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Kühler Sommer, warmer Herbst und Starkregen

Kühler Sommer, warmer Herbst und Starkregen

Wolfram Lenk, Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes, erfasst seit 1975 Wetterdaten.Nach dem starken Wintereinbruch Ende November 2010 verzeichneten wir bis Ende Februar an 63 Tagen eine mehr oder weniger geschlossene Schneedecke mit maximaler Schneehöhe bis 37 Zentimetern und Minusgraden oft im zweistelligen Bereich bis minus 17 Grad Celsius.

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Der 11. September 2011 in Taucha: Knapp 40 Millimeter Regen prasseln in nur 15 Minuten auf die Stadt nieder, setzen hier im Bild die Dewitzer Straße unter Wasser.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. im zweistelligen Bereich bis minus 17 Grad Celsius.

Dieser Winter hatte es in sich. Bodenfrost, Schnee- und Eisglätte währten 57 Tage lang. Die Niederschläge, überwiegend Schnee, lagen bei 115 Prozent über dem dreimonatigen Mittel. Die ergiebigen Schneefälle in Verbindung mit Verwehungen verursachten manche Behinderung.

Das ab Anfang Januar einsetzende Tauwetter führte zu beachtlichem Hochwasser von Parthe und Fuchsberggraben. Der Pegelstand der Parthe erreichte 198 Zentimeter, lag nahe Warnstufe drei. Die Durchflussmenge stieg von 3 auf 22 Kubikmeter je Sekunde. Die rasche Erwärmung im Februar hatte eine 14-tägige Verfrühung der Vegetation bei viel zu geringen Niederschlägen zur Folge. Die Niederschläge von März bis Mai betrugen 67 Millimeter und entsprachen nur 49 Prozent der langjährigen Mittelwerte. Die Temperaturen dagegen lagen bedingt durch die überdurchschnittlichen Sonnenscheinstunden von 147 Prozent weit über dem Normalen.

Die Frühjahrsmonate März bis Mai waren durchweg zu warm und vor allem zu trocken. Der Deutsche Wetterdienst berichtete darüber, dass es zu Ostern hierzulande wärmer war als im gesamten Mittelmeerraum. Das Frühjahr war laut Einschätzung des Wetterdienstes aber auch das sonnigste seit über 100 Jahren. Dem „sommerlichen Frühjahr“ folgte von Juni bis August ein unbeständiger und kühler Sommer. Es regnete an 55 Tagen 302,6 Millimeter, also weit mehr als die sonst üblichen 200. Die höchste Tagessumme im Sommer betrug am 25. August 38,1 Millimeter. Die höchsten Tages- und zugleich Jahrestemperaturen von 31 bis 33 Grad wurden vom 24. bis 26. August gemessen. Sehr niedrige Temperaturen von 12 bis 19 Grad gab es im Juli.

Dem verregneten Sommer folgten „sommerverdächtige“ Herbstmonate, die bei stabilen Hochdruckwetterlagen bis Mitte Oktober anhielten. Der Altweibersommer machte ab der zweiten Septemberdekade vier Wochen lang seinem Namen Ehre. Es war regenarm, sonnig und windstill. Auch danach folgten bis Ende November freundliche Herbsttage – die Schönwetterperiode hielt 70 Tage fast ohne Unterbrechung an.

Das Herbstwetter war abseits der Norm, vor allem, wenn man die im November ausgebliebenen Niederschläge einbezieht. Nur am 11. September verzeichneten wir in Taucha ein Unwetter mit bisher nie registrierten Starkniederschlägen, die viele Straßen unter Wasser setzten. In nur 15 Minuten prasselten 39 Millimeter Regen nieder. Die Gesamtmenge von 51,4 war zugleich die Tageshöchstmenge im ganzen Jahr. Untersucht man Starkniederschläge der letzten drei Jahrzehnte, so ist der 4. August 1983 zu nennen. An diesem Tag fielen in 24 Stunden sogar 106,1 Millimeter. Im Oktober hatten wir noch drei Sommertage mit über 25 Grad. Das Augenscheinlichste dieses außergewöhnlichen Herbstes waren laut DWD die überdurchschnittlichen Sonnenscheinstunden, die Werte von 147 Prozent bis sogar 292 Prozent im November erreichten. So stellten die Meteorologen besonders im November „Dürre mit Rekordniveau“ fest. In diesem Monat fielen statt der üblichen 55 Millimeter nur 0,2 – also fast gar nichts. Sichtbarer Ausdruck dieses Defizites waren vielerorts die Pegelstände der Gewässer und die sonst eher seltene Waldbrandgefahr im Spätherbst. Die Regenfehlmenge aller drei Herbstmonate belief sich trotzdem nur auf rund 20 Millimeter, da der Monat September sehr niederschlagsreich war.

Im Dezember beobachteten wir oft mildes und feuchtes Wetter. Es regnete an 23 Tagen, wenn auch die Tagesmengen unerheblich waren. Als Vorbote des Winters verursachte am 16. Dezember das gewaltige Sturmtief Joachim Schäden, Taucha blieb aber weitgehend verschont. Die nachfolgende Erwärmung war ausschlaggebend für die schneefreie Zeit um Weihnachten und Neujahr. Die Nachttemperaturen kletterten teilweise auf bis 8,5 Grad und am Tage auf zweistellige Werte.

Den Gesamtniederschlägen des Jahres von 636 Millimeter steht der langjährige Mittelwert von 618 gegenüber. Der höchste Wert von 946 Millimetern wurde 2010 gemessen, der niedrigste Wert von 387 Millimetern 1976. Was die Temperaturen angeht, war das Jahr laut DWD 1,5 Grad zu warm. Die Sonnenscheinstunden lagen 20 Prozent über dem Durchschnittswert.

Der Klimastudie des DWD zufolge hängen extreme Wetterereignisse zweifelsfrei mit dem Klimawandel zusammen. So wurde festgestellt, dass, wenn es in Deutschland regnet, immer öfter Niederschläge in großen Mengen fallen und das besonders in Ostdeutschland. 2011 hatten wir in Taucha zwei „amtliche“ Starkniederschläge mit mehr als 30 Millimetern in 24 Stunden, während andere starke Regenfälle unter diesem Wert 17 Mal festgestellt wurden. Weiteres Indiz des Klimawandels sind nasse Winter, trockene Sommer und höhere Temperaturen, sowie ein häufiger Wechsel von Perioden mit hohen und niedrigen Temperaturen. Die Auswirkungen dramatischer Wetterereignisse in Deutschland auf viele Bereiche des täglichen Lebens waren oft erheblich, Taucha blieb größtenteils verschont, abgesehen vom Hochwasser im Januar und der Überschwemmung im September.

Wolfram Lenk

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