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Grusel-Stimmung bei Krimi-Rundgang

Grusel-Stimmung bei Krimi-Rundgang

Es ist 18 Uhr. In der Leipziger Straße in Taucha findet sich ein Grüppchen zusammen. Die Sonne geht langsam unter, die Dämmerung beginnt. Der ideale Zeitpunkt für eine Nachtwächtertour durch das kriminelle Taucha.

Taucha. Gemeinsam mit dem Nachtwächter Johann Gottfried Meißner und dem Autor Henner Kotte begeben die 29 Krimifans in die Vergangenheit, auf die Spuren von historischen Fällen, gelöst und zum Teil auch ungelöst. Unter ihnen befinden sich auch Conny Seidel und Thomas Sievert. Sie können es kaum erwarten. „Wenn der Herr Kotte dabei ist, wird man unter gar keinen Umständen enttäuscht“, grinst Sievert. Es geht los. Die Parthebrücke ist der erste der zehn Schauplätze. Einen Kopf fand man dort vor vielen Jahren, aber der Körper fehlte. Ausgiebige Recherchen in alten Tagebüchern verschiedener Pastoren, sowie das Polizeiarchiv und Staatsarchiv in Dresden halfen Jürgen Ullrich, der den Nachtwächter spielt, bei der Aufklärung dieses Falles. Manchmal dauere eine Recherche bis zu fünf Jahre und führe dennoch zu keinem Erfolg, erzählt er. Diese schon: Eine Prostituierte wurde schwanger und unterzog sich einer Abtreibung, die aber misslang. Sie starb. Die anderen Frauen köpften sie, damit sie unerkannt blieb und warfen sie anschließend in die Parthe. Ungeklärt klingt der Fall gruseliger. Es wird dunkler. Der Mond geht auf. Die Blaue Stunde scheint ideal, um sich an Hinrichtungsarten und alte Hexengeschichten zu erinnern. Auf dem Marktplatz erzählt Kotte lustige, aber auch irgendwie unheimliche Anekdoten. Die Straßenlaternen perfektionieren die richtige Krimistimmung. Emily Meister aus Taucha ist der jüngste Zuhörer. Sie ist erst sieben Jahre alt. Ob das nicht ein bisschen gruselig für sie ist? Sie schüttelt mit dem Kopf. Sie findet es „nur“ spannend – und ein bisschen kalt. Die Gruppe bewegt sich weiter zum Gasthof Stadt Eilenburg in der Eilenburger Straße. Die Szenerie gleicht einem alten Horrorfilm; leere Straßen, unendliche Stille, nur eine Straßenlampe, die gelbes Licht auf den Gasthof wirft. Der eine oder andere sucht jetzt schon die Nähe seines Partners. Gemeinsam lauschen sie Hand in Hand der Geschichte der Gutsleute Paul und Else aus Radebeul. Umgebracht wurden sie von ihrem Angestellten, mit einem Harzhammer und anschließend wurde das Pärchen in den hauseigenen Brunnen geworfen. Und obwohl es traurig ist, müssen die Gäste lachen. Kotte, der diese Geschichte erzählt, meint: „Kriminalfälle können auch mal witzig sein.“ Das Publikum stimmt ihm lachend zu. Es geht vorbei an der Schloßstraße, der grünen Gasse, dem Rathaus und endet nach neunzig Minuten im Heinrich-Zille-Winkel mit der letzten Kriminalgeschichte. Abgerundet wird der Abend mit einer Henkersmahlzeit bestehend aus Kartoffelpuffern, Sauerrahm und Lachs im Café esprit. Und einem kleinen Gewinnspiel: Welche der erzählten Geschichten war erlogen? Das Publikum rätselt. Überraschenderweise hat keiner auf die richtige Antwort getippt. Kotte ist entrüstet. Ob sie nochmal die Tour gehen sollten? Auch Conny Seidel wusste es nicht. Der Abend hat dennoch all ihre Erwartungen übertroffen: „Ich würde die Tour immer wieder mitmachen.“

Karoline Keybe

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