Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
LVB bekämpfen Unkraut auch mit Glyphosat

Kritik an Einsatz von Herbiziden LVB bekämpfen Unkraut auch mit Glyphosat

Einer Naturschützerin aus Taucha waren die braunen Verfärbungen an Grünstreifen entlang einiger Straßenbahngleise aufgefallen. Sie vermutete den Einsatz von Herbiziden, was die Leipziger Verkehrsbetriebe auf LVZ-Anfrage bestätigten. Damit sollen Schäden am Gleisbett verhindert werden, alternative Pflegemaßnahmen wären um ein Vielfaches zeit- und kostenaufwendiger.

Neben Straßenbahngleisen fallen stellenweise die nun bräunlich verfärbten Grünstreifen auf. Die LVB setzen hier Herbizide zur Unkrautbekämpfung ein.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Wie mit dem Lineal gezogen teilte sich im Mai der Grünstreifen neben den Gleisen der Straßenbahn-Linie 3 bei Taucha in braun gewordenen und grün gebliebenen Bewuchs. Die im Nabu engagierte Tauchaerin Petra Jogschies war sich sofort sicher, dass hier von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Unkraut eingesetzt worden war.

„Schizophrener geht es doch nicht. Auf der einen Seite werden mit Steuergeldern Schmetterlingswiesen und Blühstreifen an Äckern für Insekten angelegt. Und andererseits werden Herbizide wie Glyphosat auf Grünstreifen ausgebracht und vernichten so den Bewuchs“, machte die Ärztin ihrem Unmut gegenüber der LVZ Luft. Sie wirft den LVB sogar einen Gesetzesverstoß vor, da der Einsatz von Glyphosat auf nicht land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen grundsätzlich verboten sei. Dieser weit verbreitete Unkrautvernichter war zuletzt auch international stark umstritten, weil er in Verdacht steht, das Risiko von Krebserkrankungen zu erhöhen. Am 29. Juni 2016 entschied die EU-Kommission, Glyphosat bis zu 18 weitere Monate zuzulassen.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe teilen auf LVZ-Anfrage mit, dass ausschließlich zugelassene Herbizide mit entsprechenden Sicherheitsdatenblättern und unter behördlichen Genehmigungsauflagen zum Einsatz kommen. „Die zugelassene Handhabung wird auch durch die Mitarbeiter gewährleistet – sie sind speziell zur Sachkunde und zum Umgang geschult. Für den Schutz der Umgebung sind entsprechend der Auf­lagen zudem die Mengen und Ausbringungsarten für die konkreten Herbizide begrenzt, was strikt beachtet wird“, erklärte Unternehmenssprecherin Katja Gläß und fuhr fort: „Für die eingesetzten Herbizide und Anwendungsbereiche liegt uns eine aktuelle Genehmigung bis zum 30. 6. beziehungsweise 31. 12. 2018 vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie vor, soweit die Zulassung der Mittel nicht ruht.“ Inhalt der Genehmigung seien klare Vorgaben für die Verwendung und die Anforderungen an die Mitarbeiter.

Verwendet würden das Blattherbizid Glyfos TF (Glyphosat) auf circa 141 000 Quadratmetern sowie andere Blatt- und Bodenherbizide zum Beispiel gegen den Ackerschachtelhalm auf circa 91 000 Quadratmetern. Die Anwendung erfolge im Frühjahr und Herbst auf bestimmten Strecken. Bezüglich des umstrittenen Glyphosats verweisen die LVB auf dessen verlängerte Zulassung bis zum 31. Dezember 2017. Gläß: „Die europä­ische Chemieagentur hat laut Pressemeldung Glyphosat aktuell als nicht krebserregend eingestuft. Die LVB haben hinsichtlich des Leipziger Stadtratsbeschlusses zum schrittweisen Verzicht zum Einsatz von Pestiziden auf die spezielle Notwendigkeit der Behandlung der Gleisanlagen hingewiesen.“

Eingesetzt würden die Mittel an einem Teil der Gleisanlagen „zur notwendigen Wildkraut- beziehungsweise Unkrautbekämpfung“, so Gläß. Wildwuchs verursache an den Anlagen bereits nach kurzer Zeit Schäden durch Lockerung des Schotterbetts. „Eine Nichtbekämpfung des Wildkrauts führt zu erheblichen Mehrkosten, da eine regelmäßige Befestigung des gesamten Gleisnetzes nötig wäre“, so Gläß. Circa 20 000 Euro im Jahr geben die LVB für diese Unkrautbekämpfung aus. Intern würden Alternativen diskutiert, zum Beispiel der Einsatz von heißem Wasser. Die technische Umsetzung würde die bisherigen Kosten um ein Vielfaches erhöhen und in der Zeit den Verkehr auf diesen Linien zum Erliegen bringen.

Der Umweltbund „Ökolöwe“ Leipzig teilte auf LVZ-Nachfrage mit, dass er den Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat für unverantwortlich hält und sich deshalb ausdrücklich gegen deren Einsatz ausspricht. „2015 wurde vom Stadtrat der Beschluss gefasst, ,schrittweise auf allen kommunalen Flächen, auf Kultur- sowie Nicht-Kulturland, auf den Einsatz von Pestiziden’ zu verzichten. Die Leipziger Verkehrsbetriebe als durch die Stadt Leipzig mitfinanzierter Betrieb sollten sich an diesen Stadtratsbeschluss halten“, fordert der Ökolöwe. Denn Pestizide wie Glyphosat hätten eine Mitverantwortung am zunehmenden Artensterben. „Sie verschlechtern die Qualität unserer Böden und unseres Wassers, und sie schädigen letztendlich unsere eigene menschliche Gesundheit“, argumentiert Anja Werner vom Umweltbund.

Anstatt Umweltgifte einzusetzen, teilte sie weiter mit, sollte auf eine physische Entfernung des Unkrauts zum Beispiel mit Sensen zurückgegriffen werden. Grundsätzlich sollte laut Ökolöwe je nach Standort die Frage gestellt werden, inwiefern eine Entfernung von Unkraut überhaupt zwingend notwendig ist.

Von Olaf Barth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Taucha
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

17.10.2017 - 14:28 Uhr

Spieler von Roter Stern Leipzig sind beim Auswärtsspiel am Sonntag in Schildau bespuckt und beleidigt worden. Der TSV-Vorstand sieht eine Mitverantwortung bei den Messestädtern.

mehr