zu B 87n-Trasse ist noch nicht getroffen

Info-Veranstaltung zu Verkehrsfragen Entscheidung zu B 87n-Trasse ist noch nicht getroffen

Die Inhalte der Info-Veranstaltung hätten gut für zwei abendfüllende Veranstaltungen gereicht: Zum einen wurden Untersuchungen im Bereich der Zwickschen Siedlung/Leipziger Straße und im Wohngebiet am Gärtnerweg vorgestellt. Zum anderen waren Information über Trassenvarianten zur B 87n angekündigt.

Rund 250 Besucher waren zur Infoveranstaltung gekommen.

Quelle: André Kempner

Taucha. Bei Thema „Verkehr“ werden die Tauchaer sofort hellwach. Diskussionen um Planungen zu Trassenverläufen der B 87n und Protestaktionen der Bürgerinitiative „Alternative B 87“ dagegen sowie die immer noch im Raum stehende mögliche Schließung des Bahnüberganges Gerichtsweg halten das Thema am Kochen. So war es auch nicht verwunderlich, dass mehr als 250 interessierte Tauchaer am Donnerstag zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in die Grundschule Am Park gekommen waren.

Die Inhalte und Brisanz der Tagesordnungspunkte hätten gut für zwei abendfüllende Veranstaltungen gereicht: Zum einen gab es einen Überblick zu Verkehrsuntersuchungen und mögliche daraus abzuleitende verkehrsorganisatorische Maßnahmen im Bereich der Zwickschen Siedlung/Leipziger Straße und dem Wohngebiet am Gärtnerweg. Zum anderen waren Information über Trassenvarianten zur B 87n angekündigt. Bürgermeister Tobias Meier (FDP) stellte dazu aber gleich zu Beginn der Veranstaltung klar: „Wir wollen Sie über den derzeitigen Stand informieren und damit mögliche Gerüchte entkräften. Beschlossen ist noch nichts!“.

Michael Hesse vom Ingenieurbüro Eibs präsentierte die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchungen nördlich und südlich der Klebendorfer Straße – einem Gebiet, das ein Fünftel des Territoriums der Stadt ausmacht, in dem 4100 Menschen leben. Die Rekonstruktionen der Wohnblöcke sowie neu entstandene Eigenheime und Wohnsiedlungen in diesem Bereich ziehen zwangsläufig auch ein verändertes innerstädtisches Verkehrsaufkommen nach sich, so dass über eine Öffnung der Klebendorfer Straße zur Otto-Schmidt-Straße nachgedacht wird. An drei Tagen im August 2016 wurden der Durchgangsverkehr und die Ein- und Abbiegeströme gezählt und daraus die Verkehrsprognosen abgeleitet, die sich aus einer Öffnung in beiden Richtungen oder als Einbahnstraßenregelung ergeben könnten. Es wird eher mit Quell- und Zielverkehr in und aus dem Wohngebiet gerechnet, als mit Durchgangsverkehr. „Die Stadt favorisiert eine Einbahnstraßen-Regelung in Richtung Otto-Schmidt-Straße“, informierte Ordnungs-Fachbereichsleiter Jens Rühling. Das ziehe eine Änderung des Bebauungsplanes nach sich, der bisher an der Anschlussstelle nur ein Gehrecht vorsieht, so Bauamtsleiterin Barbara Stein. Außerdem müssten zu Lasten anderer Investitionen im städtischen Haushalt Mittel für den Ausbau bereitgestellt werden. Auf entsprechende Anfragen nach Verkehrsberuhigung und Tempolimit, auch mit Rücksicht auf anliegende Kitas und Schulen, äußerte Rühling, dass für das Wohngebiet ohnehin eine Tempo-30-Zone gelte. Weitere Maßnahmen könne man aber prüfen.

Auf Informationen über einen möglichen Trassenverlauf der B 87n für eine Verkehrsentlastung in Taucha wartete der überwiegende Teil der Besucher gespannt und voller Ungeduld. Das wurde auch bei den Anfragen und Meinungsäußerungen deutlich, denn sie bezogen sich, auch beim ersten Teil der Veranstaltung, auf den Verkehr auf der jetzigen B 87. Immerhin liegt die Verkehrsbelastung hier bei etwa 23 500 Fahrzeugen am Tag. Der Geschichte von Bernd Sablotny, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, von „;LeiLa‘ und dem verlorenen ,La‘“ konnte und wollte deshalb niemand so recht folgen. Die bezog sich auf frühere großzügige Planungen einer Verkehrstraße von „Lei“ (für Leipzig) in Richtung „La“ (für die Lausitz).

Das Tauchaer „Schicksal“ interessierte die Besucher allerdings mehr. Das Ziel sei, sagte Sablotny – nach Zwischenrufen endlich auf eine Kernaussage gebracht – eine Verkehrsentlastung für Taucha, bei der man allerdings alle möglichen Varianten einer Trassenführung, also eine Ortsumfahrung aber auch eine innerstädtische Lösung, untersuchen müsse, um überhaupt ein Planungsrecht zu bekommen. Das hieße aber nicht, dass man damit schon Tatsachen schaffe. Genaue Vorstellungen über eine mögliche Variante lägen frühestens in zwei Jahren vor, die eigentliche Planungsphase dauere mindestens sechs Jahre. „Wir brauchen aber jetzt schon Alternativen“, forderte Elke Kabelitz. „Nehmt doch einfach die LKW raus“, wurden Zwischenrufe laut. Auch Ramona Schilde, die seit 30 Jahren an der B 87 wohnt, dauert das alles viel zu lange. „Die Situation in Taucha war doch schon lange vorauszusehen und der Verkehr wird nicht weniger“, monierte sie. Sie plädierte für eine großräumige Umfahrung Tauchas.

Das sieht auch Christina Rademacher so, denn „die meisten Fahrzeuge auf der B 87 fahren nicht nach Taucha sondern nur durch“. Da sei die städtische Variante ein Widerspruch in sich. Das Problem würde durch eine Schließung des Bahnübergangs Gerichtsweg noch verstärkt werden, meinte Klaus Blümel. „Wohin dann mit diesen Verkehrsströmen?“. Fast alle Diskussionsredner, wie Jens Kipping oder Peter Pieske, erhielten Zustimmung, wenn sie eine Ortsumgehung forderten. Eine weiträumige Ortsumfahrung stößt in Leipzig allerdings wegen der schon jetzt hochfrequentierten Magistralen, die die Verkehrsströme dann auffangen müssten, auf große Bedenken, wie Dieter Auspurg vom Verkehrs- und Tiefbauamt formulierte.

Einerseits zufrieden, dass noch nicht alle Türen zugeschlagen wurden, anderseits enttäuscht, dass noch viele Jahre ins Land gehen werden, bis es zu einer wirklichen, für alle Beteiligten erträglichen, Lösung kommt, verließen die Tauchaer nach über zwei Stunden die Bürgerinformationsveranstaltung.

Die Stadt wolle sich mit ihren begrenzten Möglichkeiten weiter einbringen, so der Bürgermeister. „Wir wollen und brauchen eine Entlastung, werden dabei auch nach Zwischenlösungen suchen und bleiben dazu mit allen Trägern der öffentlichen Belange und den Bürgern im Dialog. Wir sind und bleiben bei diesem Thema ungeduldig“.

Von Reinhard Rädler

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