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Mandanindianer ungewollt Teil eines Theaterstücks

Mandanindianer ungewollt Teil eines Theaterstücks

Sein Interesse für Karl-May- Bücher hat dem jungen Tauchaer Julius Pahl zu seiner ersten kleinen Schauspielrolle am Leipziger Centraltheater verholfen. Dort laufen derzeit die Karl-May-Festspiele, eine Inszenierung des Kabarettisten und Liedermachers Rainald Grebe.

Taucha. Das Stück wandelt laut Dramaturg Johannes Kirsten auf den Spuren Karl Mays und der Begeisterung für die Indianer. Auch die Tauchaer Mandanindianer kommen darin vor - und sind darüber weniger erfreut. Angefangen hat alles mit einer Zeitungsannonce, in der ein Casting für die Karl-May-Festspiele angekündigt wurde. Nun steht der 15-jährige Julius in der letzten Theaterszene im Indianerkleid auf der Bühne und erzählt, was ihm an Karl May so gefällt. Der Mann seiner Grundschullehrerin hatte ihn zufällig auf dieses Thema gebracht. Seitdem hat Julius sehr viel von May gelesen, fast 80 Bände hat er zu Hause. „Das hat Rainald Grebe beim Casting sehr beeindruckt“, sagt Johannes Kirsten, Dramaturg am Centraltheater. Das Stück verwische die Grenzen der Fiktion Karl Mays und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den indigenen Völkern, sagt Kirsten: „Wir wollen weder Karl May folgen, noch die Indianistik authentisch zeigen“, erklärt er. Das sehr collagenhafte Stück sei gestaltet wie ein Vortrag. Das Material stammt von Jens-Uwe Fischer, einer der Autoren des Buchs „Sozialistische Cowboys“. So haben auch die Tauchaer Mandanindianer Eingang ins Theaterstück gefunden. Und genau damit haben sie ein Problem. Der Verein gründete sich 1958 und beschäftigt sich mit der Erforschung und Pflege der Kultur der Mandanindianer: „Wir sind nicht irgendwelche Spinner, die ein bisschen Indianer spielen“, betont Claudia Giel, 2. Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mandanindianer. „Wir beschäftigen uns seit Jahrzehnten damit und haben einen ethnologischen Hintergrund.“ Sie habe zwar schon vom Theaterstück gehört, sei aber noch hin- und hergerissen, ob sie es sich anschauen will. Im Stück wird ein Filmausschnitt gezeigt, in dem die Mandanindianer traditionelle Tänze aufführen. Das sorgt für Lacher im Publikum. „Ich finde das gar nicht so zum Lachen. Sicherlich wirkt es teilweise skurril, aber die Bilder sollen die authentische Beschäftigung mit der Indianerkultur zeigen, als Gegensatz zur Fiktion Karl Mays“, betont Kirsten. Das Material müsse natürlich im Theaterkontext gesehen werden, es dient als Anschauungsmaterial für die Indianistik in Ostdeutschland. Nach seinem Verständnis sei die Indianerbewegung in der DDR aus der Sehnsucht entstanden, sich in die Ferne zu begeben, die physisch nicht erreichbar war. „Wir waren keine Widerstandsbewegung“, präzisiert Joachim Giel, Häuptling der Mandanindianer. Die Indianerkultur habe die Leute eben einfach interessiert, „es gab ja diese DEFA-Indianerfilme mit Gojko Mitic. Die DEFA hat den Grundgedanken des Freiheitskampfes der Indianer gut rübergebracht“, meint Giel. Natürlich kämen viele Leute wegen Rainald Grebe in das Stück und erwarteten Gags, sagt Julius, aber es gebe auch immer wieder ernste Momente. „Es ist einfach schade, wenn Leute aufstehen und gehen ohne es sich ganz angeschaut zu haben. Nur weil man da drin sitzt, heißt es ja nicht, dass man alles gut findet.“ Aber man könne es erst kritisieren, wenn man es gesehen habe, so der Schüler.

Kristin Jurack

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