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In und an Feldern der Parthelandschaft soll Natur mehr Raum bekommen

In und an Feldern der Parthelandschaft soll Natur mehr Raum bekommen

Taucha/Plaußig. Unter der Überschrift "stadtPartheland" läuft vor Tauchas Stadtgrenzen derzeit ein Forschungsprojekt, bei dem neue Methoden des Landschaftsausgleiches probiert werden.

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Landwirtin Anna Catharina Voges vor einem Versuchsfeld bei Hohenheida. Oben, rechts neben dem Schild, verläuft ein von der Aussaat frei gehaltener Lichtstreifen.

Quelle: Olaf Barth

"Wenn auf der grünen Wiese neu gebaut wird, geht landwirtschaftliche Fläche verloren. Dann folgen gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen, zum Beispiel Aufforstungen, und den Landwirten gehen noch einmal Flächen verloren. Diesen doppelten Flächenverlust wollen wir künftig verhindern", beschreibt Florian Etterer kurz den Hintergrund des Projektes. Der 33-Jährige von der Technischen Universität Dresden koordiniert dieses Forschungsvorhaben in der Parthe-Kulturlandschaft und arbeitet daran fachlich mit. Das Programm nennt sich "Erprobung von produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen" (PIK).

Damit der Ausgleich künftig nicht zu weiteren Flächenverlusten führt, sollen die Landwirte als Partner ins Boot geholt werden. "Das ist gar nicht so einfach, denn es verlangt von den Landwirten auch etwas Mut, da es bei den sich gerade ändernden Rahmenbedingungen für die Agrarförderung noch offene Fragen gibt. Interessenten gibt es zwar, aber auf das Projekt eingelassen hat sich bisher nur ein Betrieb", so Etterer. Dieser eine Betrieb befindet sich vor den Toren Tauchas. Es handelt sich im Nachbardorf um die Saat-Gut Plaußig Voges KG. "Statt dass der Landwirtschaft weitere Flächen entzogen werden, wollen wir mit einer anderen Art der Bewirtschaftung dazu beitragen, dass in und an den Feldern wieder mehr natürliche Rückzugsgebiete für die Tier- und Pflanzenwelt entstehen", erklärte Saat-Gut-Chefin Anna Catharina Voges.

So seien zum Beispiel auf einem Feld zwischen Hohenheida und Göbschelwitz sogenannte Lerchenfenster angelegt worden. Bei der Aussaat im vorigen Herbst wurde auf Flächen von je bis zu 25 Quadratmetern die Drill-Maschine ausgeschaltet. "Die Flächen bleiben sich selbst überlassen. Lerchen können dort ihre Brutstätten anlegen", erklärte Voges. Auf einem anderen Feld wiederum wurde bei der Drillmaschine eine Saatleitung verstopft, sodass im Feld eine rund 30 Zentimeter breite Reihe frei blieb. Nur vorn und hinten ist die Saat-reihe geschlossen, damit der Fuchs keinen Zugang findet. Denn in dem "Lichtstreifen" sollen sich ebenfalls Lerchen oder andere Tiere ansiedeln können. Die Artenerfassung übernimmt das am Projekt beteiligte Professor Hellriegel Institut an der Hochschule Anhalt.

Voges gibt zu, dass das Anlegen dieser Fenster und Streifen Überwindung kostet. Nicht, weil auch diese Flächen letztendlich der Bewirtschaftung entzogen werden, sondern weil solche Lücken einfach wie Fehler aussehen, die ein Landwirt sonst zu vermeiden sucht. "Die Leute fragen schon, ob wir keine Ahnung haben, mit der Technik ordentlich auszusäen", sagte die 37-Jährige. Auch den Mitarbeitern müsse man erst einmal erklären und begründen, dass sie absichtlich solche "Fehler" anlegen. Zumal zum Projekt auch noch Brachflächen im Feld gehören, die sich selbst überlassen werden, zum Beispiel bei Seegeritz. Doch nicht nur die "Selbstbegrünung" gehört zum Forschungsprojekt. Nahe an Gewässern zweiter Ordnung werden mit dem Ausbringen von Samenmischungen an Feldrändern auch bis zu 15 Meter breite Blühstreifen und Ackerwildkrautstreifen angelegt.

Das Projekt decke sich mit ihrer inneren Einstellung gegenüber der Natur, begründete Voges ihre Teilnahme. Wichtig sei aber ebenso, dass es für diesen Flächenentzug und die Arbeit einen Ausgleich gibt, sich das Ganze am Ende auch rechnet. Finanzieren sollen das jene, die mit ihren Bauvorhaben die Ausgleichsmaßnahmen veranlassen. Für die jetzige Forschung bis 2019 stehen laut Etterer für diese und andere Projekte insgesamt knapp zwei Millionen Euro Fördermittel vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung.

Der naturschutzfachliche Wert der ganzen Maßnahmen besteht laut Projektunterlagen zumeist in der Erhöhung der Biodiversität, in der Aufwertung des Landschaftsbildes sowie in der Verbesserung des Nahrungsangebotes. Ein weiterer Vorteil sei die Herstellung von Synergien zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Landwirtin Anna Catarina Voges jedenfalls will auch künftig offen sein für solche Projekte, versicherte sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2015
Olaf Barth

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