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KWL feiern Erweiterung des Tauchaer Klärwerks

KWL feiern Erweiterung des Tauchaer Klärwerks

Morgen wird in Taucha feierlich das erweiterte und modernisierte Klärwerk eingeweiht. Rund 2,9 Millionen Euro haben die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) hier in den vergangenen Monaten investiert.

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Die KWL-Mitarbeiter Katja Gläß, Marco Peplinski und Simone Stein (von links) zeigen den Plüschstoff, der jetzt in der neuen Tuchfiltration zum Einsatz kommt.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Am Sonnabend stellen die KWL die Anlage der Öffentlichkeit vor und laden zum Tag der offenen Tür ein.

Als das Klärwerk 1999 mit seiner ersten Ausbaustufe in Betrieb ging, war es für 12000 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt. EW sind die fachliche Maßeinheit für Abwassermengen von Einwohnern und Industrie. Die Bevölkerungszahl in Taucha aber stieg. Knapp 15000 Einwohner wollen jetzt ihr Abwasser entsorgt haben, zuzüglich der Betriebe. Die Kapazitätsgrenze der Anlage war schon seit längerem erreicht, die vorgeschriebenen Ablaufwerte konnten nur noch mit erhöhtem Betriebsaufwand eingehalten werden.

Auch bei der Behandlung des Mischwassers (Schmutz- und Regenwasser) mussten die KWL tätig werden. Denn durch die Überläufe des Kanalsystems gelangte mehr und höher belastetes Wasser in die Parthe als nach dem Stand der heutigen Technik möglich wäre, sodass die KWL für Taucha schließlich einen Generalentwässerungsplan entwickelten. In dessen Folge wurden und werden nicht nur in die Ertüchtigung und Erweiterung des Kanalnetzes, einschließlich dazugehöriger Bauwerke, Millionensummen investiert (die LVZ berichtete), sondern eben auch in das Tauchaer Klärwerk. Damit sollen künftig auch die strengeren Anforderungen der EU erfüllt werden.

"Durch die Arbeiten am Kanalnetz und die Erschließung weiterer Gebiete wie zum Beispiel Plösitz mit 800 EW kamen wir insgesamt schon bei bis zu 17000 Einwohnerwerten an. Damit fiel die Entscheidung für eine Erweiterung des Klärwerkes", erläuterte Projektleiterin Simone Stein. Jetzt reicht die Anlage für 18000 EW. Die Abwasser-Aufnahmekapazität wurde von 320 Kubikmeter je Stunde auf 500 Kubikmeter erhöht. Doch ein drittes Klärbecken wurde nicht gebaut. "Der Platz dafür ist da, doch wir wollten nicht noch mehr Flächen versiegeln. Wir haben stattdessen mehr in die Technik investiert", sagte Stein. Die 50-Jährige nennt dabei die Sanierung der Pumpenanlage oder die Installation eines Walzensandfangs, der auch Fette aus dem Mischwasser holt. Mit einer komplett neuen Belüftung in Kombination mit neuer Steuerungs- und Messtechnik wurde auch die biologische Reinigungsstufe effizienter gestaltet. Dennoch, es gibt auch einen Neubau. Auf dem Gelände am Seegeritzer Weg 34 wurde ein neues Rechengebäude errichtet. Darin werden aus dem Schmutzwasser die Grobstoffe herausgeholt, gepresst und für die Entsorgung vorbereitet. Auch wurde das Dienstgebäude um eine Etage aufgestockt. Damit vergrößerte sich der Platz in der Schaltwarte für die erweiterte Steuerungstechnik.

Unverändert verrichten in den beiden biologischen Reinigungsbecken mit einem Gesamtvolumen von 4400 Kubikmetern Mikroorganismen ihre Arbeit. Sie "futtern" die Inhaltsstoffe des Abwassers. Das Ergebnis dieser Arbeit setzt sich im Nachklärbecken als Schlamm ab. Das dann klare Wasser wird abschließend durch eine neu installierte Tuchfiltration geleitet. Hier bleiben im Plüschstoff sogar die bisher durchgerutschten Wattestäbchen hängen. Die gehören, wie vieles andere auch, normalerweise in den Hausmüll und nicht ins Toilettenbecken. "Diese Filteranlage übertrifft alle Erwartungen. Das ist eine Entwicklung aus der Schweiz, deren Einsatz in Deutschland relativ neu ist. Die meisten Kläranlagen nutzen Sandfilter", erzählte Stein. Die Qualität des gereinigten Abwassers habe sich mit dem "Teddyfilter" weiter verbessert. Gelöst wurde nun auch das Problem mit dem im Reinigungsprozess entstehenden überschüssigen Schlamm. Vor dessen Entwässerung wurde eine maschinelle "Eindickung" vorgeschaltet. Außerdem gibt es jetzt einen zweiten Speicher für den Schlamm, der später zum Beispiel als Kompost in der Landwirtschaft genutzt wird. Die früher notwendigen Schlammtransporte ins Klärwerk Rosental entfallen.

Das Aufkommen des Abwassers verrät nicht nur die Entwicklungstendenz bei der Einwohnerzahl, sondern auch etwas über die Bewohner selbst. Tagsüber ist an Wochentagen die Abwasserbelastung gering, erst am Abend nimmt sie zu. "An Wochenenden oder an Feiertagen haben wir viel Last im Wasser, da ist der Unterschied in Taucha zu den Werktagen ziemlich extrem. Doch in Markranstädt oder Markkleeberg ist es auch nicht viel anders", so Stein.

Doch egal, ob viel oder wenig Last im ankommenden Wasser, am Ende ist entscheidend, in welcher Qualität das Wasser das Klärwerk wieder verlässt. Seit dem Start der Probephase im Oktober 2012 wurden bis zum heutigen Tag alle für die Wasserqualität entscheidenden Werte wie die für Stickstoff oder Phosphat eingehalten beziehungsweise unterschritten, versicherte Stein. Ständige eigene sowie regelmäßige Kontrollen der Unteren Wasserbehörde bestätigen das. "Je weniger das Wasser belastet ist, um so weniger kostet uns die Einleitung in die Parthe", nannte Stein einen weiteren Anreiz für die gründliche Reinigung. Theoretisch dürfte am Ende ein Liter Wasser noch mit 60 Milligramm organischem Material belastet sein. "Unsere Werte liegen bei 25 Milligramm", sagte die Chemikerin nicht ganz ohne Stolz.

Am Sonnabend können sich von 10 bis 16 Uhr Interessenten bei Führungen das Klärwerk anschauen. Der Eintritt ist frei. Eine Ausstellung zeigt das KWL-Abwasser- und Kanalnetz. Für Kinder gibt es Experimente sowie eine Spiel- und Bastelecke.

 

 

@www.wasser-leipzig.de/veranstaltungen

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2013

Olaf Barth

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