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Leben zwischen Liebe und Zorn

Leben zwischen Liebe und Zorn

Die 32. Ausgabe der Tauchaer Blauen Stunde am Dienstagabend im Café Esprit war wieder einem politischen Thema gewidmet. Zu Gast war Thomas Renker, der am 24. August in dieser Zeitung „Ein Soundtrack fürs Leben“ geschrieben hat und darin in einfühlsamen Worten über seine Zeit im Stasi-Knast berichtet hat.

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Einblicke in die jüngste deutsche Geschichte: Lutz (Eisen)Heinrich, Thomas Renker und Tobias Meier (v.l.) bei der Talkrunde Blaue Stunde im Café Esprit.

Quelle: Matthias Kudra

Taucha. Alles dreht sich da um den Renft-Titel „Zwischen Liebe und Zorn“. „Renft hat in mir den Glauben zum Leben immer wieder erneuert“, sagte er Moderator Tobias Meier dazu. Die Liebe – damit meinte er seine Tätigkeit als Chefkoch unter anderem im Interhotel Astoria, im Restaurant Gastmahl des Meeres, im japanischen Restaurant Sakura des Interhotels Merkur sowie an der DHfK Leipzig.

Sein Zorn entwickelte sich langsam. Er versuchte, sich zu arrangieren. Doch immer wieder wurde er genötigt einer Partei beizutreten, der er als überzeugter Christ niemals beitreten wollte. Doch als nach dem Nato-Doppelbeschluss auch Mittelstreckenraketen, so genannte SS 20 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert werden sollten, brach es aus ihm heraus. „Der Damm war gebrochen, ich konnte ihn nicht mehr schließen“, sagte er dazu. Als er seinem Zorn Luft machte und an Leipzigs Fensterscheiben den Schriftzug „SS 20 – Nein Danke“ schrieb, wurde er fest genommen und kam in die Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Leipzig und das Zuchthaus in Cottbus. Nach seiner Entlassung 1986 und einer kurzen Tätigkeit als Hilfsarbeiter wurde er schließlich 1987 aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen, kam aber gleich 1990 nach der Wende in seine alte Heimat zurück.

Im Gefängnis, wo er in sechs Wochen nur vier Briefe schreiben konnte, begann Renker zu schreiben, ohne Zettel, alles nur im Gedächtnis gemerkt. Sein Buch „Dass Du mir bleibst“ enthält die Gedichte aus jener Zeit, von denen er einige wie „Kunst zu leben“ auch rezitierte.

Gottfried Hänisch überzeugte ihn schließlich, für sein Buch-Projekt „Als die Schatten länger wurden“ seine Erlebnisse niederzuschreiben. Da merkte er erst einmal, wie schwer es ist, über eine Zeit zu schreiben, die man glaubt verdrängt zu haben und doch niemals vergessen kann.

Natürlich wird das Thema gerade in der letzten Zeit immer wieder thematisiert, das dachten sich vielleicht auch viele Tauchaer und blieben der Veranstaltung fern. Aber Heinz-Martin Benecke, der selbst einmal im Stasi-Knast gesessen hat, brachte es mit den Worten „es sind keine Berichte vom erlebten Geschehen, die er gibt, sondern Kurzgeschichten, die weit darüber hinaus in die deutsche Vergangenheit zurückgreifen“ auf den Punkt. Lutz (Eisen)Heinrich umrahmte mit Renft-Titeln die Veranstaltung.

Die nächste Blaue Stunde findet am 15. November statt. Zu Gast ist dann die „Lütte“, Angelika Mann.

Matthias Kudra

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