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Knapp drei Stunden dauerte erster Aufstand

Knapp drei Stunden dauerte erster Aufstand

Polizei-, Zeitungs- und Zwischenberichte sowie Verhörprotokolle lagen ausgebreitet im Ratsherrenzimmer, Werner Dölz stand dahinter. Vor dem Tauchaer versammelte sich ein gespanntes Publikum, unter anderem mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Antje Brumm und CDU-Fraktionschef Ralph Nietzschmann.

Taucha. Anlass war am Donnerstagabend eine weitere Auseinandersetzung mit dem 17. Juni 1953 in Taucha. Nietzschmann hatte Dölz gebeten, sich noch einmal mit dem Tag und dessen Folgen zu beschäftigen.

Mit viel Akribie, Hingabe und Ausdauer nahm sich der Rentner dem „Vorläufer der Friedlichen Revolution 89“, wie Dölz selbst sagte, an. Die Runde Ecke in Leipzig und die dort archivierte Stasi-Akte mit dem Namen Hetzer sowie ausführliche Recherchen von Heidi Roth in ihrem Buch „Der 17. Juni 1953 in Sachsen“ führten zu neuen Kenntnissen.

Immer wieder rückte der Rentner die Eisengießerei Klug mit seinen damaligen 120 Mitarbeitern im Gerichtsweg in den Mittelpunkt. Eine zentrale Rolle spielten dabei der Geschäftsmann Walter Klug und der Former Otto Seeburg. Ende 1952 wurde Klug verhaftet, und unter anderem wegen unzulässiger Lohnerhöhung angeklagt, er sollte 247 000 Mark Strafe zahlen. Eine Summe, die für den Mann unmöglich zu stemmen war. Er blieb in Haft. Sein Betrieb ging weiter.

Währenddessen spitzte sich die Lage im Unternehmen aufgrund des Entzugs der so genannten Erschwerniszulage immer weiter zu. Die daraus resultierende zehnprozentige Lohnkürzung war für die Angestellten nicht tragbar.

Am Morgen des Arbeiteraufstands fuhr ein Laster auf den Hof der Gießerei, ein Herr Rieger stieg aus, eine zerfetzte rote Fahne in der Hand, und rief: „Nieder mit der SED.“ Rieger, dem diese Aktion zweieinhalb Jahre Zuchthaus einbrachte, berichtete Seeburg und den anderen Mitarbeitern von den Aufständen in Berlin. Daraufhin zogen sie gemeinsam los – Seeburg an der Spitze. Die Aufständischen forderten freie Wahlen, die Rücknahme der Streichung der Erschwerniszulage und die Freilassung von Klug. Knapp drei Stunden dauerte die Revolution. Überraschend wurde Klug am nächsten Tag entlassen, durfte sein Unternehmen jedoch nicht weiterführen. 1956 wurde Konkurs angemeldet, der Betrieb eingestellt und das Grundstück verstaatlicht. Familie Klug verließ die DDR.

Aus einem Zwischenbericht des Volkspolizeikreisamtes Leipzig vom 21. Juni 53 ging hervor, dass Otto Seeburg als einer der führenden Redner der Tauchaer Auflehnung galt. Seeburg wurde angeklagt, aber nicht verurteilt und verließ ebenfalls kurz darauf die DDR. In den kommenden Wochen wurden zum Teil die vom Staat beschlossenen Streichungen der Erschwerniszulage und die Normerhöhung zurückgenommen, was zu einer Lohnerhöhung um ein Drittel führte. Weitere Forderungen konnten nicht durchgesetzt werden.

„Geschichte ist wichtig, sie ist passiert und wir können sie nicht ändern“, sagte Dölz am Ende. „Wir können uns nur mit ihr auseinandersetzen und zukünftig bessere Entscheidungen treffen“, war sein Resümee.

Karoline Maria Keybe

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