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Extreme Winter gab's schon: Wetterbeobachter Wolfram Lenk analysiert Daten

Extreme Winter gab's schon: Wetterbeobachter Wolfram Lenk analysiert Daten

Taucha. Fast 70 Tage hielt die geschlossene Schneedecke verbunden mit oft sehr niedrigen Temperaturen bis Ende Februar an. Nun meldete sich der Winter am 6. März mit 10 Zentimeter Neuschnee und minus 11 Grad wieder zurück.

. Wenn der neuerliche Wintereinbruch auch überraschte, so sind solche Wettererscheinungen im März oder April keinesfalls ungewöhnlich. Ein Rückblick auf die Jahre seit 1975 verdeutlicht, dass Taucha 18 Mal mehr oder weniger starke Wintereinbrüche im März und April hatte. Beispiele dafür sind der 15. März 1985 mit 20 Zentimeter oder der 5. April 1975 mit 4 Zentimeter Neuschnee.

Was den diesjährigen Winter auszeichnete, sind die seit dem 16. Dezember anhaltenden hohen Minusgrade mit Spitzenwerten von -16 bis –17 Grad, Dauerfrost, Schneefälle und Schneeverwehungen mit zum Teil drastischen Behinderungen in Verkehr und Wirtschaft. Die Tiefdruckgebiete Daisy, Jennifer und Keziban sorgten für erhebliche Störungen besonders im Norden Deutschlands. In Taucha und im Leipziger Raum blieb das Chaos weitestgehend aus.

Ausschlaggebend für den diesjährigen Winter mit langer geschlossenen Schneedecke von 25 Zentimeter und mehr war, dass die seit Anfang Dezember bis Ende Februar gefallenen 175 Millimeter Niederschlag zu 60 Prozent in Form von Schnee gefallen sind, im Januar und Februar sogar zu 80 Prozent. Laut Mitteilung des Deutschen Wetterdienstes war Sachsen in diesem Winter mit einer Durchschnittstemperatur von -2,1 Grad Deutschlands Kältekammer. Die höchsten Minuswerte wurden mit – 24,3 Grad in Dippoldiswalde und Bad Muskau gemessen.

Auch andere extreme Winter sind uns noch in Erinnerung: So war der „Katastrophenwinter“ 1978/79 besonders dadurch gekennzeichnet, dass am 31. 12. die Temperaturen innerhalb von 24 Stunden um fast 30 Grad fielen und Schneeverwehungen bis zu 80 Zentimeter einsetzten. Den schneereichsten Winter gab es 1987 mit bis zu 37 Zentimeter Schneehöhe am 13. Januar.

Aus der Tauchaer Geschichte sind weitere strenge Winter bekannt. Ungewöhnlich strenge Kälte herrschte 1917 im so genannten „Kohlrübenwinter“. Die ohnehin schon knappen Kartoffelvorräte erfroren in den Kellern. Wegen Kohlemangels fiel der Unterricht aus. Gottesdienste wurden im Sitzungssaal des Rathauses abgehalten. Im Winter1928/29 führten Temperaturen bis – 32 Grad und eine bis April andauernde gewaltige Kälte neben anderen Frostschäden zu zahlreichen Wasserrohrbrüchen, so dass Wasserwagen eingesetzt wurden. Strengen Frost gab es auch zu Beginn des Jahres 1940. Da der Eisenbahnverkehr teilweise zum Erliegen gekommen war, wurden Kohletransporte mit Kraftfahrzeugen organisiert. Sämtliche Veranstaltungen fielen aus. Das am 22. Februar einsetzende Tauwetter führte zu erheblichem Hochwasser der Parthe, die fast bis zum Grund zugefroren war. Ihre 70 Zentimeter starke Eisdecke musste gesprengt werden, um den Abfluss des Tauwassers zu ermöglichen. Am 14. und 15. März stürmte und schneite es in Taucha noch einmal kräftig, bevor sich der Winter endgültig verabschiedete.

Schließlich sei noch der Nachkriegswinter 1946/47 erwähnt. Die überaus lange und strenge Kältewelle verursachte Versorgungsprobleme bei Braunkohle durch Einfrieren der Tagebaue. Es kam zu Stromabschaltungen und die Gasversorgung fiel fast völlig aus.

Die von unseren Vorfahren überlieferten Bauernregeln geben Hinweise zur Entwicklung des Wetters, obgleich sie nur regionale Bedeutung haben. So soll das klare schöne Wetter zur Lichtmeß am 2. Februar darauf hinweisen, dass zu Ostern mit kühlem Wetter und etwas Schnee zu rechnen sei. Dort heißt es: „Ist es zur Lichtmess klar und hell, ist der Lenz noch nicht so schnell.“

Wolfram Lenk

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