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Erinnerungstreffen am alten Kindergarten

Vor Abriss in Taucha Erinnerungstreffen am alten Kindergarten

Erst gab es hier eine Knabenschule, dann die Stadtschule, zu DDR-Zeiten wurde aus dem haus ein Kindergarten, dann VHS- und Kleiderkammer-Standort: Das Gebäude am Tauchaer Kirchplatz 4b hat eine bewegte Geschichte. Die endet jetzt mit dem Abriss

Ehemalige Erzieher und Kinder des Kindergartens Kirchplatz tauschen beim Betrachten alter Fotos Erinnerungen aus.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. In dem jetzt für den Abriss vorgesehenen Haus am Kirchplatz 4 b war zu DDR-Zeiten bis 1994 ein Kindergarten untergebracht. Er war einer von etwa zehn derartigen Einrichtungen in Taucha und den Ortsteilen, die es schon damals gab. „Kindergarten Taucha Mitte“ hatte die Einrichtung mal geheißen, wie auf einem Foto zu erkennen ist. Jetzt wird der Platz gebraucht für die Erweiterung der Außenstelle Haus II des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (die LVZ berichtete).

Das alte Gemäuer, das um 1840 errichtet wurde, weckt bei vielen Tauchaern immer noch Erinnerungen an alte Kindergartenzeiten, wenn dort auch danach lange Jahre die Außenstelle der Volkshochschule Nordsachsen sowie die Tauchaer Kleiderkammer untergebracht waren. Nun werden davon nur noch Fotos übrigbleiben, denn nach der erfolgten Entkernung rollen diese Woche nun die Bagger an. Da wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.

Mit einem sogenannten Flashmob über die sozialen Medien luden ehemalige Kindergartenkinder für Sonnabend schnell noch zu einer Abschiedsparty für ihre alte Tagesstätte ein. Da das Gebäude bereits entkernt wurde, traf sich eine kleine Runde der ehemaligen Knirpse mit einigen ihrer Erzieherinnen auf dem Rondell am Rudolf-Winkelmann-Platz. Man hatte so wenigstens die Rückseite des Objektes der gemeinsamen Vergangenheit im Blick „Wir, das waren sechs Erzieherinnen, haben pro Jahrgang etwa 80 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in fünf Gruppen betreut“, erinnerte sich Ute Sossna (damals Ute Fleischer), die von 1980 bis zuletzt Leiterin des Kindergartens war. Mit Monika Körbis und Regina Ehrhard waren auch zwei Erzieherinnen zum Treffen gekommen, die mit ihr gemeinsam versuchten, die Namen ihrer ehemaligen Kolleginnen und des Hauspersonals zusammen zu bekommen.

Es war, wie bei einem Klassentreffen: „Weißt du noch?“ oder „Wie hieß der/die denn gleich?“ oder „Wann war das eigentlich?“. Je länger sich die Ehemaligen darüber austauschten, umso konkreter wurden aber letztendlich Namen und Zeiträume: „In der Küche haben sich die Frauen Herold, Stärke, Reiser und Gatzki um das Essen gekümmert, das mit der Schulspeisung mit ausgeliefert wurde. Die Hausmeister Stein und Meißner mussten im Winter die Berliner Öfen heizen und Martin Pertsch holte immer die Essensreste fürs Schweinefutter“, trugen es die Frauen schließlich gemeinsam zusammen. Fotos machten dabei die Runde, Lachen hier, Staunen da. Es war eine Zeitreise in vergangene Zeiten.

Auch Tobias Meier besuchte bis 1984 diesen Kindergarten. „Er war ein lieber Kerl“, glaubten sich seine Betreuerinnen zu erinnern … „Ich bin gerne hierher gegangen“, blickte der jetzt 39-Jährige zurück. Nun befasst er sich als Bürgermeister der Parthestadt passend zum Treffen gerade mit der langfristigen Entwicklung der Kinderbetreuungs- und Schullandschaft in Taucha. Wie berichtet, besteht hier dringend Handlungsbedarf.

Simone Gasa, die bis 1986 im Kindergarten war, erinnerte sich gleich an das Gerangel am Bettenschrank, wenn die Liegen für die Mittagsruhe rausgeholt wurden und an die Säule mitten im großen Gruppenraum, die im Trubel bei den Kindern für die eine oder andere Beule sorgte. Annett Klöpsch schwärmte, wie die meisten der Ehemaligen, vom „Kindergarten“, der sich zwischen dem sogenannten Milch- und dem Spittelberg befand. „Dort konnten wir uns in der Laube, im Sandkasten, mit einem Spielauto so richtig austoben“, erinnerte sie sich noch, obwohl ihre Kindergartenzeit fast 40 Jahre her ist. „Wir empfanden den relativ langen Weg dorthin allerdings belastend“, gaben es die Erzieherinnen im Nachhinein zu.

Kita-Erzieherin Heike Meyer und ihr Kollege Marcel Windisch von den „Tausendfüßlern“ umrahmten den Nachmittag mit Gesang und stimmten dabei natürlich Kindergartenhits, wie „Kam ein kleiner Teddybär“ oder „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ an, in die die ehemaligen Erzieher und Kinder des „Kindergartens Taucha Mitte“, Kirchstraße 4b, mit einstimmten.

Von Reinhard Rädler

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