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Taucha „Hörende Finger“ lassen alte Möbel in neuem Glanz erstrahlen
Region Taucha „Hörende Finger“ lassen alte Möbel in neuem Glanz erstrahlen
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00:30 08.01.2016
Falk Breitenborn widmet sich mit ganzer Leidenschaft der Restauration alter Möbel. Quelle: Foto: Reinhard Rädler
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Taucha

Der Geruch von Schellack kann „süchtig“ machen. Bei Falk Breitenborn zumindest war es 1987 wohl so. Denn der Duft dieses Oberflächenbehandlungsmittels für Holz, der dem damals 20-Jährigen bei seinem ersten Besuch im Versteigerungs- und Gebrauchtwarenhaus Leipzig entgegen wehte, hat immerhin seine künftige Berufslaufbahn bestimmt. Jetzt restauriert er dort, wo einst Fleisch und Wurst verkauft wurden, alte Möbel.

„Den Schellack-Geruch spüre ich heute noch in der Nase“, schwärmt der Tauchaer. Letztendlich hat er damals sein Tischlerherz an die Restauration alter Möbel verloren und betreibt jetzt seit gut einem Jahr im ehemaligen Fleiwa-Laden in der Portitzer Straße 3 eine kleine Werkstatt. Der Schaufenster-Hinweis auf seine Homepage „bei-Eder.com“ weckt Assoziationen zu einer beliebten TV-Kinderserie. „Das hat aber damit nichts zu tun“, sagte Breitenborn augenzwinkernd, „mein Vermieter heißt tatsächlich Eder“.

Für den Umgang mit Holz interessierte er sich schon in der damaligen Tischlerei Hempel in der Schloßstraße, wo er Anfang der 80er Jahre dem Meister ab und an zur Hand ging. Modellbauer hat er dann im VEB Sächsischer Modellbaubetrieb Leipzig gelernt, danach arbeitete er im VEB Polygraph Leipzig. Auf der Suche nach etwas Neuem sprach Breitenborn im einstigen Versteigerungs- und Gebrauchtwarenhaus vor, kam mit dem Chef der Tischlerei, Wolfgang Färber, ins Gespräch – und wurde sofort eingestellt. „Obwohl ich schon Geselle war: Hier absolvierte ich noch mal eine neue Lehrzeit“, blickte Breitenborn zurück. „Ich lernte das Handwerk im wahrsten Sinn des Wortes kennen, habe mit dem langen Hobel – der Raubank – Unebenheiten im Holz beseitigt und andere filigrane Techniken, wie das Abziehen der Farbe mit der Ziehklinge, kennengelernt. Selbstverständlich in Handarbeit, Maschinen waren verpönt. Ich brauche heute noch keine“, ist der 48-Jährige stolz. Seinem damaligen Chef verdanke er viel, allein dessen Kenntnis der Stilepochen bei der Bewertung alter Möbel habe ihn beeindruckt, aber auch den eigenen Blick geschult.

Doch in der Nachwendezeit wurde seine Wirkungsstätte abgewickelt. „Bei einer der letzten Auktionen habe ich noch Lenin-Büsten geschleppt“, blickte er ein wenig wehmütig auf die letzten Tage zurück. Zum Glück fand er beim bekannten Tauchaer Unternehmen „Küchen-Weidner“ in der Tischlerei und bei den Küchen-Montagen einen guten Job. Manchmal baut er auch noch heute Küchen auf, in die er auf Kundenwunsch mitunter Original-Teile aus Omas Küche der 60er und 70er Jahre integriert. „Natürlich werden die vorher aufbereitet und vom alten Lack befreit“, erzählte er. „Aber erstaunlicherweise wollen die Kunden dann plötzlich, dass die danach sichtbar gewordene rohe Holzstruktur erhalten bleibt, was der Küche allerdings eine ganz besondere Note gibt.“ Das komme auch seinem Credo „Die Patina muss erhalten bleiben“ entgegen.

„Etwas Bestehendes muss man erhalten und schützen, es soll das Wesen der jeweiligen Epoche widerspiegeln. Je älter das Möbelstück, umso weniger darf man in die vorhandene Substanz eingreifen. Alles andere ist der reinste Frevel“, stellte er leidenschaftlich klar. An einer barocken Kommode von 1725 demonstrierte der Restaurator eindrucksvoll, wie er mit bloßen Händen den Erhaltungszustand des Möbelstückes untersuchte. „Man muss mit den Fingern hören“, sagte er und strich dabei über die mehr oder weniger glänzenden Flächen oder klopfte leicht darauf. Je nachdem, wie sich die Resonanz anhört - mal dumpf, mal hohl klingend - weiß er über die Beschaffenheit des Untergrundes Bescheid. Der wird verfestigt und verfüllt und, soweit unbedingt erforderlich, auch mal erneuert.

Die Aufbereitung und Konservierung der Flächen mit Schellack, Wachsen und Ölen zählt mit zu den aufwendigsten Prozeduren der Restauration. Hier werden auch schon mal spezielle Tinkturen importiert, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Breitenborns Fingerspitzengefühl lässt das gute Familienerbstück im alten Glanz und im Zeitgeist seiner Entstehung fast wieder wie neu erstrahlen.

Gerne möchte er seine Erfahrungen weitergeben, damit das Interesse an der Arbeit mit Holz – und damit auch am Handwerk - erhalten bleibt. Dazu bietet er Kurse in Schulen und Kitas sowie auch für Erwachsene an. Auch Kindergeburtstage könnten in seiner Werkstatt mit einem interessanten wie praktischen Workshop zu einem Höhepunkt werden.

Von Reinhard Rädler

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