Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Taucha Lichtschüsse mit „Geschmäckle“ Verein betreibt Übungsplatz Am Veitsberg
Region Taucha Lichtschüsse mit „Geschmäckle“ Verein betreibt Übungsplatz Am Veitsberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:59 09.09.2009
Anzeige
Taucha

„Ich würde nicht zulassen, dass da, wo früher Kriegsmaterial gebaut wurde, heute wieder Krieg gespielt wird.“ Die Tauchaerin Charlotte Zeitschel ist erbost über die Aktivitäten des Lasergame-Vereins Leipzig, der auf dem Gelände der ehemaligen Mitteldeutschen Motorenwerke (MiMo) sein Domizil gefunden hat. „Das ist doch alles historisch belastetes Gelände“, gibt sie zu bedenken – und weiß, wovon sie spricht: Die betagte Dame leitet die Leipziger Gedenkstätte für Zwangsarbeiter, hat sich auch um die Aufarbeitung dieses unrühmlichen Teils der Tauchaer Geschichte verdient gemacht. Immerhin lebten während des Zweiten Weltkriegs mehr als 5000 Zwangsarbeiter in Taucha. Und in den MiMo wurden unter anderem jenen Flugzeugmotoren hergestellt, die Deutsche Bomber bis nach England und Russland trugen. „Es gibt doch genügend andere, nicht belastete Flächen in Taucha“, seufzt Zeitschel.

„Es ist privates Gelände, das an den Verein verpachtet wurde. Die Stadt hat null Einfluss darauf“, sagt Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD). Er sehe derartige Geländespiele kritisch, aber immerhin schlumpere die Fläche nicht länger vor sich hin. Er gibt zu bedenken, dass schon zu DDR-Zeiten das Gelände militärisch genutzt wurde: „Die Bereitschaftspolizei hat dort Übungen veranstaltet“, erinnert er sich. Gleichwohl sei er froh gewesen, dass mit der Wende diese Nutzung entfiel. „Daher hat der jetzige Betrieb dort schon ein gewisses Geschmäckle“, sagt er. Gleichwohl finde der Betrieb nicht in der Öffentlichkeit statt, sondern in einem abgeschlossenen Gelände.

Auch Ordnungsamtsleiter Albrecht Walther hat eine „gespaltene Meinung“, wie er sagt. Immerhin werde das Objekt wieder genutzt und einen Schützenverein gebe es schließlich auch nicht weit entfernt. „Aber wenn die Lasergamer sich anderweitig sportlich betätigen könnten, würde ich es begrüßen.“ Auf jeden Fall sei diese Art der Betätigung außerhalb des umfriedeten Geländes nicht möglich.

Für ihren „Sport“ haben die Vereinsmitglieder derweil angepackt und das zuletzt als Asylbewerberheim genutzte Areal beräumt und zu einer Art Übungsgelände umgestaltet. Laut Internetseite wurde bereits eine ganze Lastwagenladung voller Reifen als Hindernisse verbaut. Das Landratsamt Nordsachen erklärte gestern, Umbau des Gebäudes und dessen Nutzungsänderung seien beantragt, aber noch nicht genehmigt. „Wir werden uns jetzt erstmal vor Ort ein Bild verschaffen, ob alles rechtens ist“, so Sprecher Rayk Bergner.

Jörg ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige