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„Hier kann ich leben!“

„Hier kann ich leben!“

Nach einem Jahr kreativer Pause waren sie wieder da: Die Kabarettisten des „Tauchaer Brett’ls“, Hans-Jürgen Rüstau, Tobias Meier, Jürgen Ullrich und Musikant Lutz Pohlers.

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Träumen im Programm von der großen weiten Welt, nehmen aber am liebsten die hiesige Lokalpolitik aufs Korn: Hans-Jürgen Rüstau, Lutz Pohlers, Tobias Meier und Jürgen Ullrich (von links) vom Tauchaer Brett’l.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Auch im neuen Programm „Ich war noch niemals in New York“ gibt es wieder zahlreiche Spitzen gegen die heimische Lokalpolitik.

Angler Olli, alias Tobias Meier, träumt von einer Reise über den großen Teich. Bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Angeln am Schöppenteich, hat er viel Zeit, darüber nachzudenken. So richtig weiß er allerdings nicht, was ihn in Big Apple erwartet und das verunsichert ihn. Zweifel drängen sich dem Petri-Jünger auf und Fragen, was ihn denn in Taucha halten könnte. „Beim Angeln muss man schweigen können!“, klärt ihn Anglerfreund Ulli auf. Doch Olli trägt sein Herz auf der Zunge und so kann der Zuschauer tief in seine Seele schauen und an seinen Sorgen und Ängsten, aber auch an seiner Naivität teilhaben.

Das alles beschäftigt ihn so sehr, dass er sogar die Fachbegriffe seines Anglerhobbys durcheinander bringt und den Köder mit einem Hund verwechselt. Kein Wunder auch, denn man unterhält sich sächsisch, um nicht zu sagen „angelsächsisch“. Apropos Mundart: Das „Weiße Boot“ der Band Rote Gitarren tragen die Kabarettisten so herrlich sächsisch vor, dass sich das Publikum vor Lachen biegt.

Brillierte Hans-Jürgen Rüstau in den vorangegangenen Programmen als Klofrau Elfriede, gibt er diesmal mit der Fischfrau „Blaue Nelly“ seinem Affen Zucker. Da man ja auf dem Wochenmarkt beim Verkauf von frischem Parthefisch und „Salami mit Fischgeschmack“ viel erfährt, verteilt er dabei natürlich mehrere Seitenhiebe quer durch die Tauchaer Lokalpolitik. Die Bäume auf dem Markt könnten ruhig gefällt werden, denn der Platz sei durch die vielen parkenden Autos ja ohnehin schon gut gefüllt. Bei den Straßenlaternen könne man auch jede Zweite einsparen, die Stadträte seien helle genug und mit Blick auf den Seniorenwohnungsbau-Boom mutmaßte er im Bürgermeister-Blues, dass Taucha um den Titel „Älteste Stadt“ kämpft.

Als Olli im Reisebüro nach einer Verbindung von Pönitz nach New York nachfragt, empfiehlt man ihm, ob der mangelnden Verkehrsmöglichkeiten in diesem Ortsteil, wenigstens ins sächsische Amerika bei Penig zu fahren. Verzweifelt singt Olli deshalb „Als ich fortging, war die Straße steil, kehr wieder um“, um dann festzustellen: „Ich weiß, New York ist fern von hier – ich bleib hier!“, denn er sei ein „Tauchscher Jung – er wohnt neben dem Teich“, wie es im Ostfriesensong heißt. Letztendlich kommt Olli zum Schluss: „Es stimmt, in unserer Stadt ist’s nicht nur grad oder eben. Doch ich sag immer noch gern: Hier kann ich leben!“

Die Texte der Lieder und ihre Vortragsweise zählten zu den stärksten Programmteilen, einige Sketche könnten dagegen gestrafft und eher auf den Punkt gebracht werden. Doch insgesamt war das Programm gut gemixt, die ständig wechselnden Szenen und die spielfreudigen Akteure hielten das Publikum im voll besetzten Café Esprit bei guter Laune.

Das Interesse am Programm ist groß, denn von den fünf geplanten Auftritten sind die meisten ausverkauft. Nur für den 11. Dezember ab 19 Uhr gibt es noch freie Plätze. Reinhard Rädler

Reinhard Rädler

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