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Goldbach – ungeehrter Astronom aus Taucha

Goldbach – ungeehrter Astronom aus Taucha

2013 ist nicht nur der 200. Jahrestag der Völkerschlacht zu Leipzig, 2013 jährt sich auch der 250. Geburtstag von Christian Friedrich Goldbach. In Taucha mehren sich die Kräfte, den in Fachkreisen geschätzten Astronomen als vielleicht berühmtesten Sohn der Stadt endlich zu Ehren kommen zu lassen.

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Mehr Sterne als je zuvor: So zeigte Christian Friedrich Goldbach in seinem Himmelsatlas von 1799 die Sternbilder.

Taucha. Bach-Stadt Leipzig, Goethe-Stadt Weimar – selbst Wurzen hat seinen Ringelnatz und damit Prominenz im Stammbaum. In Taucha war diese Ehre bislang einzig Friedrich Adolf Ebert (1791-1834) zuteil, der ein Standardwerk über Büchereien schrieb und als Begründer des modernen Bibliothekswesens gilt. 2009 beschloss der Stadtrat, den Sohn der Stadt mit einem Namenszusatz an der Stadtbücherei zu ehren. Das Schild dazu fehlt bis heute, selbst auf der Internet-Seite der Bücherei findet sich keinerlei Verweis auf die Ehrung.

Was Wunder, dass der Tauchaer Günter Wolf, der ehemalige Leiter der Schkeuditzer Sternwarte, mehr anstrebt als nur ein Straßenschild für Goldbach. „Wir müssen den Namen lebendig werden lassen, ihn in sinnvoller Weise erhalten“, erklärte der über 80-Jährige diese Woche im Gesprächskreis der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Taucha-Dewitz-Sehlis. Wolf schlug vor, etwa im Kirchturm ein Fernrohr zu installieren, dessen Bilder mit moderner Technik ins Gotteshaus oder auch in andere Einrichtungen übertragen und dort angeschaut werden können. „Ein fester Goldbachblick wäre schön“, so Wolf.

Im Gesprächskreis fand seine Idee positiven Widerhall. Jürgen Sundermann, der die Runde leitet, erbot sich, das Element auch in einen meditativen Gottesdienst etwa am Heiligen Abend einzubauen. Auf jeden Fall müsse etwas Interaktives, etwas zum Mitmachen, rund um Goldbach geschehen. Sundermann: „Wir werden die Idee unterstützen.“ Gut wäre natürlich so Wolf, wenn die Idee bis zum 250. Geburtstag von Goldbach umgesetzt werden könnte. Das wäre dann der 20. März 2013.

Goldbach, als Sohn eines Gold- und Silberarbeiters an der Parthe geboren, widmete einen Teil seines Lebens den Zahlen. Er arbeitete zunächst als Kalkulator in der Ratseinnahmestube zu Leipzig. Nebenbei wirkte er als Observator in der Ratsbibliothek, lernte mehr und mehr über die Sterne. Aus dem Amateur wurde ein vielbeachteter Fachmann, nachdem Goldmann 1799 seinen Blick auf die Sterne in Buchform veröffentlichte. Franz Xaver von Zach, einer der bekanntesten Astronomen der Goethezeit, schrieb das Vorwort zu dem Werk, das die bis dahin verbreiteten Himmelsatlanten der Astronomen Flamsteed und Bradley erheblich erweiterte. Goldbachs als Lehrmittel konzipierte Karten zeigten 10 570 Sterne, genau 7651 mehr als Flamsteed. Die Karten waren weiß auf schwarz gedruckt, stellten die Sterne auf der einen Seite und die dazugehörigen Sternbilder und Koordinaten auf der anderen Seite dar. Heute sei Goldbachs Werk immer noch als „schwarzer Atlas“ bekannt, so Wolf. Er habe selbst in Schkeuditz mit einer Kopie der zweiten Ausgabe von 1803 gearbeitet.

Ob Goldbach noch zu Ehren kommt, ist unklar. Wolf will sich an Stadt, Vereine und Verbände wenden und um Unterstützung bitten. Beim Heimatverein findet Steffen Pilz den Gedanken gut, auch um Taucha bekannter zu machen. „Es wäre eine Ehrensache für Taucha, sich der Person Goldbach anzunehmen und sie ihrer Bedeutung gemäß zu würdigen“, sagt er.

„Vielleicht schaffen wir etwas, was Goldbach versagt blieb“, so Wolf. Denn der Astronom sei wegen seiner Leistungen als Professor nach Moskau berufen worden mit dem Versprechen, dort ein Observatorium zu bekommen. Das verzögerte sich immer mehr, bis Goldbach 1811 entnervt starb, im März vor genau 200 Jahren.

Jörg ter Vehn

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