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"Fühle mich hier sehr wohl" - Klangkünstler lebt ein halbes Jahr in Sehlis und will Bleibendes schaffen

"Fühle mich hier sehr wohl" - Klangkünstler lebt ein halbes Jahr in Sehlis und will Bleibendes schaffen

Wenn alles klappt, ist Sehlis bald das erste Klangdorf Deutschlands. Denn bis Ende September logiert der Klang-Künstler Helmut Lemke im 150-Seelen-Ort. Der 59-Jährige hält engen Kontakt zu den Bewohnern, weil er mit ihnen gemeinsam ein Kunstwerk schaffen will.

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Sehliser diskutieren, wie sie das Klangprojekt im Ort umsetzen wollen. Der TV-Sender Arte begleitet die Aktion.

Quelle: Olaf Barth

Sehlis. Das Projekt "Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst" der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft führt zu spannenden Diskussionen unter den Bewohnern.

"Es war ein Glückstreffer, das richtige Dorf hat mich gewählt", schwärmt Lemke, gibt aber auch zu: "Mein Favorit war Sehlis nicht. Ich hatte Bedenken wegen der Nähe zu Leipzig, schließlich geht es um Kunst im Dorf." Nun sei er froh, dass sich die Sehliser bei der Auswahl-Runde in Berlin auf ihn festgelegt hatten. Besonders angetan sei er vom "unglaublichen sächsischen Humor".

101 Dörfer und 146 Künstler bewarben sich beim erstmals deutschlandweit ausgeschriebenem Projekt. Die Stiftung legte sich auf die Orte Blankensee im Landkreis Vorpommern-Greifswald, Sachsenberg in Waldeck-Frankenberg und eben Sehlis fest. Sie bestimmte die sechs renommierten und international tätigen Künstler, unter denen sich Vertreter der drei Dörfer ihren Mitbewohner auf Zeit aussuchen durften. Blankensee entschied sich für die Bildende Künstlerin Barbara Caveng und Sachsenberg für Aktionskünstler Frank Bölter.

In Sehlis zweifelt der sonst im englischen Todmorden und in Bielefeld arbeitende und lebende Lemke jetzt nicht mehr am Dorf-Charakter des Tauchaer Ortsteils: "Es gibt große Höfe und Felder ringsherum. Faszinierend finde ich hier den Zusammenhalt der Leute auch ohne Infrastruktur. Bäcker oder Kneipe existieren ja nicht mehr." Deshalb suche er das Gespräch am Gartenzaun.

Rund ein Drittel der Bewohner wirken an den regelmäßigen Arbeitsgruppen-Treffen für die Ideenentwicklung zum Kunstprojekt mit. Andere verfolgen das Vorhaben oder sind desinteressiert. Unterstützer findet das Projekt bei den Mitgliedern die Interessengemeinschaft (IG) Sehlis. Auch Tauchas Stadträte sowie deren Verwaltung bekennen sich zum Projekt. Ablehnend steht dem Projekt der einstige Mitinitiator der Sehliser Bewerbung, Carlo Bergmann, gegenüber, da die von ihm favorisierte Idee nicht umgesetzt werden wird (die LVZ berichtete).

Lemke will herausfinden, "wie der Ort klingt" und versucht, Töne und Geräusche in Landschaftsskizzen auf Papier zu bannen. "Der Sehliser Klang ist sehr transparent, weil es hier sehr ruhig ist", beschreibt der gebürtige Westfale. Vogelgezwitscher, klappernde Pferdehufe, wenig Verkehr. Einfach sei die Konzentration auf das Wenige, was passiert. "Doch schwierig ist, wie zeichnet man das ,Nichtpassieren' als Klang?", grübelt Lemke. Er stellt seine Überlegungen bei den Treffen mit den Bewohnern vor. Vor allem aber saugt er deren Ideen auf, wie sie ihr Dorf hören, wie sie sich ein Klang-Kunstwerk vorstellen und wünschen würden.

"Der Ausgang des Dialogs ist völlig offen. Jede Idee ist gewünscht. Dörfler und Künstler entwickeln gemeinsam ein Projekt. Das ist einzigartig und außerdem das Anspruchsvollste, was ich in meinem 40-jährigen Künstlerleben bisher getan habe", sagt Lemke. Ralf Henzel, bei dem Lemke wohnt, sieht das ähnlich: "Das ist einfach eine wunderbare Sache für den Ort, für die dörfliche Gemeinschaft. Man trifft sich, diskutiert, entwickelt Ideen. Das wird bleiben, auch wenn der Künstler dann weg ist."

Zu Lemkes Ideen gehören ein bis zwei Bücher über Sehliser Klangwelten. "Das Dorf allerdings will Objekte. Doch Installationen sind nicht mein Hauptanliegen, dennoch haben mich die Dörfler ausgesucht. Wir gehen jetzt aufeinander zu. Nachhaltigkeit von Kunst kann genau dieser Prozess sein, etwas, was wie der Klang nicht zu sehen ist, aber in den Herzen und Köpfen stattfindet. Natürlich wird auch über Objekte gesprochen", beschreibt Lemke das Spannungsfeld, in dem die Sehliser Kunst nun reift.

Ulrich Laue und Angelika Scheide bauten Anfang Juni bei einem Treffen in einer Scheune ihr Klangprojekt als Vorschlag auf. Mit Holz auf Stein werden Töne erzeugt. Inzwischen hat man sich grob auf Objekte und Standorte geeinigt, der Prozess läuft aber noch, versichert Lemke. Vorstellbar seien ausgehöhlte Findlinge als Summsteine, Klangspiele mit Baumrinden und Steinen, über Steine plätscherndes Wasser. Als fachliche Berater nahmen bereits Steinmetzmeisterin Christine Stolle und Geologie-Experte Frank Junge am Gedankenaustausch teil. Viele Ideen werden inspiriert von der Endmoränenlandschaft mit ihren Findlingen. Selbst die Idee einer Klangbrücke als Mahnung der am Dorf noch immer fehlenden Parthebrücke steht im Raum. Ist die Ideenfindung abgeschlossen, stehen praktische Fragen der Machbarkeit und Umsetzung, der Bautechnik, Sicherheit und Finanzierung auf dem Plan.

Gedanken macht sich der Künstler wie seine Gastgeber nun aber auch um die "gefährdeten Klänge der Parthe". Sie dürften nicht durch Lärmverschmutzung verdrängt werden. Eine möglicherweise durch die Parthenaue führende neue B 87 treibt Lemke um. Er hat Texte geschrieben, die er jetzt im Rahmen des Sehliser Aktionscamp "B 87n - Mach dich vom Acker!" vortragen will.

Seit gestern und bis Montag soll es Protestaktionen gegen den Bau durch die Parthenaue geben. Veranstaltet werden sie von einem Bündnis von Umweltgruppen, Wachstumskritikern und regionalen Bürgerinitiativen. Am Wochenende gibt es von Klassik über Pop, Rock, Jazz bis hin zu Punk und Ska ein buntes Musikangebot. Naturführungen, Kletterworkshops sowie ein Programm für Kinder werden ebenfalls angekündigt.

Das Programm gibt es im Internet unter www.aktionscamp2013.blogsport.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.07.2013

Olaf Barth

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