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Taucha Hobby-Indianer tanzen zu Trommel-Rhythmen
Region Taucha Hobby-Indianer tanzen zu Trommel-Rhythmen
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14:29 26.02.2018
Zur Eröffnung des 29. Winter-Powwow in Taucha zeigen die Teilnehmer an den verschiedenen Wettbewerben erst einmal einen gemeinsamen Tanz. Quelle: Fotos: Olaf Barth
Taucha

Stolz wie wohl echte Rothäute präsentieren die Teilnehmer tanzend ihre farbenprächtigen Trachten und den teils voluminösen Federschmuck. Unglaublich viel Arbeit, Zeit und auch Geld steckt in diesen Outfits, die ganz bewusst nicht Kostüme genannt werden. „Wir sind hier nicht beim Fasching, und unser Hobby ist viel mehr, als nur das Aussehen der amerikanischen Ureinwohner zu kopieren. Wir tauchen mit den Gesängen und Tänzen in deren Kultur ein, empfinden und erleben sie so ein Stück selbst nach“, beschreibt Hartmut Felber den Kern dieses nicht alltäglichen Hobbys.

Beschäftigung mit moderner Indianer-Kultur

Der 59-Jährige aus Hohen Neuendorf nördlich von Berlin hatte hierzulande 1990 das erste Powwow, ein vor allem aus Musik und Tanz bestehendes Volksfest der nordamerikanischen Indianer, mit aus der Taufe gehoben und ist seitdem immer mit dabei. „Wir haben in ganz Europa eine sehr vielfältige Indianistik-Szene. Einerseits gibt es die Vertreter der traditionellen Camps, die sich mit dem Leben der Indianer vor 200, 300 Jahren auseinandersetzen. Und andererseits gibt es uns, die wir uns auch mit der moderneren Kultur, den neuen Liedern, Tänzen, mit Malerei und Bildhauerei der Indianer beschäftigen.“ Beim inzwischen 29. Powwow, dem fünften in Taucha, waren auch wieder Gäste unter anderem aus Polen, Tschechien und Belgien dabei.

Über den erneut großen Zuspruch, „trotz der Grippewelle und einiger Absagen deshalb“ freut sich Nadin Loth. Die 32-Jährige ist die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mandan-Indianer Taucha-Leipzig, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert und die Gastgeberrolle wieder perfekt ausfüllte. „Ja, die Halle füllt sich, die Veranstaltung läuft gut“, zeigt sie sich zufrieden. Moderator Tobias Enge (27) aus Altenburg sagt derweil die verschiedenen Tänze für die Wettbewerbe an und führt so Teilnehmer und Publikum als Master of Ceremonies durch das Programm.

Fünf Trommelbands geben Rhythmus vor

An den Wänden der Halle hängen kunstvoll angefertigte Patchworkarbeiten, Das Publikum darf über die schönsten abstimmen. An Ständen können T-Shirts, Indianer-Flöten, Schmuck sowie völkerkundliche Fachbücher gekauft werden. Auch viele Utensilien für die Anfertigung oder Ergänzung der Tanztrachten gibt es. In entspannter Atmosphäre fachsimpeln die aktiven Teilnehmer mit den Anbietern.

Fünf Trommelbands, davon eine aus Polen, sorgen für die stampfenden, kräftigen Rhythmen und Gesänge und geben so den Herzschlag des Powwow vor. Zu den Melodien führen in verschiedenen Kategorien Kinder, Frauen und Männer Tänze vor: Grass Dance, Fancy Shawl Dance, Northern Traditional, Southern Straight oder Jingle Dress Dance. Eine Jury bewertet die Vorträge. Um die 50 aktive Contest-Tänzer sind dabei, weiß Jury-Mitglied Claudia Giel. „Diese Treffen nach dem Winter sind immer sehr schön, man sieht wieder viele bekannte Gesichter“, ist die 48-Jährige froh. Doch manche Gesichter fehlen. Deshalb gibt es zum Auftakt gleich Memorial-Lieder und -Tänze, zum Gedenken an die Verstorbenen.

Ältester Teilnehmer zählt 80 Jahre

Unter anderem wurde so auch des Tauchaer Mandan-Indianer-Urgesteins Joachim „Taps“ Giel gedacht, der 2014 gestorben war. Ein Bild und sein Federschmuck erinnern an ihn. Und ein paar Mokassins an den Füßen von Rolf Krusche. „Die hat mein Freund Taps für mich angefertigt und mir zum 65. Geburtstag geschenkt. Ich halte sie in Ehren“, sagt der 80-jährige Leipziger, der älteste Teilnehmer an diesem Powwow und ursprünglich aus Radebeul stammend. „Dort hatte mich schon als Kind im Karl-May-Museum das Indianer-Fieber gepackt. Ich habe noch Patty Frank gekannt, den ersten Leiter des Museums“, berichtet der Ethnologe.

Da wo es einen ältesten Teilnehmer gibt, gibt es auch einen jüngsten. Sami heißt der vier Monate alte Berliner. Mutter Denise Abdelwahd (37) hatte als ehemalige Panitzscherin in Taucha ihr Abi abgelegt. „Wir verbinden den Besuch bei den Großeltern mit dieser schönen Veranstaltung. Einfach toll, dass hier so etwas geboten wird“ schwärmt die Lehrerin.

Von Olaf Barth

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