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Taucha "Magd mit Schwein" hat Beamte verärgert
Region Taucha "Magd mit Schwein" hat Beamte verärgert
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13:57 19.05.2015
In der Tauchaer Karl-Marx-Straße wird fleißig saniert. Wieder wie neu sehen die Wandbilder an den Häusern der Zwick'schen Siedlung aus. Ein alter Brief aus der Entstehungszeit der Sgraffiti berichtet von Problemen und auch von Motiv-Streitigkeiten. Quelle: Olaf Barth

Was sowohl dem Denkmalamt des Landkreises als auch dem momentan in der Karl-Marx-Straße sanierendem Büro unbekannt war, deckte der Nachfahre einer der beiden Künstler auf: "Ich weiß, wer die Sgraffiti an den Häusern gefertigt hat. Es waren mein Vater Rudolf Schnabel und der Tauchaer Künstler Rudolf Ölzner", wandte sich Christian Schnabel, der heute in Lüneburg lebt, damals an die Redaktion. Bis zum April soll nun eine Tafel mitteilen, wer die Motive einst geschaffen hat.

Jetzt übersandte der Künstler-Nachfahre einen Brief seines Vaters aus der Entstehungszeit der Wandbilder. Wohl im Sommer 1937 wurde der Brief an Rudolf Schnabels "liebe Irmgard" geschrieben, berichtete der Junior. Darin erzählt der Künstler von den Widrigkeiten bei seiner Arbeit: "Die Bilder am Bau machen viel zu schaffen, sechs sind fertig", schrieb Schnabel seiner Frau und bedauerte, nicht mit ihr reden zu können. Die Arbeit halte ihn auch vom Schreiben ab. "Eins von den Motiven wird wieder abgekratzt und mit einem neuen geschmückt", berichtete Schnabel weiter. Hintergrund: Das Motiv, welches ersetzt werden sollte, zeigte eine Magd mit einem Schwein und war ausgerechnet an einem Haus für Beamte angebracht. "Man findet das etwas vulgär", schrieb Schnabel seiner Frau.

Die Wandbilder, die zum einen Berufe und zum anderen Märchen darstellen sollten, wurden über den Eingängen in den Putz gekratzt. Eines dieser Motive war jene Magd mit Schwein. "Die Beamten hätten protestiert, als sie hörten, es würde über dem Eingang ihres künftigen Wohnhauses abgebildet", berichtete Christian Schnabel weiter. Der Protest war wohl erfolgreich, wie dessen Vater schreibt. Die Aufregung war derart groß, dass man heute eine Magd mit Schwein vergeblich sucht. "Morgen früh wird ein Förster mit Hund im Walde angebracht", schrieb Rudolf Schnabel damals. Sein Sohn vermutet, dass jenes Förster-Motiv die Magd ersetzt hat.

Beim Förster-Motiv war einst Eile geboten: Das Bild "muss aber 1 Uhr fertig sein, dann ist die Führerrede, wo nicht gearbeitet werden darf", schrieb Schnabel. Zudem müsse ein Bild von vier Metern in drei Stunden fertig sein, weil der Putz sonst zu trocken werde und es technisch nicht mehr möglich wäre, es fortzusetzen. Schnabel Senior berichtete seiner Frau auch: "Wir haben Schwierigkeiten mit den Maurern, von denen jeder anders arbeitet und zum Teil auch falsch". Außerdem hatte man am Tage des Briefschreibens eine Zeichnung "gemaust, so dass neue Schwierigkeiten entstehen und so geht die Litanei noch weiter mit Unebenheiten", berichtete der Künstler.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2015
Roland Heinrich

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