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Taucha LVB bekämpfen Unkraut auch mit Glyphosat
Region Taucha LVB bekämpfen Unkraut auch mit Glyphosat
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00:18 11.06.2017
Zur Bekämpfung von Unkraut setzen die Leipziger Verkehrsbetriebe stellenweise auf Grünstreifen an ihren Gleisanlagen Herbizide ein. Quelle: Foto: Olaf Barth
Taucha

Wie mit dem Lineal gezogen teilte sich im Mai der Grünstreifen neben den Gleisen der Straßenbahn-Linie 3 bei Taucha in braun gewordenen und grün gebliebenen Bewuchs. Die im Nabu engagierte Tauchaerin Petra Jogschies war sich sofort sicher, dass hier von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Unkraut eingesetzt worden war.

„Schizophrener geht es doch nicht. Auf der einen Seite werden mit Steuergeldern Schmetterlingswiesen und Blühstreifen an Äckern für Insekten angelegt. Und andererseits werden Herbizide wie Glyphosat auf Grünstreifen ausgebracht und vernichten so den Bewuchs“, machte die Ärztin ihrem Unmut gegenüber der LVZ Luft. Sie wirft den LVB sogar einen Gesetzesverstoß vor, da der Einsatz von Glyphosat auf nicht land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen grundsätzlich verboten sei. Dieser weit verbreitete Unkrautvernichter war zuletzt auch international stark umstritten, weil er in Verdacht steht, das Risiko von Krebserkrankungen zu erhöhen. Am 29. Juni 2016 entschied die EU-Kommission, Glyphosat bis zu 18 weitere Monate zuzulassen.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe teilen auf LVZ-Anfrage mit, dass ausschließlich zugelassene Herbizide mit entsprechenden Sicherheitsdatenblättern und unter behördlichen Genehmigungsauflagen zum Einsatz kommen. „Die zugelassene Handhabung wird auch durch die Mitarbeiter gewährleistet – sie sind speziell zur Sachkunde und zum Umgang geschult. Für den Schutz der Umgebung sind entsprechend der Auf­lagen zudem die Mengen und Ausbringungsarten für die konkreten Herbizide begrenzt, was strikt beachtet wird“, erklärte Unternehmenssprecherin Katja Gläß und fuhr fort: „Für die eingesetzten Herbizide und Anwendungsbereiche liegt uns eine aktuelle Genehmigung bis zum 30. 6. beziehungsweise 31. 12. 2018 vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor, soweit die Zulassung der Mittel nicht ruht.“ Inhalt der Genehmigung seien klare Vorgaben für die Verwendung und die Anforderungen an die Mitarbeiter.

Verwendet würden das Blattherbizid Glyfos TF (Glyphosat) auf circa 141 000 Quadratmetern sowie andere Blatt- und Bodenherbizide zum Beispiel gegen den Ackerschachtelhalm auf circa 91 000 Quadratmetern. Die Anwendung erfolge im Frühjahr und Herbst auf bestimmten Strecken. Bezüglich des umstrittenen Glyphosats verweisen die LVB auf dessen verlängerte Zulassung bis zum 31. Dezember 2017. Gläß: „Die europä­ische Chemieagentur hat laut Pressemeldung Glyphosat aktuell als nicht krebserregend eingestuft. Die LVB haben hinsichtlich des Leipziger Stadtratsbeschlusses zum schrittweisen Verzicht zum Einsatz von Pestiziden auf die spezielle Notwendigkeit der Behandlung der Gleisanlagen hingewiesen.“

Eingesetzt würden die Mittel an einem Teil der Gleisanlagen „zur notwendigen Wildkraut- beziehungsweise Unkrautbekämpfung“, so Gläß. Wildwuchs verursache an den Anlagen bereits nach kurzer Zeit Schäden durch Lockerung des Schotterbetts. „Eine Nichtbekämpfung des Wildkrauts führt zu erheblichen Mehrkosten, da eine regelmäßige Befestigung des gesamten Gleisnetzes nötig wäre“, so Gläß. Circa 20 000 Euro im Jahr geben die LVB für diese Unkrautbekämpfung aus. Intern würden Alternativen diskutiert, zum Beispiel der Einsatz von heißem Wasser. Die technische Umsetzung würde die bisherigen Kosten um ein Vielfaches erhöhen und in der Zeit den Verkehr auf diesen Linien zum Erliegen bringen.

Der Umweltbund „Ökolöwe“ Leipzig teilte auf LVZ-Nachfrage mit, dass er den Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat für unverantwortlich hält und sich deshalb ausdrücklich gegen deren Einsatz ausspricht. „2015 wurde vom Stadtrat der Beschluss gefasst, ,schrittweise auf allen kommunalen Flächen, auf Kultur- sowie Nicht-Kulturland, auf den Einsatz von Pestiziden’ zu verzichten. Die Leipziger Verkehrsbetriebe als durch die Stadt Leipzig mitfinanzierter Betrieb sollten sich an diesen Stadtratsbeschluss halten“, fordert der Ökolöwe. Denn Pestizide wie Glyphosat hätten eine Mitverantwortung am zunehmenden Artensterben. „Sie verschlechtern die Qualität unserer Böden und unseres Wassers, und sie schädigen letztendlich unsere eigene menschliche Gesundheit“, argumentiert Anja Werner vom Umweltbund.

Anstatt Umweltgifte einzusetzen, teilte sie weiter mit, sollte auf eine physische Entfernung des Unkrauts zum Beispiel mit Sensen zurückgegriffen werden. Grundsätzlich sollte laut Ökolöwe je nach Standort die Frage gestellt werden, inwiefern eine Entfernung von Unkraut überhaupt zwingend notwendig ist.

Von Olaf Barth

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